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Wir sind in Calgary und warten auf eine neue Kupplung. Somit haben wir
Zeit und Musse einen neuen Reisebericht zu tippseln um Euch, liebe
Leserinnen und Leser auf dem Laufenden zu halten.
Was bisher geschah:
Nachdem wir Dawson verlassen haben, ging es schnellstmöglich runter nach
Süden, um unsere Nationalparktour zu absolvieren. Um nicht die gleiche
Strecke wie beim rauffahren zu nehmen, bogen wir auf den Campbell Highway
ab. Fast 600 km Schotterstrecke, welche durch eine hügelige Landschaft
führen. Von Ross River bis nach Watson wurde es flach und ziemlich
eintönig und wir waren froh in Watson Lake angekommen zu sein. Dort haben
wir uns mit einem Schild im Schilderwald für immer verewigt. Wir düsten
(na, ja, ein bisschen übertrieben für einen Landy) weiter und machten
einen Badestop in den Liard Hot Springs. Vom Parkplatz aus geht es zu Fuss
gut zehn Minuten in den Wald hinein, wo zwei Naturpools idyllisch im Wald
versteckt sind und man sich kostenlos aufweichen kann. Bei der Quelle ist
das Wasser so heiss, dass man sich wie ein Lobster im Kochtopf vorkommt.
Nach den Liard Hot Springs ging es wieder durch gebirgigere Landschaft,
bevor vor Dawson Creek die weiten, flachen Ebenen begannen. Unterwegs
kamen wir uns vor wie einem Wildtierpark: Caribous, Ziegen, Hirsche,
Bisons und viele Schwarzbären mit Jungen säumten den Weg. Mehrere Male
blieben wir stehen und beobachteten die jungen Schwarzbären, wie sie im
Gras herumtollten.
Dawson Creek ist der Anfang des Alaska-Canada Higways und somit wäre das
touristische Highlight schon abgehakt.
Weiter ging es zum Jasper Nationalpark. In den Miette Hot Springs konnten
wir die Badeunkultur der Nordamerikaner bewundern. Sind wir von der
Schweiz her gewohnt, dass in den Thermalquellen Sprudelbecken,
Massagedüsen, usw. den Badespass erhöhen, begnügt man sich hier mit einem
heissen Becken mit Wasser. Das wars's. Am Abend feierterten wir unser
erstes Jahr Reisen, gingen fein essen und stiessen auf das nächste
Reisejahr an.
Am nächsten Morgen klopft ein Parkranger an unser Zelt und fragt, ob wir
denn nicht wüssten, dass man in einem Nationalpark nur auf einem
offiziellen Campingplatz und nicht wild campieren dürfe. Mit
Unschuldsmiene beteuern wir, wir hätten keine Ahnung davon gehabt und er
lässt uns mit einer Verwarnung laufen, doch das nächste Mal gebe es eine
saftige Busse.
Wir machten mehrere kleinere Spaziergänge rund um Jasper und machten
unterwegs einen Halt am Columbia Icefield, wo es nur so von Touris
wimmelte, welche sich mit Spezialfahrzeugen auf den Gletscher
transportieren liessen. Nach den obligaten Fotos ging es weiter nach Lake
Louise. Die Berglandschaft ist eindrücklich und erinnert uns sehr an die
Schweizer Alpen. Weiter ging es zum Glacier und Revelstoke NP. Letzterer
ist erst vor kurzem wieder geöffnet worden, da akute Waldbrandgefahr
bestand.
Per Zufall erfahren wir, dass in Cranbrook (ca. drei Stunden Fahrzeit) ein
Profi-Rodeo stattfindet. Da unsere Kollegen aus der Baja, Ines und Axel
ganz in der Nähe, in Kimberley wohnen, statten wir ihnen einen kurzen
Besuch ab. Es ist ein freudiges Wiedersehen und die beiden entschliessen
sich, mit uns ans Rodeo zu gehen. Zum Glück kommen die beiden mit, denn
der Weg ist so schlecht ausgeschildert, dass wir es alleine wohl nicht
gefunden hätten. Das Rodeo selber ist echt spektakulär und es werden alle
Disziplinen absolviert: Wilde Pferde mit und ohne Sattel reiten, Kälber
fangen und umwerfen, Teamropping (2-er Teams fangen ein Kalb mit Lassos
ein), Slalom reiten und als Höhepunkt am Schluss Bullriding. Die Bullen
wüten schon im Verschlag wie die Wilden und wir bewundern die Kerle, wie
sie sich auf den Rücken dieser tobenden Muskelmasse zu halten verstehen.
Ines verwöhnt uns mit Rindsbraten und Spätzle, selbst gebackenem Brot und
Kuchen, gegrillten Bratwürsten und macht uns so den Abschied gar nicht
leicht.
Banff ist voll von Touris, doch die umgebende Landschaft wunderschön. Wir
statten dem berühmten Banff Springs Hotel einen Besuch ab, schauen uns
eine Tanzvorführung der Siksika People an und fahren nach Calgary, wo wir
einen Termin für den Landy-Service haben. Einerseits wollen wir den
Service machen und andererseits diverse Garantiarbeiten (tropfender
Simmerring Diff. vorne, Simmerring Zentraldiff. undicht) erledigen lassen,
bevor es runter nach Südamerika geht. Wir können im Hinterhof der Garage
übernachten, sogar ein Campingtisch ist vorhanden, doch die Nacht ist
wegen dem vielen Verkehr nicht allzu ruhig. Am nächsten Tag hört sich der
Mechaniker unsere wimmernde Kupplung an und meint, dies sei das
Ausrücklager und es wäre besser dieses zu wechseln. Wir stimmen dem zu und
entschliessen uns, wenn schon das Getriebe ausgebaut ist, auch gleich die
Kupplung zu wechseln, da sie auch schon 65'000km drauf hat und die
Druckplatte schon erhebliche Verschleissspuren aufweist. Obwohl wir eine
weltweite Garantie haben, wird diese hier in Nordamerika nicht anerkannt
und wir müssen die Reparatur selber berappen und kriegen die Kosten wieder
zurückerstattet. Teile für den Td5 Motor erhält man auch nicht, somit
haben wir die Kupplung direkt vom Schweizer Landroverimporteur via Express
zuschicken lassen. Ein herzliches Dankeschön geht an Herrn Guala von
Landrover Safenwil für seinen tollen Einsatz.
In der Zwischenzeit können wir bei Gord, dem Sales Manager von Landrover
Calgary wohnen und
haben von der Garage einen Freelander zur freien Verfügung erhalten, was
absolut super ist.
Am Wochenende waren wir live an einem Dragsterrennen. Unglaublich wie
diese Dinger abgehen: in 5.5 sec legen diese die Viertelmeile zurück und
haben eine Endgeschwindigkeit von fast 400 km/h. 3000PS und Stichflammen
röhren aus den offenen Auspuffen, trotz Gehörschutz ist der Lärm
ohrenbetäubend.
Tags darauf können wir am Offroadtag der Landroververtretung Calgary
teilnehmen. An die 30 Fahrzeuge finden sich ein und eine Stunde ausserhalb
der Stadt geht es über Stock und Stein. Selbst die kleinen Freelander
meistern teilweise ziemlich wilde Felsabsätze.
Die ganze nächste Woche geht mit Sightseeing, Mails schreiben, Planung der
Weiterreise drauf und am Freitagmorgen geht es mit Dan, dem Chef von
Landrover Calgary an den Little Bow Lake. Er hat uns eingeladen, mit ihm
das Wochenende zu verbringen. Er nimmt zwei Seadoos mit und wir haben die
Möglichkeiten mit diesen Dingern auf dem See herumzuheizen: 130 PS und
Endgeschwindigkeiten von über 80km/h lassen den See klein werden.
Zwischendurch frischt der Wind auf und Petr kann sogar den kleinen 7m²
Kite auspacken und herumduesen. Dan entpuppt sich als Meisterkoch und
verköstigt uns bis die Nähte platzen.
Am Montag ist die Kupplung schneller als erwartet angekommen, wurde
eingebaut und am Donnerstag legten wir los Richtung Yellowstone. Wir
möchten uns ganz herzlich bei allen Mitarbeitern von Landrover Calgary
bedanken, die uns in den zwei Wochen, die wir hier waren, super
unterstützt und geholfen haben. Thanks a lot !!!
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