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Nachdem wir uns in Moab ausgetobt hatten, nahmen wir nun
den wohl interessantesten Abschnitt unserer Reise in Angriff, es gilt
möglichst viele der Nationalparks (NP), die sich in dieser Ecke von Utah
und Arizona befinden, noch vor dem Wintereinbruch zu besuchen.
Als erstes ging es via Valley of the Gods, welches ein Miniatur Monument
Valley ist, zum richtigen Monument Valley. Wer kennt sie schon nicht, die
imposanten Felstürme, die dank einer Zigarettenmarke zu Weltruhm gekommen
sind. Das ganze Monument Valley liegt im Navajo Indianerreservat, wo die
übrig gebliebenen Navajos ein eher tristes Dasein fristen. Von dort ging
es über eine abenteuerliche Passstrasse rauf zum Natural Bridges NP. In
einer malerischen Landschaft liegen drei durch einen Fluss ausgefressene
Naturbrücken. Diesen Park haben wir japanisch besucht: Mit dem Auto zum
Parkplatz, ausgestiegen (immerhin das), zum Viewpoint gelaufen, Foto
geschossen und schon ging es weiter zur nächsten Bridge (tja, man kann
nicht überall tagelang herumlaufen). Tags darauf ging es zum Capitol Reef
NP. Über eine Schotterstrecke machten wir einen Abstecher zum Cathedral
Valley: Faszinierende Felstürme und ein Ausblick auf den schneebedeckten
Dixie Nationalforest empfingen uns am Ende der holprigen Strecke. Weiter
ging es durch den Capitol Reef NP, der eine wunderbare Aussicht auf eine
über 100km lange Erdfaltung ermöglicht. Über eine wilde Serpentinenstrecke
gelangen wir nach Boulder, wo wir einen Abstecher in die Berge zwischen
Boulder und Escalante machen, der gemäss US-Broschüren faszinierende
Ausblicke gewähren soll. Die Strecke entpuppt sich als ziemlicher
Reinfall, Wellblech der übelsten Sorte schüttelt uns durch und die
Ausblicke sind nicht erwähnenswert. Nachdem wir in Escalante unsere
Vorräte à jour gebracht hatten, ging es weiter in das Grand Staircase
Escalante National Monument. Eine riesige Gegend die nicht durch spezielle
Naturwunder, sondern durch die Grösse, Abgeschiedenheit und verschiedenste
Landschaftsformen besticht. Wir kurven über teilweise ziemlich
anspruchvolle Schotterpisten und durch atemberaubende Landschaften zum
Lake Powell hin. Der Lake Powell entstand als 1956 der Colorado mittels
Glen Canyon Damm gestaut wurde. Es entstand ein fast 200km langer See, mit
Hunderten von Seitencanyons und einer Uferlinie von fast 3000km. DAS
Wassersportparadies par excellence, im Sommer tummeln sich Tausende von
luxuriös ausgestatteten Hausbooten in den Seitenarmen herum. Wir finden
einen wunderschönen Sandstrand, lassen uns für drei Tage nieder und
geniessen die Zeit mit Schlauchböteln, vor allem die Variante mit
Rauspaddeln, draussen auf dem See ein Buch lesen, den Bauch in die Sonne
strecken und sich danach wieder langsam zurücktreiben lassen geniesst die
Topposition in unserer Beliebtheitsskala. Doch auch die sportliche
Betätigung, mit Beachtennis und Krafttraining kam nicht zu kurz. Und sonst
genossen wir die warmen Temperaturen bei klarstem Sonnenschein. Doch
sobald die Sonne untergegangen ist, sind die Temperaturen schnell gegen
den Nullpunkt gesunken, doch der klare Sternenhimmel entschädigte für die
Kälte. Nach diesen drei herrlichen Tagen machen wir uns wieder in die
Zivilisation nach Page auf, besuchen den Glen Canyon Damm, transformieren
den Inhalt, unseren mittlerweile an Grösse stark gewachsenen
Dreckwäschesacks, in duftende Stöffchen, kaufen den Supermarkt leer und
werden zu Stammgästen in der hiesigen Bibliothek, in der wir an zwei Tagen
mehrere Stunden herumsurfen (in Bibliotheken ist Internet gratis!), mails
beantworten, unseren bevorstehenden Skiurlaub in Colorado organisieren,
etc..
Von Page aus wollten wir über eine einfache Schotterstrasse Richtung Bryce
Canyon fahren, das Schild "Don`t drive when wet!" lassen wir links liegen.
Nach ein paar Kilometern sehen wir an einem Abhang zwei PW's stehen, der
eine gehört vier italienischen Studis, die den Hang runtergeschlittert
sind und vergeblich versuchen wieder raufzukommen. Der andere gehört einem
Navajo der mit seiner Familie nach Salt Lake City will. Gemäss seiner
Information gibt es noch zwei anspruchvolle Hügel zu erklimmen und danach
sollte es einfacher werden. So macht sich denn unser lustiger Konvoi auf.
Wir fahren voraus und legen die Spuren im aufgeweichten Boden, der sich
überall, an den Rädern und Schuhen, mit brachialer Gewalt festklebt
(Araldit ist wortwörtlich ein Dreck dagegen). Ein Italo muss seinen Tribut
zahlen, sein Schuh bleibt im Schlamm stecken. Nachdem unsere südländischen
Kollegen mit Schieben nicht mehr weiterkommen, nehmen wir sie an den
Bergegurt und ziehen sie durch die Gegend. Nachdem es mittlerweile 15:00
geworden ist, stehen wir am steilsten Berg: Der Landy kommt knapp noch
rauf und oben angekommen treffen wir zwei schlammverkrustete Deutsche, die
sich an diesem Hang fast eine Stunde lang die Zähne ausgebissen haben. An
ein Raufschleppen der anderen Fahrzeuge ist nicht zu denken. Somit heisst
die Devise: Rückzug. In der Zwischenzeit hat ein Gewitter den bisher
einfachen Rückweg in eine wunderbare Schlitterpartie verwandelt. Vor uns
steckt ein SUV und der Navajo im Schlamm fest. Also, zuerst den Navajo
rausziehen und danach die Italos wieder an die Kandare und raus geht's.
Gegen 17:00 treffen wir wieder in Page ein, spülen den Dreck aus dem Landy
raus und werden von unseren Amici zum Nachtessen eingeladen, gracie mille
ragazzi.
Somit haben wir wieder mal eine Nacht mehr auf dem Parkplatz des Wall
Mart's verbracht und nehmen heute die Etappe zum Bryce Canyon in Angriff.
Ich habe fertig. |