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Von Vancouver ging es nur ein paar Kilometer weiter nördlich nach
Squamish, wo am Wochenende das Mountainbikeclassique "Test of Metal"
stattfinden sollte: 67km Rundtour und fast 2000 Höhenmeter waren zu
überwinden. Dieses Rennen wird als eines der schwersten in Nordamerika
gepriesen, die ersten zehn dürfen anschliessend an Profirennen teilnehmen
und die 800 Startplätze sind schon Monate im voraus vergeben. Dieses
Spektakel durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir wurden
nicht enttäuscht, die Passagen waren teilweise ziemlich haarig und
spektakuläre Stürze blieben nicht aus, wo Mann und Frau mitsamt Rad
kopfvoran im Wald verschwanden. Die Organisatoren legten auf Sicherheit
nicht allzuhohen Wert, waren selbst an den Schlüsselstellen keine
Sanitäter postiert. Nachdem das Rennen vorüber war, trauten wir uns auch
auf die Strecke und mussten den Teilnehmern unserer Respekt zollen: die
Strecke war wirklich verdammt anspruchsvoll und selbst Petr musste
mehrmals absteigen und sein Rad schieben. Nach unserer Radtour fanden wir
einen Zettel an unserer Windschutzscheibe: morgen fände hier ein Treffen
des British Columbia Landroverclubs statt. Hin und her gerissen zwischen
Trialwettbewerb des Test of Metal und des Landytreffens entschliessen wir
uns für Letzeres. Am Morgen finden sich an die zehn Landys ein und es geht
ab in die Berge. Das Wetter wir immer mieser und oben auf dem Pass, wo der
Geschicklichkeitsparcours ausgesteckt wird, ist es neblig, kalt und es
regnet. Da der Parcours mehrere Wasserdurchfahrten beinhaltet und wir kein
Interesse haben unser gesamtes Gepäck zu fluten, lassen wir unseren Landy
stehen und fahren mit den anderen mit. Thanks very much BC Landrovers !!!
Weiter ging es nach Whistler Blackcomb, das wir eigentlich im Winter
erleben wollten, doch blieben wir lieber länger in der Baja, anstatt hier
zu frieren. Whistler ist ein Retortenort im Stil eines
bayrisch-österreichischen Dörfchens aufgebaut, doch leider nur ein
schwacher Abklatsch. Architektonisch ist das ganze ziemlich lieblos
zusammengepflastert. Dafür bietet es einen absolut coolen Bikepark an: mit
der Sesselbahn rauf und volle Pulle runter. Empfohlen wird ein heavy duty
full suspension Bike und eine Ganzkörpercrossausrüstung. Da wir weder das
eine, noch das andere haben, radeln wir old fashioned rauf und runter und
geniessen das anschliessende Bad im nahe liegenden Bergsee.
Von Whistler geht es weiter via Williams Lake nach Prince George, Zentrum
der hiesigen Holzfällerindustrie. Hier rüsten wir noch unsere Vorräte auf,
da es, je weiter nördlich wir kommen, teurer wird. Wir nehmen den Cassiar
Highway Richtung Watson Lake und machen einen Abstecher nach Stewart und
Hyder. In Hyder kommen jedes Jahr Tausende von Lachsen flussaufwärts, um
zu laichen. Dies wissen die ansässigen Bären, fischen die Lachse aus dem
Wasser und schlagen sich die Mägen voll. Leider sind wir Anfangs Juli noch
zu früh dran und sehen weder Lachs noch Bär. Dafür fahren wir zum ...
Gletscher rauf. Ein fantastatisches Panorama eröffnet sich uns und
entschädigt für die 80km Schotterstrecke. Der Cassiar Highway ist
streckenweise noch geschottert und da es zu allem hin noch regnet,
überzieht sich unser Landy mit einer braunen Schlammschicht.
In Watson Lake ist ein riesiger Schilderwald DIE Attraktion. Angefangen
von einem heimwehgeplagten Soldaten beim Bau des Alaska-Canada Highways
1942, hängen mittlerweile über 47'000 Schilder herum. Neben amerikanischen
Nummernschildern, stechen viele liebevoll gestaltete Deutsche und
Schweizer Schilder ins Auge.
Nach einer weiteren 600km Tagesetappe treffen wir in Whitehorse ein und
haben die Möglichkeit den 1. Juli (Nationalfeiertag in Kanada) hier zu
erleben. Festumzug, diverse Attraktionen und verschiedenste Futterstände
führen durch den Tag. Auf unsere Anfrage im Tourist Office, wieso es kein
Feuerwerk gäbe, kriegen wir die schmunzelnde Antwort, es mache nicht so
viel Sinn, Feuerwerkskörper in die Luft zu knallen, wenn die Sonne erst um
23:30 untergehe und man daher herzlich wenig sähe. Klaro, oder? Die Tage
hier sind herrlich lang: Sonnenuntergang 23:30, Aufgang 4:30 dazwischen
dämmert es ein wenig ein, doch richtig dunkel wird es nie. Es wäre
idyllisch am See zu sitzen, zu lesen, den Sonnenuntergang zu geniessen,
wären da nicht die Plagegeister von Moskitos und Blackflies, die es auf
unser Blut abgesehen haben.
Weiter geht es nach Skagway, das im Goldrush von 1898 DER Hafen für all
die Tausende von Möchtegerngoldschürfern war.
Ein paar weitere Facts zum Goldrush:
Von Seattle mit dem Dampfschiff losgelegt und in Skagway angelangt,
mussten die Goldsucher ihre Tonne Hab und Gut an den verschiedenen
Banditen vorbeibringen, die sie um ihren Besitz bringen wollten. Hatten
sie diese Hürde hinter sich, hatten sie die Wahl über den Chilkhoot oder
den White Pass zu kraxeln. Ersterer war 1144m hoch und nur zu Fuss zu
erklimmen. Um eine Tonne Material rüberzuschleppen, musste dieser bis zu
40 mal überquert werden. Letzerer war zwar mit Pferden zu überqueren, doch
verendeten hier mehr Pferde, als solche, die es rüberschafften. Daher
wurde dieser Pass sinnigerweise auch Dead Horse Trail genannt. War diese
Hürde überwunden, wurde am Lake Benett das Winterlager aufgeschlagen und
es musste ein Floss gebaut werden, um im Frühling bei Eisschmelze, die
nächsten 700km den Yukon flussabwärts zu schippern. Stromschnellen bei
Whitehorse beendeten manch einen Goldschürfertraum. In Dawson City
angelangt, mussten dann die meisten feststellen, dass sie zu spät gekommen
waren und die ertragsreichsten Claims schon längst abgesteckt waren. So
blieb ihnen nur noch die Wahl für andere zu schürfen oder wieder
umzukehren. Life is a bitch !!!
Viele der historischen Gebäude sind in Skagway noch erhalten und man
kriegt einen Eindruck, wie es hier vor 100 Jahren ausgesehen haben muss.
Hier können wir den 4. Juli (Nationalfeiertag der USA) miterleben. Neben
Festumzug werden noch weitere Attraktionen wie Eierweitwurf,
Kuchenwettessen, Armdrücken, Nageleinschlagen und Pizzawerfen angeboten.
Von Skagway verschiffen wir in einer Stunde nach Haines und können dort
noch das 4. Juli Feuerwerk miterleben. Wir geniessen die Fahrt durch die
Fjordlandschaft und würden gerne noch weiterschippern. Von Haines führt
die Strasse durch herrliche Berglandschaft und würde im Herbst am
Futtergebiet von Hunderten von Weisskopfadlern vorbeiführen, doch jetzt im
Sommer lässt sich keiner blicken.
Es geht vorbei am Kluane NP, der die höchsten Gipfel Kanadas und zusammen
mit dem Wrangell-St.Elias NP von Alaska das grösste Gletschermassiv
ausserhalb der Polkappen einschliesst. Der Park ist erst 1980 gegründet
worden, ist riesig und noch nicht fertig erschlossen, So muss man eine
Dreitageswanderung auf sich nehmen, um einen Blick auf die imposante
Gletscherwelt zu werfen. Wir wären durchaus interessiert an solch einem
Unterfangen, doch hat es gemäss Ranger zu viele Bären in der Gegend und
der Trail ist geschlossen, schade. Am Abend sitzen wir gemütlich am See,
beginnen das Nachtessen zuzubereiten und auf einmal kommt ein Touri zu uns
und meint, ob wir den Grizzly hinter unserem Auto schon gesehen hätten.
Verwundert stehen wir auf und siehe da, keine 30m von uns entfernt frisst
ein erwachsener Grizzly Gras und Beeren und lässt sich in keiner Art und
Weise von uns und den mittlerweile eingetroffenen anderen Fahrzeugen
stören. Wir entschliessen uns, unseren Fisch erst zu braten, wenn der Bär
weg ist. Doch der macht keine Anstalten sich zu verziehen. Nach einer
halben Stunde trottet er in den See und kühlt sich ab. Nach dieser
Abkühlung scheint er Interesse an uns gefunden zu haben und zottelt in
unsere Richtung. Als er sich bis auf 25m annähert, schalten wir das Radio
volle Pulle ein. Dies scheint ihn zu irritieren, er verzieht sich und wir
können endlich unseren Fisch braten. Wir beruhigen uns damit, dass Bären
nicht Leitern klettern können und verziehen uns ins Dachzelt.
Nach diesem bärigen Erlebnis ziehen wir tags darauf weiter den
Bergen entlang, betreten wieder amerikanischen Boden und folgen dem
Wrangell-St.Elias NP, der eine Fortsetzung des Kluane NP auf
amerikanischem Boden ist. Die Fläche des Parkes ist grösser als die der
Schweiz. Bei Chitina biegen wir auf die 90km Schotterstrecke nach McCarthy
ab. Hier zuhinterst im Tal wurde 1902 die weltweit grösste Kupfermine
eröffnet. Die umliegenden Berge wurden wie Emmentalerkäse mit über 100km
Stollen durchlöchert und das Erz wurde mittels Seilbahnen nach Kennecott
gebracht, wo es verarbeitet und danach per Eisenbahn nach Cordova
transportiert wurde. Kennecott ist heute eine der grössten Ghost Towns in
den USA und die verlotternden Gebäude sind stumme Zeugen einer Ära die
1938 mit dem Zerfall der Kupferpreise jäh abgebrochen wurde. Uns wurde die
Wanderung auf den Donoho Peak empfohlen, die in 1-2 Tagen zu
bewerkstelligen ist und schöne Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und
Gletscher bieten soll. So packen wir unsere Pickel, Steigeisen und was wir
sonst noch für eine Tageswanderung mit Gletscherquerung brauchen und
fahren per Bike von McCarthy nach Kennecott zum Root Gletscher. Die
Überquerung geht zügig voran, doch danach heisst es sich für die nächsten
Stunden durchs Gebüsch und Dickicht zu kämpfen, bis wir ans Geröllfeld des
Dohono Peak kommen. Nach 3.5 Stunden losen Gerölls haben wir die 1200
Höhenmeter teilweise auf allen Vieren kraxelnd hinter uns gebracht und
stehen auf dem Gipfel. Ein atemberaubender Ausblick eröffnet sich uns.
Mehrere Gletscher entspringen in den Bergmassiven und ziehen über
Kilometer ins Tal. Wir sind uns von der Schweiz doch einiges an Bergen
gewöhnt, doch dieser Anblick ist echt überwältigend. Der Abstieg ist
bedeutend einfacher, können wir durchs Geröll ins Tal "runtersurfen". Im
Dickicht verlaufen wir uns einmal, doch dank GPS kommen wir wieder auf den
richtigen Weg zurück. Um 23:30 haben wir den Gletscher wieder überquert
und machen uns mit den Radeln auf den Weg zum Auto. Ist ein
unwahrscheinliches Gefühl, mitten in der Nacht, bei leichter Dämmerung den
Gletscher zu queren. Nach 15 Stunden, 26km und 2'000 Höhenmetern kommen
wir erschöpft, aber glücklich diese grandiose Aussicht genossen zu haben,
wieder beim Auto an. Der nächste Tag ist der Entspannung gewidmet und mit
muskelverkaterten Beinen machen wir uns nach Valdez auf, das auch Schweiz
von Alaska genannt wird. Wir queren den Thompson Pass, der im Winter bis
zu 25m Schneefall verzeichnet und daher ein beliebtes Heliskigebiet ist.
Es geht auch an der Alaska Pipeline vorbei, die im Norden in der Prudhoe
Bay beginnt und sich 1200km durch Alaska nach Valdez windet. Das Öl wird
von dort auf Tanker verladen und zur Weiterverarbeitung verschifft. In
1989 ist die Exxon Valdez auf Grund gelaufen und hat eine Ölkatastrophe
verursacht, von der sich die Natur- und Tierwelt einigermassen erholt hat.
Esther macht eine Gletscherrundfahrt zum Columbia Glacier und bekommt
Seeotter, Seelöwen, Buckelwale, Weisskopfadler, Puffins und viele
Eissschollen zu Gesicht, doch leider kann das Schiff nicht nah genug an
den Gletscher ran, um das Kalben zu beobachten. So müssen wir denn bis
Südamerika warten. Auf dem Schiff lernt sie noch Cornelia und Christoph
aus Zürich kennen die vor 2 Wochen ihren Halbjahrestrip um die Welt
gestartet haben und beim Nachtessen versorgen wir uns mit aktuellen News
aus der Schweiz.
Von Valdez aus ging es entlang des Glenn Highways nach Anchorage. Dieser
Highway führt entlang von mächtigen verschneiten Gipfeln und war für uns
bisher der schönste Streckenabschnitt in Alaska, doch uns stehen ja noch
einige weitere Leckerbissen bevor und dann ändert sich diese Einschätzung
vielleicht.
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