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Ungblaublich aber wahr, obwohl wir eigentlich gar nicht
vorhatten, einen Reisebericht vor dem März zu erstellen, hat es uns doch
wieder in den Fingern gejuckt, und wir wollten Euch, liebe Leserschaft,
unsere Fahrt in die Baja California und die ersten zwei Strandwochen nicht
vorenthalten.
In San Francisco blieben wir über eine Woche bei Val und Karena und
konnten allen Papierkram erledigen, und das Internet durchstöbern nach
einem erschwinglichen Solarpanel und einer gebrauchten Kiteausrüstung.
Da unsere Gastgeber im Napa Valley wohnen und Val Robert Mondavi
persönlich kennt, organisierte er für uns eine Führung durch die Opus One
Winery. Diese Kellerei wird zusammen mit der Familie Rothschild betrieben
und es wird auf Qualität anstatt Quantität gesetzt und nur eine Weinsorte
gekeltert, dafür kostet eine Flasche um die 150$.
Nachdem das Solarpanel montiert war, die Kiteausrüstung gekauft (für
Eingeweihte: ein 12m Wipika Airblast und ein 132 Custom-Carbonbrett. Der
Vorbesitzer ist ein Semiprofi und das Equipment daher nicht wirklich
einsteigertauglich, doch mehr davon weiter unten) und alle nötigen
Versicherungen abgeschlossen waren, ging es los Richtung Süden. Um so
schnell wie möglich runter zu kommen, wählten wir die I-5, beim Rauffahren
nehmen wir uns mehr Zeit und nehmen dann den Highway #1 der Küste entlang.
In San Diego machten wir einen Zwischenhalt, um Petra, eine Kollegin von
Petr, zu besuchen. Sie machte mit uns eine tolle Stadtführung durch ganz
San Diego, merci vielmals Petra !!!
Am nächsten Tag ging es dann über die Grenze nach Mexico. Die gesamte Aus-
und Einreise erwies sich als absolut unproblematisch. Interessant war es
eher die in unserem Pass befestigte Besucherkarte am amerikanischen Zoll
loszuwerden, damit wir im Computer als aus den USA ausgereist registriert
wurden, da sich kein Zöllner für diese Karte interessierte. Ein Zöllner
meinte, wir können sie drinlassen, ein anderer, wir können sie selber
rausnehmen und fortschmeissen, doch Petr bestand darauf, dass sie einer
der Zöllner rausnimmt und registriert, dass wir offiziell ausgereist sind.
Von anderen Reisenden wissen wir mittlerweile, dass diese Karte ziemlich
unwichtig ist.
Durch Tijuana ging es der Küste entlang Richtung Süden. Wunderschöne
Strände und felsige Küstenabschnitte wechselten sich ab mit
kakteenbewachsenen Ebenen und kurvigen Bergstrecken. Dazwischen ab und zu
ein Dörfchen und sonst gähnende Menschenleere.
Vor Guerrero Negro kommen wir nach Baja California Sur, müssen 2$ für die
Desinfektion der vier Räder zahlen, welch ein Witz und holpern über eine
Piste zur Laguna Ojo de Liebre um endlich mal Wale aus aller Nähe
betrachten zu können.
In dieser Bucht überwintern ca. 800 Grauwale, bringen ihre Jungen zur Welt
und nehmen dann Ende März den langen Weg nach Alaska auf sich. In einem
kleinen Fischerboot werden wir in die Bucht reingeschippert und können den
Walen zuschauen. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, wenige Meter von
uns entfernt, ziehen die riesigen Grauwale mit ihren Jungen an uns vorbei.
Ein Flossenschlag würde genügen, um das Boot zu zerschmettern, doch
friedlich tauchen sie auf, beäugen uns und verschwinden wieder in der
Tiefe. In grösserer Entfernung von uns sieht man die Wale aus dem Wasser
herausäugen oder gar herausspringen. Der Bootsführer meinte, es sei noch
ein wenig früh Ende Januar, einen Monat später seien die jungen Wale
neugieriger und zutraulicher und man könne sie sogar vom Boot aus
streicheln. Vielleicht versuchen wir es nochmals beim Rauffahren.
Nach diesem faszinierenden Erlebnis nehmen wir wieder die Strasse unter
die Räder und es geht an unzähligen Kakteen und schönsten
Küstenabschnitten weiter Richtung Süden. In Mulege führt ein Schweizer
Paar eine Tauchschule und wir statten ihnen einen kleinen Besuch ab. Sie
bieten Tauchgänge, aber auch Schnorcheltouren mit Seehunden an. Wer hier
tauchen will:
www.cortez-explorers.com
Weiter geht es an wunderschönen Stränden vorbei, die aber alle schon in
fester Hand von amerikanischen Wohnmobiltouris sind. Wohnmobil an
Wohnmobil reiht sich hier aneinander, dies ist wohl die amerikanische
Vorstellung von Individualtourismus.
Nach über 1700km Strecke durch die Baja kommen wir in La Ventana an. Eine
kilometerlange Bucht, mit feinem Sandstrand, sideshorewind von 4-6
Windstärken, strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel, was will man
mehr? Hier sind die idealen Bedingungen um Surfen und Kiten zu lernen.
Als erstes steuern wir die Kiteschule an, um mal die Preisvorstellungen
für einen Kitekurs zu erhalten und müssen mal leer schlucken: zu zweit
schlägt dies mit 340$ pro Person zu Buche. Danach geht es weiter auf
Übernachtungsplatzsuche. Neben dem Camping hat es noch ein ausgetrocknetes
Flussbett (Arroyo) in dem sich, oh welch Wunder, schon ein
Österreichisches Weltreisepaar, Monika und Fritz und ein deutsches
Zweijahressurfaussteigerpaar (www.worldtour.bluesurf.com), Heike und Ralf einquartiert haben. Sie haben
schon gescherzt, jetzt fehle ihnen nur noch ein Schweizer Paar, et voilà,
hier sind wir.
Heike und Ralf hatten vor, nur ein, zwei Wochen zu bleiben und sind schon
über zwei Monate hier. Wir sind auch schon seit zwei Wochen hier und es
könnten auch noch ein paar mehr werden. Es ist einfach zu schön hier, es
mangelt an nichts: mehrmals pro Woche kommt der Gemüsemann vorbei und
verkauft frisches Gemüse, im kleinen Laden kann man auch das Nötigste
kaufen, im Campingplatz können wir die Duschen und Toiletten benutzen.
Ralf erteilt Kiteunterricht, angefangen mit Kitesteuerung, danach Bodydrag
und zwei Tage später und einigen Litern verschlungenen Meerwassers, war
Petr schon auf dem Brett. Petr revanchiert sich dafür mit Surfunterricht,
Esther wird auch immer besser auf dem Surfbrett und düst schon im Trapez
eingehängt herum, Monika und Fritz verwöhnen uns mit Semmelknödel und
Gulasch. Wir gehen jeden zweiten Tag joggen oder mountainbiken und dehnen
die verkürzten Surfmuskeln danach intensiv durch. Am Morgen geniessen wir
die Sonnenaufgänge aus dem Dachzelt heraus und liegen noch ein wenig herum
und lesen. Dazwischen wird die Spanischgrammatik oder die Querflöte
hervorgeholt und Petr versucht mit verzerrtem Gesicht dieser queren Röhre
ein paar Töne zu entlocken. Hat es mal nicht genug Wind, so werden die
Flossen hervorgeholt und Schnorcheln steht auf dem Programm oder wir
prügeln uns den Beach Tennisball um die Ohren.
Sorry an alle Daheimgebliebenen, es tönt nicht nur paradiesisch, es ist es
auch.
Hasta Luego !
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