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Um es schon mal vorwegzunehmen, liebe Leserinnen und
Leser, auf dieser Etappe sind wir weder irgendwo im Schlamm versoffen,
haben keine wilden Abenteuer erlebt, haben weder den Landy verspielt, noch
eine Blitzhochzeit abgehalten. Wir sind meistens auf befestigten Strassen
unterwegs gewesen und haben eine Menge von touristischen und
landschaftlichen Highlights hinter uns gebracht.
Doch nun von Anfang an: Nachdem wir vor Las Vegas am Lake Mead übernachtet
hatten, stürzten wir uns via Hoover Damm ins nächtliche Las Vegas. Von
anderen Travellern erfuhren wir, dass man hinter dem Hotel Luxor gut
übernachten kann. Was auch stimmte, auf dem Parkplatz war schon eine ganze
Ansammlung von Wohnmobilen aus allen möglichen US-Staaten anzutreffen. Las
Vegas ist schlichtweg faszinierend: was hier dem Touri geboten wird, damit
er sich ins betreffende Casino stürzt, ist einfach unglaublich.
Löwenspektakel im MGM, weisse Tiger im Mirage, Live Zirkus im ... klaro
Circus Circus, Venedig im Kleinformat, dafür viel sauberer und
gestanksfrei im Venice, kleine Gässchen à la Paris, Ägyptische Sagenwelt
im Luxor, wilde Seeschlachten im Treasure Island, etc, etc, etc... Und
falls die Erlebniswelt noch nicht genügt, um den Touristen anzulocken,
so wird es auf der lukullischen Ebene versucht: All you can eat Buffet
heisst das Zauberwort. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen und
haben den Champagner Brunch im Sahara genossen. Nach fast vier Stunden
Völlerei wurden Erinnerungen an Monty Python's Meaning of Life wach: "
Noch ein klitzekleines Minzblättchen gefällig ???" Vom Sahara aus wankten
wir den ganzen Strip wieder runter, haben fast alle Casinos durchkämmt und
sind gegen zwei Uhr morgens ins Dachzelt geklettert. Unser Landy mit
Dachzelt entwickelte sich in den fast vier Tagen, die wir in Las Vegas
verbrachten, zu einer regelrechten Attraktion, immer wieder kamen Leute
vorbei und haben uns angesprochen oder fotografiert.
Nachdem das Öl im Differential gewechselt war, ging es weiter ins Death
Valley. Der Name kommt nicht von ungefähr, im Sommer klettert das
Thermometer häufig über die 50˚C
Marke, doch jetzt im November war es angenehme 25˚C
warm. Weiter ging es via Mojave Wüste nach Laughlin, einer weiteren
Casinostadt im Süden Nevadas. Nicht zu vergleichen mit Las Vegas, viel
kleiner und schäbiger, dafür voll Rentner, die mit Sonderangeboten
geködert werden. Auch hier langten wir voll zu und futterten das Buffet
leer. Zufälligerweise fand in Laughlin gerade das Finale der US Team
Roping Championsship statt: Zwei Cowboys müssen mit Pferd und Lasso
bewaffnet ein flüchtendes Rind einfangen. War schon beindruckend zu sehen
wie die ihr Pferd und Lasso im Griff haben. Der erste Reiter muss mit dem
Lasso die Hörner einfangen und der zweite die Hinterläufe. Erwischt dieser
nur ein Bein, so gibt es fünf Sekunden Zuschlag. Die besten Teams hatten
das Rindvieh schon nach sieben Sekunden überwältigt.
Nach Laughlin ging es teilweise via Route 66 zum Grand Canyon South Rim
auf 2100m Höhe. Vorbei waren die warmen Zeiten von Las Vegas, wir mussten
wieder die warmen Klamotten und noch vieles mehr wie Zelt, Benzinkocher,
Rucksäcke und Proviant hervorkramen, denn wir wollten zwei Tage am Fusse
des Colorado, bei der Phantom Ranch verbringen.
Mit je ca. 20 kg auf dem Buckel nahmen wir den South Kaibab Trail zur
1600m tiefer gelegenen Phantom Ranch in Angriff. Der Weg windet sich steil
den Canyon hinunter und bietet fantastische Ausblicke. Vier Stunden später
sind wir mit schmerzenden Beinen angekommen und haben uns im perfekt
eingerichteten Campground installiert: Jeder Platz ist mit Tisch, Bänken
und Kisten für das mitgebrachte Essen ausgerüstet. Um 20:00 Uhr sind wir
schon im Zelt und betrachten den klaren Sternenhimmel. Am nächsten Morgen
ist uns der Wandergott gnädig gestimmt: Es nieselt und wir können mit
gutem Gewissen bis zum Mittag im Schlafsack bleiben. Am Nachmittag machen
wir noch einen kurzen Spaziergang entlang des Colorado und können den
erschöpft daherwankenden Neuankömmlingen zugrinsen. Am nächsten Tag
erwartet uns ein wolkenloser Himmel für unseren Aufstieg von 760 auf 2100m
via Bright Angel Trail. Zum Glück haben wir allen unseren Proviant
aufgefuttert, so waren die Rucksäcke ein wenig leichter. Der Aufstieg geht
locker voran, wiederum ist der Pfad abenteuerlich in den Fels gehauen und
eröffnet wunderbare Aussichten auf den Grand Canyon. Sechs Stunden später
stehen wir wieder auf dem South Rim. Nach einer heissen Dusche und einem
halben Kilo Spaghetti fallen wir müde aber glücklich in den Schlaf.
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