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Na, ja, so schnell wie wir eigentlich gedacht hatten, sind wir von
Xpu-Ha nicht weggekommen. Der 80'000 km Service am Landy stand an,
daneben noch einige kleinere Reparaturarbeiten an unseren Kleidern,
Dreckwäsche galt es sauber zu bringen, und, und, und, und schwupps schon
war eine Woche vorbei. Eigentlich wollten wir gar nicht weg, es hat uns
hier doch sooooo gut gefallen. Die Info von unseren Campingnachbarn, dass
es auf der gesamten Karibikküste keine schöneren Strände als Xpu-Ha geben
sollte, hat unsere Abreise auch nicht beschleunigt. Die eine Woche ging
leider viel zu schnell vorüber und es hiess Abschied nehmen.
Als nächstes Ziel haben wir uns Punta Allen ausgesucht, das
ebenfalls schöne Strände und gut zum Schnorcheln sein sollte. Die 65km
lange Holperstrecke haben wir in 3 Stunden hinter uns gebracht, sind aber
ziemlich enttäuscht von den Stränden und Punta Allen selber. Wir machen
kehrt und finden 10 km nördlich von Punta Allen einen schönen Standplatz
am Strand unter Palmen. Wir bleiben hier zwei Tage und geniessen die Zeit
in der Hängematte, beim Schnorcheln oder beim Kokosnusspflücken- und
aufhacken.
Als weiterer, lohnenswerter Ort wurde uns Xcalak empfohlen. Die
Strecke entlang der Küste bis nach Xcalak runter bot wenig Interessantes,
die Strände waren eher schmal, keine Palmen und Xcalak selber ist ein
kleines Fischerdorf ohne besonderen Flair. Nach einiger Herumfragerei
wurde uns ein Platz, ca. 10 km nördlich von Xcalak empfohlen und dies war
ein richtiger Glückstreffer. Auf dem Gelände einer verlassenen
Touristensiedlung liessen wir uns nieder und blieben volle drei Tage. Am
ersten Tag hatte es sogar Wind und so konnte Petr mal wieder den Kite
auspacken und übers kristallklare Wasser düsen. Das Riff war in 10 Minuten
Schwimmen erreicht und bot Schnorcheln vom Feinsten. Bizarre
Korallenlandschaften eröffneten sich unter uns, dazwischen zogen hunderte
von Fischen vorbei. Einfach fantastisch! Übrigens: Das Riff, dass sich von
Cancun bis nach Honduras zieht, ist nach dem Barrier Reef in Australien,
das zweitgrösste Barrier Riff der Welt.
Nach diesen gemütlichen Tagen sind wir nun genug relaxed, um den
Grenzübertritt nach Belize in Angriff nehmen zu können. In Chetumal
müssen wir noch beim Belizischen Konsulat vorbei, um das Visa zu erstehen.
Die Schweiz ist das einzige westeuropäische Land, für das Visumspflicht
besteht. So drücken wir zähneknirschend 50$ für unsere Visa ab und los
geht's Richtung Grenze. Mit einem mulmigen Gefühl nähern wir uns dem
Schlagbaum: was erwartet uns wohl auf der anderen Seite? Wieviele Stunden
werden wir hier wohl hängenbleiben? Doch der gesamte Grenzbertritt
gestaltet sich als viel einfacher und reibungsloser als erwartet. Die
Ausreise aus Mexiko geht ruckzuck über die Bühne. Im Zollfreigebiet füllen
wir 180 Liter in unsere Dieseltanks, geben unsere letzten Pesos aus und
ziehen weiter Richtung Belizische Grenze. Hier erwartet uns eine lässig
kaugummikauende, mindestens 150kg wiegende, pechschwarze Einreisebeamtin,
mustert uns von Kopf bis Fuss und spricht mit einem coolen creolischen
Englisch auf uns los, yo man. Nachdem sie unsere Visas kontrolliert hat,
knallt sie den Einreisestempel in unsere Pässe rein und es geht weiter zum
Zollbeamten. Dieser nimmt unseren Landy kurz in Augenschein und winkt uns
durch. Das war's, wir sind in Belize. Hinter der Grenze müssen wir noch
eine Haftpflichtversicherung nur für Belize abschliessen. Andere
Versicherungen werden nicht akzeptiert.
Belize ist ein Sonderfall in Zentralamerika. Es ist vorwiegend von
Schwarzen bewohnt, die Nachfahren von Sklaven sind, die auf den Plantagen
gearbeitet haben. Landessprache ist Englisch, mit einem creolischen
Einschlag, den wir fast nicht verstehen: yo man, no problem man, just cool
man und die Atmossphäre im Land ist vorwiegend freundlich und fröhlich.
Sofort hinter der Grenze fällt uns vor allem auf, dass hier kein Müll am
Strassenrand herumliegt und die meisten Häuser, egal ob arm oder reich,
von einem gepflegten, englischen Rasen umgeben sind. Die erste Nacht
verbringen wir im Crocked Tree Wildlife Sanctuary, wo es die
verschiedensten Vogelarten zu bewundern gäbe. Doch viel interessanter als
Vögel anzuglotzen, ist es mit den Bewohner zu schwatzen. Ihr
Rastafaria-Look und der coole Slang sind absolut heiss und der Kontrast zu
Mexiko riesengross. Als nächtes Ziel steht das Baboon Sanctuary an.
Hier haben über 2500 Brüllaffen ihre geschützte Bleibe gefunden und können
nach Lust und Laune herumbrüllen. Mit einem Führer machen wir uns in den
Wald auf, um einige der Tiere ganz aus der Nähe zu betrachten. Unser Guide
pflückt ein paar deren Lieblingblätter ab und lockt sie mit Rufen an. Kaum
haben die Affen die Blätter erspäht, schwingen sie sich behände runter,
schauen uns grimmig an und beginnen uns die Blätter aus der Hand zu
fressen. Nachdem sie sich sattgefuttert haben, klettern sie wieder in
höhere Lagen und stimmen, durch unseren Führer provoziert, in ein
fulminantes Brüllkonzert ein. Wenn wir nicht wüssten, dass es diese
kleinen Affen sind, die einen solchen Lärm veranstalten, würden wir eher
an das Gebrüll zweier miteinander kämpfenden Löwen denken.
Weiter geht's nach Belize City, wo gemäss Reiseliteratur die Sau
abgehen soll. Doch davon keine Spur. Die Stadt ist ziemlich
heruntergekommen, bietet wenig Sehenswertes und von karibischer Stimmung
keine Spur. Selbst am Samstagabend gibt es in der ganzen Stadt nur ein
Lokal, in dem Live Musik gespielt wird. Gleich nebenan findet in einer Bar
Karaoke statt und es ist echt amüsant zuzuschauen und zuzuhören, wie die
Rastafarians Schnulzen von den Backstreet-Boys und Iglesias Jr. zum Besten
geben.
Tags darauf brechen wir auf der Suche nach schönen Stränden Richtung Placencia
auf. Unterwegs fahren wir durch Dörfer durch, die von Garifunas,
Abkömmlingen von afrikanischen Schwarzen und karibischen Indios, mit
eigener Kultur und Sprache, bewohnt sind. Man wähnt sich eher in Afrika
als in Mittelamerika. Placencia selber ist ein verschlafenes Fischernest,
das immer mehr Touris (vor allem Amis) für sich entdeckt haben und hier
herumhängen. Der Strand ist schön und durch das Dorf führt die schmälste
Strasse der Welt und ist im Guiness-Buch vermerkt. Wir verbringen hier
zwei friedliche Tage, in denen Petr unter anderem versucht, unsere
Digitalkamera zu reparieren, die in Belize City den Geist aufgegeben hat,
doch leider vergebens. Somit muss sich die Leserschaft ab Belize City nur
mit Text zufriedengeben und abwarten, bis wir die Filme entwickelt haben
und wir die Fotos nachträglich auf die Homepage pappen können. (Schwein
gehabt, liebe Fotogucker, wir haben unterdessen unsere Filme entwickeln
können und somit müssen wir Euch keine Bilder vorenthalten !)
Von Placencia fahren wir noch weiter gen Süden, nach Punta Gorda.
Die Stadt ist belebt und die Bevölkerung bunt gemischt mit Indios,
Creolen, Garifunas, Chinesen und Weissen. Hier treffen wir auf Jack, der
schon seit 33 Jahren hier wohnt und uns viel Interessantes über Land und
Leute zu erzählen weiss. Beim Abstecher nach Barranco, einem
Garifuna Dorf, können wir die unterschiedlichen Mentalitäten zwischen
Indios und Garifunas hautnah miterleben. Erstere betreiben fleissig
Ackerbau und können sich selbst versorgen. Die Garifunas nehmen es
lockerer, hängen vor ihren Hütten herum, schlagen sich mit
Gelegenheitsjobs über die Runden und zu guter Letzt versuchen uns noch
drei Rastafarians einen grossen, hässlichen Mörser für 50US$ anzudrehen,
no thanks man. Rund um Punta Gorda machen wir noch Ausflüge in die
Maya-Dörfer, wo die Leute noch heute sehr urtümlich leben, besuchen die
kleinen Maya-Stätten Lubaan Tun und Nim Li Punit und machen
noch einen Abstecher nach Blue Creek, einer Höhle, wo man
sich beim Herumkraxeln wie India Jones vorkommt.
Bei der Fahrt zurück nach Norden gibt es noch einen Zwischenhalt im
Cockscomb Wildlife Sanctuary. Hier befindet sich das grösste
Schutzgebiet für Jaguare in ganz Zentralamerika. Wir kleiden uns
dschungelmässig ein und streifen durch den Busch auf der Suche nach diesen
scheuen Tieren. Jaguare entdecken wir keine, doch dafür können wir den
dichten Regenwald hautnah miterleben. Wo kein Weg durchgeschlagen ist,
gäbe es kein Durchkommen. Am Abend versuchen die Moskitos und die
Blackflies uns bei lebendigem Leibe auszusaugen und wir sind seit Alaska
wieder gezwungen unser Moskitonetz auszupacken. Was zwar gegen die Moskis
funktioniert, doch für die kleinen Blackflies sind die Maschen so gross
wie ein Scheunentor und sie knabbern uns weiter genüsslich an.
In Belmopan, der Hauptstadt von Belize, mit 4'000 Einwohner eine
der kleinsten Kapitalen weltweit, machen wir eine Stadtrundfahrt, die in 5
Minuten abgeschlossen ist und ziehen weiter Richtung Caracol.
Caracol war zur Zeit der Maya-Klassik (300-800 n.Chr.) eine starker
Stadtstaat, mit über 200'000 Einwohner auf einer Fläche von 177km2. Man
hat bisher über 36'000 Strukturen identifiziert, doch bisher sind nur 12
herausgeputzt und restauriert, die restlichen liegen im dichten Urwald
verborgen. Die Strasse nach Caracol ist weit weniger abenteuerlich als
erwartet und die letzten 30km sollen nächstes Jahr schon zweispurig
asphaltiert werden. Somit wird Caracol bald auch von grossen Tourbussen
angesteuert werden können und die mystische Atmosspäre, die wir, ganz
alleine auf der grossen Pyramide sitzend beim Sonnenauf- und untergang
geniessen können, der Vergangenheit angehören. Es ist ein einmaliges
Erlebnis zuoberst über dem Wald zu sitzen, den Blick in die Ferne
schweifen zu lassen und den Geräuschen des Dschungels zu horchen.
Zwei interessante und an vielfältigen Eindrücken volle Wochen gehen zu
Ende. Die relaxte Stimmung und das bunte Völkergemisch hat uns sehr gut
gefallen. Doch gegen den Strand in Xpu-Ha, waren alle nachher besuchten
Strände nur zweitklassig. Vielleicht entdecken wir ja auf unserer
Weiterreise, noch Schöneres.
Die Ausreise aus Belize geht flott vor sich und drüben in Guetemala sehen
wir schon die vielen Geldwechsler und Marktfrauen die uns in Augenschein
nehmen.
Doch davon im nächsten Reisebericht, yo man.
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