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Nachdem unser Landy seinen Staub abgeschüttelt hat, nahmen wir die
historischen Städte Durango, Zacatecas, Guanajuato und Guadalajara in
Angriff. Durango war die erste grosse Stadt auf dem Festland und
überraschte uns völlig. Hatten wir die Vorstellung auf dem Festland würde
grössere Armut als auf der Baja California herrschen, so wurden wir,
zumindest was die Städte betrifft, eines Besseren belehrt. Auf dem Land
sieht es hingegen schon anders aus. Die Stadt war sauber, fast die
gleichen Einkaufsmöglichkeiten wie bei uns in der Schweiz und auf der
Plaza flanierten die piekfein angezogenen Einheimischen umher. Die
historischen Kirchen und Herrschaftshäuser waren ein Augenschmaus und wir
kamen aus dem Staunen nicht heraus. Welch eine Umstellung zu Nordamerika,
wo um 1900 errichtete Holzhütten schon als archäologische Raritäten
gelten.
Weiter geht es zur Silberminenstadt Zacatecas, die noch eindrücklicher
war. Die gesamte Altstadt ist seit 1993 Weltkulturerbe und wunderschön. Am
Abend können wir sogar noch einer Callejoneada beiwohnen, bei der eine
Musikgruppe durch die Gassen zieht, der eine ganze Menschenhorde folgt und
ihre Stimmung mit frei ausgeschenktem Tequila aufheizt. Tags darauf
besuchen wir die Mina El Eden, wo über 400 Jahre lang nach Silber
geschürft wurde. Unglaublich wie der Berg ausgehölt wurde und
unvorstellbar welche Strapazen die Minenarbeiter hier ertragen mussten.
Heute kann die Mine besichtigt werden und an Wochenenden findet sogar ne
Disco statt.
In Aguascalientes nahmen wir, wie es der Name schon besagt, ein heisses
Thermalbad, wobei wir ein eigenes Badeabteil für uns haben. Welch eine
Wohltat mal wieder ein heisses Bad zu nehmen! Hier treffen wir Melanie und
Stefan aus Basel, die mit ihrem Sohn Finn in einem alten VW-Bus ebenfalls
nach Panama runter wollen. Da werden wir uns ja sicher noch ein paarmal
über den Weg laufen.
So geschehen in Guanajuato auf der Plaza, das neben Zacatecas eine der
wichtigsten Silberminenstädte Mexikos war. Guanajuato liegt umgeben von
Bergen auf 2500 M.ü.M und ist wie ein Emmentaler-Käse unterhöhlt. Um die
Altstadt vom Verkehr zu entlasten, wurden viele Tunnels gegraben und die
Fahrt durch die Stadt gleicht einer Geisterbahnfahrt. Wir haben Glück, am
Wochenende wird die Schutzheilige der Stadt gefeiert und überall preisen
Händler leckere Spezialitäten an, die wir noch nie gesehen geschweige denn
versucht haben. Natürlich begeben wir uns auf Entdeckungstour, naschen
hier und da und geniessen die Umstellung zu Nordamerika, das uns mit
seiner Essmonokultur ziemlich verleidet ist. Die prächtigen Kirchen und
Häuser lassen nur erahnen, welch Reichtum hier geherrscht haben muss. Wir
lassen uns auf der Hauptplaza nieder und schauen über eine Stunde lang dem
bunten Treiben zu. Hier in Guanajuato wird uns so richtig bewusst, wie
religiös die Mexikaner sind. Laufen sie an einer Kirche vorbei, so
bekreuzigen sich die meisten, selbst die Jungen. Die Gottesdienste sind
meistens voll und für Mädchen, die ihr 15. tes Lebensjahr erreichen, wird
eine Messe abgehalten. In Guanajuato übernachten wir, wie schon in
Zacatecas, auf einem Mirador (Aussichtspunkt). In der zweiten Nacht, als
wir gerade am Zähneputzen waren, fuhr die Polizei vor und wir dachten
schon, dass sie uns wegjagen wollen, doch weit gefehlt. Sie meinten nur,
wir sollten zum anderen Mirador fahren, dort hätte es weniger Kiffer, wäre
sicherer und wünschten uns eine gute Nacht. So viel Freundlichkeit hätten
wir nicht erwartet!
Nächstes Ziel war Guadalajara, eine 5 Millionenstadt, die wir auf dem Weg
zurück zur Küste anschauen wollten. Am Lago Chapala vor Guadalajara machen
wir nur einen kurzen Mittagshalt. Hier haben sich an die 20'000
amerikanische Rentner und Möchtegernkünstler niedergelassen und die
Stimmung lässt uns schnell wieder Reissaus nehmen. Der Verkehr in
Guadalajara ist viel ruhiger als erwartet und wir kommen problemlos ins
Zentrum rein, parken und betreiben Sightseeing. Guadalajara hat im
Vergleich zu den vorher besuchten Städten weniger Historisches zu bieten,
doch es ist eine moderne Stadt mit einem pulsierenden Markt und vielen
chicen Einkaufsmöglichkeiten. Wir gehen in die Nachtvorstellung von
"Matrix 3", welche um 22:20 beginnt und haben in einem 20
Saal-Kinokomplex, einen 400 Personensaal mit einer Riesenleinwand ganz
alleine für uns! Die Nacht verbringen wir in einem noblem Wohnquartier am
Strassenrand und schlafen gemütlich im Landy drin, ohne Probleme. Tags
darauf geht es nach Tequila, wo der gleichnamige Agavenschnaps gebraut
wird. Wir besichtigen die Fabrik und lernen dort Alejandro, den
Verkaufsmanager des Hotel Fenix kennen und er lädt uns zu einer Nacht im
Hotel ein. Wauh, eigentlich wollten wir schon an die Küste runter, doch so
ein Angebot können wir nicht ausschlagen und fahren zurück nach
Guadalajara. Das Hotel liegt im Zentrum von Guadalajara, wir können den
Landy in der Tiefgarage unterstellen und uns wiederum ins Getümmel
stürzen. Am Abend ins Hotelzimmer zurückzukehren, noch die Glotze
anzumachen und am nächsten Morgen ne schöne warme Dusche zu nehmen ist
schon eine feine Sache, doch daran wollen wir uns besser gar nicht
gewöhnen und wir ziehen am nächsten Tag weiter an die Küste.
In Barra de Navidad angekommen, trafen wir auf Andreas und Michaela, die
mit ihrem Wohnmobil ebenfalls nach Feuerland unterwegs sind (www.panamobil.de).
Bei einem Bierchen werden Erfahrungen ausgetauscht und am nächsten Tag
ziehen die beiden weiter. Wir haben hier mit Gloria und Jimmy von der
PrincessK abgemacht, die hier einen Monat stationiert sind, bevor sie
weiter runter nach Panama schippern. Die Wiedersehensfreude ist gross und
beim Nachtessen gibt es viel zu Plaudern. Die beiden können uns
Member-Tickets für das Luxushotel Isla de Navidad verschaffen, in dessen
Marina sie stationiert sind. Somit können wir im Hotelgelände parken und
am Pool herumhängend den Schönen und Reichen zuschauen. Nach vier Tagen
haben wir genug und es zieht uns weiter Richtung Acapulco. Wir nehmen es
gemütlich, fahren jeweils bis in den frühen Nachmittag, pflanzen uns dann
an den Strand und machen Badeferien. Wir haben keine Probleme, niemand
belästigt uns und wir fühlen uns absolut sicher.
Acapulco liegt in einer wunderschönen Bucht, die von Hotels gesäumt wird,
ist voll auf Tourismus ausgelegt, aber immer noch schöner als die meisten
spanischen Mittelmeerresorts. Natürlich bestaunen wir die berühmten
Klippenspringer, welche vor ihrem Sprung zuerst den Felsen raufkraxeln
müssen und sich dann von 25 und 35 Metern Höhe in die Fluten
runterstürzen. Zum Übernachten fahren wir weiter in die nächste Bucht, wo
die Luxusmeile von Acapulco am Entstehen ist, tuckern neben einem dieser
Hotels an den Strand und geniessen das Strandleben, mit dem dazugehörigen
wunderschönen Sonnenuntergang.
Das nächste Ziel heisst Taxco, das ebenfalls zu den bedeutendsten
Silberminenstädten Mexikos gehört. Die Strasse windet sich immer weiter in
die Berge hinauf, bis wir wieder auf 1700 M.ü.M in Taxco ankommen. Wir
schlängeln uns durch die engen und engsten Gässchen rauf zum
Aussichtspunkt und werden dabei von einer Meute VW-Käfern- und Autobussen
verfolgt, die hier noch zu Tausenden als Taxis und Autobusse fungieren.
Wieder mal ist Fiesta angesagt, das Silberfest steht an und auf der
Hauptbühne trällern ein paar Schönlinge ihre Lieder über Liebe, Eifersucht
usw.. Das Publikum scheint von der Darbietung nicht allzustark beeindruckt
zu sein und steht eher gelangweilt in der Gegend herum. Wir flanieren
durch die Strässchen, schauen dem Treiben zu und ziehen von Schmuckladen
zu Schmuckladen, da Esther eine silberne Halsbeschwerung als Souvenir
ergattern möchte. Die Häuser sind im spanischen Stil gehalten und die
Stadt gefällt uns fast noch besser als Guanajuato.
Weiter geht es zum Nevado de Toluca, einem verloschenen, 4690 Meter hohen
Vulkan, der mit dem Auto angefahren werden kann. Wir wollen am Fusse des
Vulkans übernachten und dann früh rauffahren um den Sonnenaufgang zu
bestaunen. Die Strasse zum Eingang des Nationalparks steigt stetig an und
als wir in der Dunkelheit ankommen, zeigt der Höhenmesser 3700 Meter an.
Das verheisst eine kalte und kopfschmerzende Nacht zu werden. Doch als wir
am nächsten Morgen um 6:00 aufbrechen, ist es nur knapp unter dem
Gefrierpunkt und von Kopfschmerzen keine Spur, Glück gehabt. Um 6:30
stehen wir vor einer weiteren Barriere und die Tafel daneben lässt
verlauten, dass die Weiterfahrt erst um 8:00 möglich ist. Wir hupen den
Parkwächter aus dem Bett, doch trotz minutenlangem Zureden, Betteln,
Drohen, lässt sich der Depp nicht erweichen und wir müssen bis 8:00
warten. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen und das Frühaufstehen war
für die Katz. Die Strasse windet sich weiter auf 4200 Meter, doch unseren
Landy scheint die Höhe nicht gross zu beeindrucken und er tuckert
friedlich vor sich hin ohne gross Rauchwolken hinter sich herzuziehen. Uns
macht die Höhe weit mehr aus und eine kurze Wanderung den Vulkanrand rauf,
lässt uns wie alte Asthmatiker schnaufen und den Puls in den Kopf steigen.
Dafür ist die Aussicht gut und wir können am Horizont den dampfenden
Popocatepetl und die Iztaccihuatl erkennen.
Ja, liebe Lesende, bald habt Ihr es geschafft, nur noch schnell zu den
Monarch-Schmetterlingen und dann ist dieser Reisebericht geschafft. Die
Fahrt durch die Wälder und Täler zum Schmetterlingsreservat ist
navigatorisch fast schwieriger als der Kupfercanyon und wir kommen am
Abend vor dem Visitorzentrum von El Rosario an. Wir campen auf einer Wiese
vor dem Eingang und stehen morgens schon um 8:00 vor der Kasse, nehmen uns
einen Führer und spazieren den gut ausgebauten Weg zu den Bäumen hinauf,
wo die Schmetterlinge zu Hunderttausenden herumhängen. Vor lauter
Schmetterlingen sieht man die Bäume fast nicht mehr. Wir wollten genug
früh bei den Schmetterlingen sein, um sie noch an den Bäumen zu sehen,
bevor sie herumzuflattern beginnen. Das Timing ist super: die Dinger
hängen an den Bäumen und hängen und hängen... . So stehen wir uns bis
10:30 die Füsse in den Bauch, bevor die Sonne die Bäume erreicht, die
Schmetterlinge aufwärmt und sie zu Tausenden zu fliegen beginnen. Überall
schwirren sie herum, landen auf anderen Bäumen, Sträuchern und
gelegentlich verirrt sich einer auf unsere Köpfe, ein einmaliges
Spektakel. Noch ein paar Fakten: Monarch Schmetterlinge verbringen den
Sommer in den USA und Kanada und ziehen zum Überwintern nach Mexiko. Die
über 4000 km lange Strecke legen sie in Tagesetappen von über 100 km
zurück. Hier paaren sie sich und flattern wieder rauf in den Norden, wo
die Jungen schlüpfen und wieder runterziehen. Wie sich diese kleinen
Dinger orientieren ist bis heute noch ein Rätsel.
Toluca statten wir nur einen Kurzbesuch ab, übernachten an der Tankstelle,
umgeben von Lastwagen und bereiten uns auf die Fahrt ins 50km entfernte
Mexiko City vor.
Das war's.
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