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In Anchorage angekommen, machten wir nur ein kurzes Sightseeing und fuhren
weiter Richtung Kenai Halbinsel. Wir unternahmen einen kurzen Abstecher
zum Portage Gletscher vor Whittier und fuhren weiter nach Seward. Hier ist
es möglich, fast bis zum Exit Gletscher zu fahren und ihn aus der Nähe zu
bestaunen. Bedenklich stimmt, dass er in diesem Jahrhundert, schon um
einige hundert Meter geschrumpft ist. Seward ist ein aktiver
Fischerhafen und Ausgangspunkt für Gletschersightseeing und Kanutouren.
Von Seward ging es weiter nach Homer. Dominierten auf der Fahrt nach
Seward noch hohe Berge, so wurde es jetzt immer flacher und wir kamen an
Anchor Point, dem westlichsten, mit dem Auto anfahrbaren Punkt in
Nordamerika vorbei. Interessant ist auch der Einfluss, den hier die
russischen Seefahrer und Händler hinterlassen haben. Nicht zu vergessen:
Alaska wurde erst 1867 vom russischen Zar an die USA verkauft! Auf dem
Sandspit in Homer geniessen wir den Sonnenschein bis spät in die Nacht
hinein.
Zurück in Anchorage haben wir die Möglichkeit das Governors Picnic
mitzuerleben: Ein Fest mit verschiedenen Darbietungen und freiem
Mittagessen gesponsort vom Governor. Wir geniessen den warmen Sommertag
und schauen uns auch noch den samstäglichen Markt an. In Anchorage
werden wir zu Stammgästen im Kinkos, verbringen wir hier fast drei Tage
mit mails schreiben, Homepage aktualisieren und Websurfen. Daneben machen
wir noch auf "Kultur" und ziehen uns Terminator 3 mit Noldi Schwarzenegger
rein. Die Nächte verbringen wir auf einem stillgelegten K-Mart Parkplatz,
der ein Geheimtip für alle Wohnmobilisten aus ganz Amerika ist. An die
fünfzig andere RVs stehen hier herum. Natürlich werden wir von allen
interessiert beäugt und wie ein Heuschreckenschwarm fallen die
pensionierten RV'ler über uns her, lassen uns kaum in Ruhe frühstücken und
bombardieren uns immer wieder mit den gleichen Fragen: Where are you from,
how long are here for, did you ship the car over, bla bla bla .... . Wir
machen wohl demnächst einen Flyer mit den FAQ, den wir in solchen
Sitationen verteilen können.
Die nächste Destination ist der Denali NP, mit dem höchsten Gipfel
Nordamerikas dem Mt. McKinley oder Denali (6100m). Der Park kann nur mit
Tourbus befahren werden, welcher am Besten ein bis zwei Tage im voraus
reserviert wird und kostet für die volle Streckenlänge 33$. Dies ist uns
zu viel und wir schauen uns dafür das Visitorcenter und alle möglichen
Filme an. Hier treffen wir auf Ann, Geoff und Russell aus England, die mit
ihrem Landy durch die USA touren. Natürlich entsteht ein angeregtes
Gespräch über Landrover, Reisen und es wird beim gemeinsamen Nachtessen
fortgesetzt. Tags darauf machen wir einen kleinen Spaziergang beim
Parkeingang und treffen auf Alan aus Dallas, der mit seiner Familie in
einem Landrover Discovery für drei Monate durch Amerika zieht. Wir
übernachten am gleichen Ort, machen aber wegen dem starken Wind fast kein
Auge zu, da unsere Autos von den Böen hin und her geschaukelt werden und
man sich oben im Dachzelt wie auf einem Schiff fühlt. Wir fahren gemeinsam
nach Fairbanks rauf und entdecken vor dem Pioneer Park einen roten
Aargauer Landy. Wir klemmen unsere Visitenkarte unter die Scheibenwischer
und machen eine kleine Stadtbesichtigung. Vor dem Visitor Center treffen
wir auf Bob und Geena aus Pennsylvania, die mit einem, ja was wohl? Ja,
mit einem 1964er Landrover Series IIa für 5 Wochen in Alaska unterwegs
sind. Liebevoll restauriert und gepflegt gesellt er sich in unsere
Landroverparade. Man könnte meinen, es ziehe alle Landyfahrer nach Alaska.
Nach drei amüsanten Tage zusammen mit Alan und seiner Familie
verabschieden wir uns, sie wollen rauf in die Prudhoe Bay über den Dalton
Highway. Wir machen noch einen kurzen Abstecher in den Kinko's und wen
treffen wir hier, nein, keinen Landyfahrer, sondern Christoph Tschudi, mit
dem Petr bei ABB zusammengearbeitet hat, und der hier soeben die
Inbetriebsetzung einer Batterieenergiespeicheranlage abgeschlossen hat.
Zufälle gibt es. Christoph führt uns durch die Anlage und erklärt uns
alles. Merci vielmals !!!
Auf der Fahrt nach Dawson steht auf einem Rastplatz ein, jaaaaa, richtig
erraten, der rote Aargauer Landy aus Fairbanks. Sonja und René sind die
Besitzer und sind schon seit fast einem Jahr durch Australien und
Neuseeland unterwegs und wollen ebenfalls rauf nach Inuvik. Hinzu gesellen
sich noch Franziska und Armin, die mit ihrem Mietcamper für einen Monat
durch Alaska ziehen. Da jedes Team ein unterschiedliches Reisetempo hat,
verabreden wir uns für Dawson City.
Auf der Fahrt nach Dawson fahren wir durch Chicken, das aus einem Laden,
Bar und Restaurant besteht. Die Bar besticht durch ihre einzigartige
Sammlung von an die Wände und Decke genagelten Visitenkarten, Mützen und
BH's. Noch heute suchen hier einige Unentwegte nach Gold. Wir machen noch
einen Abstecher nach Eagle am Yukon, in dem die Uhr stehengeblieben zu
sein scheint. Von hier aus hat Amundsen seine erfolgreiche Durchfahrt der
Nordwestpassage in die Welt telegrafiert.
Der Top of the World Highway, führt auf über 1000 m.ü.M. entlang der
Hügelkette und bietet wunderschöne Ausblicke auf beide Seiten. Am Abend
kommen wir in Dawson an und veranstalten auf dem Camping mit Sonja,
Franziska, René und Armin ein Schweizer BBQ. Reiseerlebnisse - und tips
werden ausgetauscht und es wird ein richtig gemütlicher Abend. Unser
gemeinsames nächstes Ziel heisst Inuvik und nächstentags bricht jedes Paar
zu den 740 km Schotterstrecke auf. Die Strasse ist in einem sehr guten
Zustand und Geschwindigkeiten bis zu 110km/h kein Problem, das Wetter
sonnig und bietet wunderschöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, Täler
und Flüsse. Am Polarkreis (66°33') machen wir Mittagspause und geniessen
die Aussicht. Hier oben herrscht Permafrost, die Vegetation ist karg,
Taiga und Tundra sind die dominierenden Vegetationsformen. Bei einem
kurzen Spaziergang in der Tundra fühlt man sich wie auf Wolken, sinkt bis
zu den Knöcheln ein und federt Schritt um Schritt durch die Landschaft.
Zwei Flüsse müssen per Fähre überquert werden, was schnell vor sich geht.
Die letzten 150 km vor Inuvik ist die Landschaft flach und eintönig. Wir
treffen abends in Inuvik (68°21') ein, wo uns schon Franziska und Armin
begrüssen und wir geniessen die Mitternachtssonne. Inuvik ist das
Verwaltungszentrum für alle Inuit, die in den umliegenden Dörfern leben.
Im Sommer ist das Flugzeug und im Winter der Schneeschlitten das
Haupttransportmittel. Am nächsten Tag besuchen wir die Iglukirche,
schlendern durch die Stadt und machen uns wieder auf den Rückweg, da
Inuvik ausser seiner nördlichen Lage keine weiteren touristischen
Highlights zu bieten hat. Das Wetter ist uns nicht mehr freundlich
gesinnt, es giesst wie aus Kübeln. doch dafür gibt es Ausblicke auf einige
kitschige Regenbögen.
Dawson war die Boomstadt während des 1898er Goldrushs und hatte während
seiner Hochblüte bis zu 30'000 Einwohner. Alle Berge in der Umgebung
wurden umgegraben und diverse Techniken angewendet um trotz Permafrost ans
gelbe Edelmetall ranzukommen. Heute präsentiert es sich wie vor hundert
Jahren, die Gebäude sind restauriert, ausser der Haupstrasse hat es nur
Naturstrassen und Holzbürgersteige. Gold wird immer noch geschürft, doch
mit moderneren Methoden als anno dazumals. Auch Petr kann es nicht lassen,
holt seinen Suppenteller hervor und versucht sein Glück im Flussbett. Doch
ausser kalten Füssen und einem schmerzenden Rücken gab es nichts zu
holen. Abends trifft sich unsere Schweizer Clique im "Diamond Tooth
Gerties" und geniesst die excellente Show.
Für uns heisst es nun wieder Kilometer knüppeln, wollen wir doch bis Ende
August die kanadischen Nationalparks Banff, Jasper und Glacier und in den
Staaten noch den Yellowstone absolvieren. Ob wir dieses enge Programm
geschafft haben, erfahrt Ihr, liebe Leserschaft im nächsten Reisebericht.
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