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Am Morgen haben wir in Toluca an der Tankstelle unseren Wassertank
aufgefüllt und rein ging es nach Mexiko City. Wie wird der Verkehr sein,
sieht man vor lauter Smog etwas, wann fangen uns die bekannt korupten
Polizisten das erste Mal ab, wo werden wir übernachten? Diese Fragen
gingen uns durch die Köpfe, als wir den ersten Polizeiwagen im Rückspiegel
entdecken. Die vorgeschriebene Geschwindigkeit war 60km/h, alle donnerten
mit über 90 Sachen an uns vorbei, doch die Polizei wollte uns nicht
überholen. Nach ein paar Minuten halten sie uns an, der Polizist will
Wagenpapiere und Führerschein sehen. Esther hält sie aus dem Fenster raus,
doch lässt sie nicht los, da wir gehört haben, sobald ein Polizist den
Ausweis in der Hand hat, gibt er ihn nicht her, bevor eine "Morbida", ein
kleines Bestechungsgeld bezahlt wird. In unserem Fall wäre dies eh nicht
so schlimm, da wir nur unsere kopierten Ausweise zeigen. Der Polizist
meint, wir hätten Endziffer 1 an unserer Autonummer und dürfen am Montag
nicht fahren. In Mexiko City gibt es wegen des Smogs Fahrbeschränkungen,
an jedem Tag dürfen Fahrzeuge mit bestimmten Endziffern nicht fahren. Dies
erstaunt uns, steht doch in unseren Reiseführern, dass mit Endziffer 1 am
Donnerstag nicht gefahren werden darf und heute ist Montag. Das ändere
sich eben jedes Jahr, meint der Polizeibeamte trocken. Falls wir die
umgerechnet 200 CHF Franken Busse sofort zahlen, können wir ungestört
weiterfahren, ansonsten muss das Auto für zwei Tage eingestellt werden.
Das erscheint uns ein bisschen komisch, doch haben uns andere Reisende
auch schon informiert, man solle immer auf die Polizeistation mitgehen,
dort kläre sich vieles viel einfacher. So lässt man uns denn nach 20
Minuten Diskussion Richtung Polizeiwache vorfahren, doch der Polizeiwagen
bleibt weit zurück. Wir halten wieder an und der Polizeibeamte meint, er
hätte jetzt mit seinen Kollegen per Funk gesprochen und wir können
ungestört weiterfahren. Das kommt uns nun ziemlich spanisch vor und wir
halten gleich an der nächsten Tankstelle an, um uns über den aktuellen
Stand der Sperrungen zu informieren. Hier stellt sich heraus, dass die
Informationen in unseren Büchern korrekt sind und man uns einfach
verarschen wollte. Nach diesem Intermezzo geht es weiter in die Stadt,
Ziel ist die Schweizer Schule. Wir haben den Rektor per email kontaktiert,
ob es möglich wäre einen Schulbesuch abzustatten und dies wurde uns
zugesagt. Doch bevor wir dort ankommen, werden wir schon wieder von
Polizisten aus dem Verkehr gezogen, mit der gleichen Begründung, Endziffer
1, blablabla. Wir teilen den Herren Polizisten lächelnd mit, wir kennen
die Beschränkungen und sie sollen uns nicht veräppeln. Verdutzt schauen
sie uns an und lassen uns weiterziehen.
Wir parken im Schweizer Sportclub und laufen zur Schule rüber um einen
Besichtigungstermin zu vereinbaren. Leider gibt es keine
Übernachtungsmöglichkeit in der Schule. Wir kehren zurück zum Auto zurück
und während wir unsere hochexquisiten Thonbüchsen-Mayonaise-Tortillas
futtern, spricht uns Pablo an, der gerade seine Kinder zur Schule gebracht
hat. Er kann es nicht fassen, dass wir mit unserem Auto nach Mexiko
gekommen sind und lädt uns zu sich ein. Wir können unseren Landy bei ihm
in der Garage einstellen und mit der Metro in die Stadt reinfahren. Dies
ist absolut genial, wir hätten es uns nicht besser vorstellen können.
Pablo ist Grafiker mit eigenem Unternehmen, zählt somit zur mexikanischen
Oberschicht und wir erfahren sehr viel über Land, Kultur und die Hassliebe
zu den nördlichen Nachbarn.
Der Besuch in der Schweizer Schule ist sehr interessant, wir können in der
3. und 5. Klasse der Primarschule reinschauen und sind erstaunt über die
hohen Ansprüche, die an die Schüler gestellt werden (es wird in Deutsch
und Spanisch unterrichtet), die gute Infrastruktur (Theatersaal,
Schwimmbad und mehrere Sportplätze) und das hohe Niveau (die Abgänger des
Gymnasiums bestehen die Aufnahmeprüfung an die Schweizer Universitäten
problemlos).
Eine Woche lang können wir bei Pablo bleiben und latschen uns die Füsse
wund, um nur einen kleinen Teil dieser faszinierenden und
abwechslungsreichen Stadt zu entdecken. Alle Vorurteile die wir gegen
diese Stadt gehört haben, sind bei weitem nicht so schlimm, wie
angenommen. Natürlich ist die Luft nicht so sauber, am Abend brennen die
Augen, doch andere europäische Städte haben im Winter grössere
Smogprobleme. Wir fühlen uns jederzeit sicher, sei es in der Metro, im Bus
oder zu Fuss in den Märkten. Seit Präsident Fox im Amt ist, soll sich die
Situation auch erheblich gebessert haben. Der Verkehr pulsiert rund um die
Uhr, doch haben wir keine grossen Staus miterlebt. Es hat viele neue VW's,
Audis, Peugeot's, Citroen's und Opel. In Paris sieht man
viel mehr verbeulte Karrossen herumfahren. Bettler hat es ebenfalls
erstaunlich wenig und im Zürcher HB zieht man mehr Penner herumlungern als
hier. Überrascht waren wir auch von den kühlen Nächten und der Tatsache,
dass die Häuser keine Zentralheizung haben. So sassen wir denn abends
häufig mit der Faserpelzjacke bekleidet in der Couch und haben uns mit
Pablo und seinen Kindern unterhalten.
Alles in allem waren wir mehr als positiv überrascht von dieser Stadt und
sind froh, dass wir uns allen Unkenrufen zum Trotz hier reingewagt haben.
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