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Als nächstes Ziel nach Toronto steuerten wir die Niagara Fälle an.
Unterwegs liessen wir es uns natürlich nicht nehmen, in mehreren
Weingütern entlang des Lake Ontario, deren Erzeugnisse zu degustieren.
Diese Gegend ist das Hauptanbaugebiet für kanadische Weine. Cabernet
Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay aber
auch Neuzüchtungen (Hybriden) wie Vidal werden angebaut. Den grössten
Bekanntheitsgrad haben aber die Eisweine erlangt: Im Januar, in frostigen
Nächten werden die gefrorenen Trauben gepflückt und noch gefroren
weiterverarbeitet. Das Resultat sind süsse Dessertweine mit einem
faszinierenden Aroma von exotischen Früchten. Dieser aufwändige Prozess
hat natürlich seinen Preis, so variieren die Preise für 375ml dieses
Nektars zwischen 50 und 140 CHF.
Die Niagarafälle (eigentlich sind es zwei Wasserfälle: American Falls und
Horseshoe Falls) sind in mehrerer Hinsicht atemberaubend: die sich in die
Tiefe stürzenden Wassermassen der Horseshoefälle sind wirklich gigantisch,
atemberaubend ist auch der Gischtteppich, der einem entgegenkommt und
einen von Kopf bis Fuss durchnässt. Atemberaubend ist aber auch der
Touristenstrom, der rund um die Fälle herrscht. Touristen springen aus den
Bussen raus, knipsen ihre Filme leer und schon geht die Reise weiter,
Honeymoonpaare verbringen ihre Flitterwochen rund um die Wasserfälle.
Dieser Brauch wurde von einem Bruder Napoleons begonnen und gehörtnun zu
jeder "ordentlichen" Hochzeitsreise in den Staaten.
Von den Niagarafällen aus fuhren wir entlang des Lake Erie Richtung Detroit.
Diese Gegend ist sehr fruchtbar und dementsprechend wird alles Mögliche
angebaut: von Gemüse, über Früchte bis hin zu Tabak. In Leamington auf dem
Parkplatz des Supermarkets hat uns Robbie angesprochen und zu sich nach
Hause eingeladen. Interessanterweise unterrichtet er an der Schule zur
Zeit eine erste Primarklasse und wir durften seiner Schule einen Besuch abstatten. Wir wurden sehr
freundlich und offen aufgenommen und konnten in verschiedene Klassen
reinschauen.
Bei Leamington befindet sich mit Point Pelee der südlichste Punkt Kanadas
und ist ein Paradies für Vogelschauer: Im Frühling und Herbst zieht hier
allerlei Federvieh vorbei, doch bei unserem Besuch liess sich kein
interessantes Tier entdecken.
Auf dem Weg nach Detroit trafen wir noch Erika, die vor 22 Jahren nach
Kanada ausgewandert ist und hier ein Haus mit 4 ha Land besitzt, jetzt
noch nebenbei Truck fährt und uns zu einem Drink eingeladen hat.
Vor dem Grenzübergang in die USA machten wir uns aufs Schlimmste gefasst:
wir rechneten damit, dass wir komplett auseinandergenommen würden, doch
nichts dergleichen. Der Beamte war sehr höflich und gab uns noch Reisetips
mit auf den Weg. Keine Frage nach Fahrzeugpapieren, Versicherung oder
ähnliches.
In Detroit haben wir nur einen kurzen Photohalt gemacht und sind
weitergefahren. Die Stadt bietet ausser dem Fordmuseum und dem Renaissance
Center keine weiteren
Sehenswürdigkeiten und wirkte trotz Rushhour ziemlich ausgestorben.
Unsere erste Übernachtung in den USA wird uns gut Erinnerung bleiben: um
23:00 kommt bei "unserem" Waldweg ein Streifenwagen vorbei und meint wir
befänden uns auf Privatgrund, der Besitzer hätte ihn angerufen und wir
sollen einen anderen Platz suchen. Zu unserem Erstaunen ist der Cop aber sehr
freundlich und gibt uns noch einen Tip, wo wir für den Rest der Nacht bleiben
dürfen.
Chicago dafür ist schlichtweg umwerfend: Faszinierende Wolkenkratzer,
pulsierendes Leben entlang der Haupteinkaufsmeile, unzählige Museen und
Galerien, eine fahrradfreundliche Strandpromenade und das alles am Lake
Michigan mit seinen sauberen Badestränden. Auch hier in Chicago führen wir
ein angenehmes Clochardleben: Wir schlafen auf einem Parkplatz unter der
Brücke, putzen die Zähne über dem Gulli, benutzen die Toilette im
naheliegenden Hafen. Doch wir lassen es uns nicht nehmen, gemütlich
unseren Tisch und Stühle auszupacken, was Feines zu kochen, bei
Kerzenlicht dazu den kanadischen Wein zu geniessen und die Skyline von
Chicago zu bestaunen.
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