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Nachdem wir San Francisco Goodbye gesagt haben, ging es der
Nordkalifornischen Küste entlang nach Alaska. Wiederum wunderschöne
Küstenlandschaften, die denen des traditionellen Highway #1 zwischen L.A.
und S.F. in nichts nachstehen. Weiter ging es durch den Lassen Volcanic
Park, der leider noch Wintersperre hatte (die Amis sind einfach zu faul,
um den Schnee wegzuräumen), zum Mount Shasta. Eine Besteigung dieses 4250
Meter hohen Vulkans reizte uns schon längere Zeit. Am Fusse des Bergs
angekommen, erkunden wir die Mietmöglichkeiten von Schneeschuhen,
Steigeisen und Pickel, sondieren das Wetter aus, erstehen im Rangeroffice
die Bewilligung (man stelle sich das mal in der Schweiz vor, wenn man für
jeden Hügel zahlen müsste) und packen unsere Rucksäcke für die zweitägige
Besteigung. Zum Glück können wir den Landy auf 2050 m.ü.M parkieren und
müssen so nur 1100 Höhenmeter zum Biwakplatz überwinden. Die
Streckenführung ist einfach und geht schnurstracks rauf zum Helen Lake, wo
wir um 16:30 schweissgebadet ankommen und unser Nachtlager bei
hochsommerlichen Temperaturen einrichten. Absteigende Bergsteiger haben
uns mitgeteilt, sie hätten den Gipfel nicht erreichen können, da der Wind
zu stark war, doch wir hoffen, dass sich die guten Prognosen als wahr
erweisen. Wir geniessen den Sonnenuntergang und den herrlichen Ausblick
auf die uns umgebende Bergwelt. Es geht früh ins Bett, da es schon
empfindlich abkühlt und wir am nächsten Tag um 4:00 aufstehen wollen, um
die nächsten 1100 Höhenmeter zum Gipfel unter die Füsse zu nehmen. Um
Mitternacht beginnt es zu Stürmen, was dem Schlaf nicht zuträglich ist und
das Wasserkochen für Tee und Bouillon auch nicht erleichtert. Mit
reduziertem Frühstück und Wasserration brechen wir auf. Der steile Weg
durch die Avalanche Gulch nimmt kein Ende und zehrt an der Kondition. Wir
spüren die Höhe, kein Wunder, kommen wir doch direkt von Meereshöhe, selbst an Umkehren wird gedacht, doch als wir den Gipfel
vor uns sehen, können wir noch die letzten Energiereserven mobilisieren
und erklimmen den Shasta. Welch Ausblick, welch ein Gefühl, es geschafft
zu haben. Auf dem Runterweg nehmen wir all die dampfenden Felsritzen wahr,
aus denen nach faulen Eiern stinkender Dampf entweicht und die uns
ermahnen, dass wir soeben einen noch aktiven Vulkan bestiegen haben. Es
geht flott und beschwingt an den anderen armen Seelen vorbei, die den
Aufstieg noch vor sich haben, ins Basislager runter, packen alles zusammen
und weiter geht's zum Landy.
Als nächstes Ziel stehen die Oregon Dunes auf dem Programm. Ein fast 80 km
langer und bis zu 5 km breiter Küstenabschnitt, der von Sanddünen bedeckt
ist und mit Fahrzeugen befahren werden darf. Wir lassen die Luft aus den
Reifen und schon beginnt das Abenteuer. Die Dünen hier sind steil und vor
allem schräg abfallend und wir müssen fortwährend aufpassen, nicht schräg
die Düne runterzupurzeln. Im Vergleich zu den Pismo Dunes oberhalb von
L.A. ist es hier fast menschenleer und wir haben die ganze Landschaft für
uns. Am nächsten Tag passiert es: wir fahren an einem engen Sandtrichter
vorbei und die Passage wird immer enger und holpriger und wir bleiben in
bedrohlicher Schräglage stecken. Nach kurzer Zeit kommen ein paar
Buggyfahrer vorbei und meinen, das Ganze sei gar nicht so schlimm, der
Landy könne nicht kippen und wir sollen rückwärts in die Mulde runter und
von dort wieder rauffahren. Klappte erstaunlich gut und wir waren wieder
um eine Sanderfahrung reicher.
Nach diesem stressigen Teil ging es zur Erholung durch die
Weinanbaugebiete rund um Portland. Hier wird vor allem Pinot Noir und
Chardonnay angebaut. Leider wurden wir ziemlich enttäuscht, der Wein war
nicht sehr harmonisch, kein Gehalt und schwacher Abgang.
Portland hat ein übersichtliches, gemütliches Stadtzentrum mit vielen
Parks aber auch vielen Pennern, die diese Parks bewohnen. Eine
Besichtigung der Widmer Brauerei mit anschliessender Degustation führte
uns in die Geheimnisse der hiesigen Braukunst ein, hicks.
Wie schon im letzten Reisebericht angetönt, haben wir einen Zwischenhalt
in Hood River an der Columbia River Gorge eingeschaltet. Anfänglich
wollten wir eine Woche bleiben, dann haben wir noch eine Woche angehängt
und als der Windreport für die nächste Woche sehr vielversprechend aussah,
haben wir noch ein Woche angehängt. Somit wurden es drei sportliche Wochen
mit Kiten und Biken. Die Columbia River Gorge ist berühmt dafür, dass es
im Sommer mit bis zu 9 Windstärken kachelt und der Wind gegen die Strömung
des Flusses bläst und so masthohe Dünungswellen erzeugt. Ein Leckerbissen
für Windsurfer und Kiter. Jetzt im Frühsommer war der Wind zum Glück noch
nicht so stark und somit war es möglich mit dem Kite aufs Wasser zu gehen,
ohne vom Winde verweht zu werden. Frühsommerlich waren auch die
Wassertemperaturen, die selten die 14°C Marke überstiegen und die einem
die Zähne ins Schlottern brachten, wenn das Wasser langsam durch den
Reissverschluss des Neoprenanzugs eindrang. Rund um Hood River hat es
genial angelegte Mountainbikepfade, die punkto Funfaktor ihresgleichen
suchen. Um das sportliche Pensum voll zu machen, sind wir noch auf den Mt.
Hood gekraxelt. Morgens um 2:00 starteten wir auf 1650 m.ü.M und in den
nächsten 5.5 Stunden ging es rauf auf 3350 Meter. Es war ein wunderschönes
Erlebnis in der Dunkelheit, im Schein der Taschenlampen, die Schneefelder
aufzusteigen und dann die Morgendämmerung mitzuerleben. Dass auch der Mt.
Hood ein noch aktiver Vulkan ist, liessen uns die überall nach Schwefel
stinkenden Dampfschwaden spüren. Um 7:30 standen wir alleine auf dem
Gipfel und genossen die Aussicht. Als wir runterstiegen, kamen uns noch an
die 30 Gipfelstürmer entgegen. Gemäss Aussage eines Bergführers, sei es an
Wochenenden noch viel schlimmer, da sind es an die 200 Personen, die den
Berg erklimmen wollen.
Von Hood River aus ging es weiter am Mt. St. Helens vorbei, der 1980
ausgebrochen ist und die ganze Gegend herum in Schlamm und Asche gelegt
hat. Tausende von toten Bäumen zeugen von der Urgewalt, die hier gewütet
hat. Das nächste Ziel war der Mount Rainier, ein 4380 Meter hoher, immer
noch aktiver Vulkan, der wie der St. Helens in den nächsten 5, 50 oder 500
Jahren ausbrechen kann. Majestätisch steht er da, mit seinen steilen
Wänden und den schroffen Gletscherspalten. Von hier war es nur noch ein
Katzensprung nach Seattle. Dort angekommen suchten wir noch eine
Landrovergarage auf, um eine neue Hupe zu montieren, da die alte den Geist
aufgegeben hat. Jason ist super hilfsbereit und wir montieren gleich zwei
stärkere Hupen, somit sollten wir für die südamerikanischen Strassen
gerüstet sein. Danach schlendern wir durch Seattle, finden einen
Zeitungsstand mit internationalen Zeitungen und führen uns Spiegel, Stern
und wie all die anderen Illustrierten heissen, zu Gemüte. Es tat echt mal
wieder gut, deutsche Hefte mit Tiefgang und Informationsgehalt zu lesen,
was man von den amerikanischen Pendants in keiner Art und Weise behaupten
kann. Die 12$ für die Aussicht von der Space Needle im ehemaligen
Weltausstellungsgelände sparen wir uns, dafür fahren wir in Downtown in
einem Wolkenkratzerli rauf, haben Glück, dass dort die Büros unbelegt sind
und haben dadurch ungestörte Aussicht auf Seattle. Am Besten hat uns der
Pike Place Public Marked gefallen, wo frisches Meeresgetier und Waren aus
aller Welt (auch Schweizer Käse und italienischer Prosciutto) feil geboten
wird. Ein kurzer Besuch im Goldrush Museum vervollständigte den Besuch.
Ein paar Facts zum Goldrush: 1897 kamen die ersten Meldungen von
sagenhaften Goldfunden bei Dawson City. Dies führte zu einer
Massenhysterie, der sogar der Bürgermeister von Seattle erlegen ist und ab
nach Alaska verschwunden ist. Der Weg in den Norden war lang und
beschwerlich. Jede Person musste Material und Lebensmittel für ein Jahr
mitführen und diese über den Chilkhoot Pass schleppen und dann noch per
Boot 750 km weit nach Dawson verschiffen.
Wir werden es gemütlicher haben mit unserem Landy und in den nächsten
Reiseberichten sicher noch weitere Infos zum Goldrush haben.
Von Seattle ging es weiter nach Vancouver. An der Grenze werden wir
freundlich empfangen, die Formalitäten sind schnell erledigt, unser Landy
wird mal wieder nicht beachtet und schon sind wir in Kanada. In Vancouver
fällt uns sofort der hohe Anteil an Asiaten auf und das völlige Fehlen von
überfetteten Amis. Wie in Montreal sind hier die Leute megasportlich,
überall um uns herum joggt, biked, skated, walked es herum. Die Läden hier
sind internationaler ausgerichtet, sind trendiger und wir fühlen uns hier
wie nach Europa versetzt und dementsprechend sauwohl. Am Abend genehmigen
wir uns noch ein 'all U can eat'- Sushi und futtern uns durch die gesamte
Speisekarte. Soviel könnte nicht mal ein ausgewachsener Sumo verdrücken, was
wir verschlungen haben.
In der nächsten Etappe, rauf nach
Anchorage, heisst es Kilometer verschlingen, doch davon im nächsten
Reisebericht. |