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Las Vegas war wieder einmal genial. Wir konnten bei unserem Freund Markus
Mika einige Tage bleiben und ausspannen. Faulenzen war angesagt, jedwelche
Aktivitäten verschoben wir auf die Abendstunden, war es doch immer noch
verdammt heiss. 40°C im Schatten waren für uns
Alaskatemperaturen-Gewohnten immer noch zu heiss. Doch jetzt wissen wir
wenigstens, wie sich der Sommer in der Schweiz angefühlt haben muss. Da
wir ja nun schon das zweite Mal in Las Vegas waren, pickten wir uns nur
noch die Highlights aus und schauten den Menschenmassen zu, wie sie dem
Strip entlangzogen. Ein weiteres Highlight war der 50-Jahre Geburtstag des
Playboy-Magazins, das an diesem Wochenende in La Vegas im Palms Hotel
zelebriert wurde. Sowas mussten wir uns natürlich anschauen, da überall in
Las Vegas Werbung für diesen Anlass gemacht wurde. Enttäuscht teilte uns
der Bodyguard aber mit, dass die Party am Pool nur für Hotelgäste war und
die Übernachtungspreise auf 400$ geschnellt sind. Doch so leicht liessen
wir nicht locker (vor allem Petr). Um wenigstens einen Blick auf den Pool
zu erhaschen, wo die Party stattfand, fuhren wir ein paar Stockwerke höher
und wollten aus einem Fenster runterschauen. Im Dritten angekommen, fanden
wir kein Fenster, dafür einen Notausgang, also Treppe runter, links,
links, rechts und schon waren wir in der Disco, wo der Event am Abend
fortgesetzt werden sollte und die Crew schon am Vorbereiten war. Wir
schlenderten cool an ihnen vorbei und schon waren wir am Pool, wo all die
Schönheiten wie bei einer Nutztierschau herumstolzierten und die coolen
Macker ihre muskulösen Bodies zur Schau stellten. War echt amüsant das
ganze Geschehen zu beobachten, so viel Silikon an einem Ort kriegt man
selten zu sehen.
Am nächsten Tag hiess es Abschied nehmen von Markus und wir fuhren weiter
Richtung Süden. Die Hitze im Landy war fast nicht zum Aushalten, trotz
offenen Fenstern und Lüftungsklappen kochte es uns fast aus. In Calexico
wollten wir kleine Ventilatoren kaufen, um uns wenigstens ein wenig
abzukühlen, wenn der Landy steht. Doch offensichtlich sind uns andere
zuvorgekommen, in ganz Calexico waren keine kleinen Auto-Ventilatoren
aufzutreiben. Doch knapp vor der Grenze wurden wir im Wal Mart doch noch
fündig und wir haben endlich eine "Air Condition".
Der Grenzübertritt war problemlos und alle Formalitäten in weniger als
einer Stunde abgeschlossen. Bye bye USA, Hola Mexiko.
In San Felipe angekommen, kauften wir uns sogleich frisches
mexikanisches Süssgebäck und Brötchen und freuten uns auf das viele
frische Obst und Gemüse, das wir hier wieder zu erschwinglichen Preisen
kaufen können. Das Wetter verschlechterte sich zusehends, es windete, das
Meer wurde immer dunkler und wilder und bald goss es wie aus Kübeln. In
Puertecito erfragten wir bei einem Poizeiposten den Wetter- und
Strassenzustand und der Diensthabende meinte, der mittlerweile zum
tropischen Sturm abgeschwächte Hurrikan Marty sei am Durchziehen und die
Strassen seien dadurch teilweise unpassierbar. Na, schöne Aussichten. So
machten wir uns auf die Suche nach einer sicheren Bleibe und fanden diese
in Bahia Christina. Hier wurden uns zwei Wohnwagen angeboten, welche aber
schon völlig durchnässt waren und wir konnten den Besitzer überzeugen, uns
doch in der Kneipe am Boden übernachten zu lassen. So assen wir gemütlich
Tortillas, während es draussen stürmte und tobte. Via Funk erfuhren wir
auch, dass mittlerweile die Strassenverbindung nach Norden auch
unterbrochen war und wir feststeckten. Die ganze Nacht über tobte der
Sturm, doch wir hatten unsere Plache und Luftmatrazen am Boden ausgelegt
und schliefen bestens. Tags darauf war der Sturm vorbei, das Wetter klarte
wieder auf, doch über die nächsten 20km Schotterpiste konnte auch per Funk
keine Aussage gemacht werden, da bisher noch niemand durchgefahren war. So
machten wir uns auf, um den Weg vorzuspuren. Immer wieder war die Strasse
weggespült worden und wir mussten uns einen Weg übers Geröll hinweg
suchen. Vor Punta Willard übernachteten wir an einem wunderschönen Strand.
Punta Willard wäre ein wunderschönes Plätzchen, wenn nicht schon dutzende
von Amis ihre Holzbaracken an den Strand geknallt und somit verschandelt
hätten.
Wieder auf der Hauptstrasse angelagt, ging es weiter nach Mulégé, wo wir
wieder mal Béa von Cortez Explorer einen Besuch abstatteten. Sie war
gerade damit beschäftigt, ihr Haus und Shop von den Folgen Marty's
aufzuräumen, der in Mulégé ziemlich gewütet hat. Wir verbringen einen
super Grillabend am Strand, muchas Gracias Béa, und ziehen Tags darauf
weiter nach La Paz. Auf der gesamten Strecke sind die Folgen von Marty zu
sehen: weggespülte Strassen, geflutete Felder und als positiver
Nebeneffekt: alles blühte und spriesste und verwandelte die trockene Baja
in eine blühende Blumenwiese.
In La Paz sind alle Reklametafeln umgefegt worden, einige Strassen
unterspült, die Uferpromenade teilweise beschädigt, doch das Leben geht
weiter und es wird fleissig repariert. Wir statten noch Libuše
und Jürg in Todos Santos einen Besuch in ihrer schmucken Casa Posada ab,
herzlichen Dank für das feine Zmorge, fahren zurück nach La Paz, rüsten
unsere Vorräte auf, checken die emails, übernachten nochmals in Tecolote
und dann geht es endlich ab nach La Ventana. Auch hier hat Marty gewütet,
Pablos Restaurant muss gereinigt werden, der Campground sieht mitgenommen
aus, Stromleitungen hängen herum, Strom gibt es keinen, der Strand ist
wieder kleiner geworden, unser Arroyo hat es voll ausgewaschen, dafür
haben wir jetzt den schönsten Sandstrand weit und breit.
Wir machen es uns bequem im Arroyo und warten auf Wind, der leider auf
sich warten lässt. Die erste Woche ist es verdammt heiss, tagsüber um die
40°C, Abends kühlt es kaum unter die 30°C Marke und selbst in unserem
luftigen Dachzelt wird es kochend heiss. Dafür ist das Wasser wunderbare
26°C warm. Statt Wind kommen gegen Ende
Woche unsere Österreicher Freunde Monika und Fritz Gadermaier angedüst,
mit denen wir schon die letzten drei Monate im Arroyo zu La Ventana
gestanden sind.
Interesssant wird es wieder, als die nächste Hurrikanwarnung reinkommt:
gleich zwei Hurrikane nähern sich der Baja California. Wir verfolgen den
Lauf der Stürme per Internet und im Campground haben die Touris ihre
Satellitenschüsseln aufgestellt und können uns exakte Infos geben.
Vorsichtshalber verlassen wir das Arroyo für drei Tage um nicht weggespült
zu werden. Es gibt ein paar starke Regengüsse, doch die beiden Hurrikane
haben sich zum Glück gegenseitig neutralisiert. Wir lernen noch Gloria und
Jimmy kennen, welche eine 40 Meter Yacht betreuen. Sie laden uns zur
Bootsbesichtigung ein und erzählen uns auch, dass während Marty 53 Schiffe
im Hafen von La Paz abgesoffen sind.
Die nächsten zwei Wochen hat es ab zu mal ein wenig Wind, doch nichts
Grossartiges, so beschränken sich unsere Aktivitäten auf Joggen, Biken,
Stretching, Kraftraining, Lesen, Spanisch lernen, Mundharmonika spielen,
Deutsche Welle hören, einmal pro Woche nach La Paz reinfahren um die
Vorräte aufzustocken und die emails checken.
Esther musste noch einmal zwei Zahnarztbehandlungen über sich ergehen
lassen, da die Zahnnerven auf das Füllmaterial reagiert haben und sie
überhaupt nicht mehr kauen konnte. Somit musste sie noch einmal die
Plomben rausnehmen, eine temporäre Füllung für eine Woche rein und dann
wieder alles raus und die definitive Füllung, doch jetzt ist wieder alles
in Ordnung.
Auch hatten wir die Möglichkeit in El Sargento einen Schulbesuch zu
absolvieren. War echt interessant zuzuschauen, wie hier der Unterricht
gestaltet wurde. Beeindruckt hatte uns vor allem, dass in ganz Mexiko die
gleichen Schulbücher verwendet und an die Schüler kostenlos abgegeben
werden, die exakte Wochenplanung der Lehrerinnen, die jede Woche vom
Schuldirektor abgesegnet wird und wie mit einfachen Mitteln ein
interessanter Unterricht gestaltet wurde. Am Abend wurden wir von den
Lehrerinnen zu einem mexikanischen Abendessen eingeladen und haben viel
über das Leben in Mexiko erfahren.
Wir werden noch ein paar Tage in La Ventana bleiben und dann heisst es
schon wieder Abschied nehmen.
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