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Jaaaa, liebe Lesergemeinde, jetzt geht es Schlag auf Schlag mit den
Reiseberichten, kaum ist ein Reisebericht durchgelesen, schon folgt ein
Neuer. Da kommt ja fast schon Stress auf, nicht wahr?
Die Einreise nach Guatemala ging richtig flott vor sich, Touristenkarte
ausgefüllt, kurz ein paar Dollar in Quetzal gewechselt, damit wir das
Permit fürs Auto kaufen können und schon waren wir drin. Bei der Fahrt
durchs Grenzdorf verlangt eine halboffiziell gekleidete Gestalt 20 Quetzal
Brückenzoll. Dies kommt uns doch ziemlich spanisch vor und wir teilen ihm
mit, dass wir nicht zu zahlen gedenken. Verdutzt schaut er uns nach und
wir holpern weiter Richtung Tikal. Die Strasse ist in einem erbärmlichen Zustand und wir
haben schon Bedenken, dass wir bei der Geschwindigkeit Tikal nicht vor
Nachtanbruch erreichen. Doch nach 30km bessert sich der Strassenzustand
merklich und nur die hin und wieder überraschend auftauchenden
Schlaglöcher erfordern eine vorausschauende Fahrweise und von entspanntem
Dahinrollen kann keine Rede sein.
Wir kommen am Nachmittag in Tikal an und stürzen uns gleich in die
riesige Ruinenstadt. Tikal war während der klassischen Mayaperiode von
300-800 n.Chr. ein grosser Stadtstaat mit über 60'000 Einwohnern und vielen
riesigen sakralen Bauten. Im Vergleich zu allen anderen Maya-Stätten
beeindrucken hier die vielen hohen und sehr steilen Pyramiden, die sich
über das Blätterdach des Regenwaldes erheben. In den Bäumen turnen
Spidermonkeys herum, Papageien fliegen von Baum zu Baum und die Brüllaffen
veranstalten wieder mal ein lautstarkes Konzert. Wir sitzen auf der
höchsten Pyramide #4 und geniessen mit anderen Touris zusammen den Sonnenuntergang.
Am nächsten Tag stehen wir früh auf, um den Sonnenaufgang von der gleichen
Pyramide aus, erleben zu können. Wir hetzen die steilen Stufen zur
Pyramide rauf und stellen oben fest, dass wir voll im Nebel drin sitzen.
Nach etwa eineinhalb Stunden Warterei lichtet sich der Nebel und die Sonne
drückt langsam durch. War ganz schön für die Katze, diese Frühaufsteherei !!!
Am Nachmittag holen wir noch das Permit bei der Parkbehörde und nehmen
noch die 23 km Schotter nach Uaxactun unter die Räder. Wir sind die
einzigen Touristen, die Ruinen eher klein und nicht spektakulär und
enttäuscht fahren wir wieder zurück nach Tikal. Zum Abendessen gehen wir mal
wieder in ein Restaurant essen und feiern unser eineinhalbjähriges
Reisejubiläum mit einem leckeren Dreigangmenü.
Tags darauf geht es nach Poptun, zur Finca Ixobal. Unter Reisenden
ein fester Begriff. Wir bleiben hier zwei Nächte, erledigen wieder mal ein
paar kleinere Reparaturen, werden seit langem wieder einmal richtig von
einer Sturzflut verschifft und müssen feststellen, dass unser Dachzelt mal
wieder imprägniert werden sollte. In der Finca hängen viele Touris herum
und man spürt von Guatemala herzlich wenig.
Die Weiterfahrt führt uns auf holprigen Schotterwegen durchs Hinterland
nach Lanquin. Häufig sind wir gar nicht sicher, ob wir uns
überhaupt noch auf der richtigen Strecke befinden, doch kreuzende
Autobusse versichern uns, dass wir richtig sind. Die Strasse ist
einspurig, windet sich bergauf- und ab durch faszinierende grüne
Landschaft und führt durch kleine Dörfchen, wo weniger unser Auto, als die
Fahrräder auf dem Dach bewundert werden. Wir winken allen Leuten entlang
der Strasse zu und ernten immer ein freundliches Lächeln und Zurückwinken.
Lanquin ist einerseits bekannt für seine riesige Höhle und die
wunderschönen Pools im benachbarten Semuc Champey. Auf der Suche
nach einer Übernachtungmöglichkeit, biegen wir von der Hauptstrasse ab und
winden uns steil bergauf, bis wir in einem Steinbruch ein schönes
Plätzchen hoch über dem Tal finden. Doch so einsam wie wir dachten, ist es
hier nicht. Am Morgen früh latschen schon einige Kinder staunend am Auto
vorbei. Wir nehmen die steile Strecke nach Semuc Champey in Angriff und
sind wieder mal froh die Geländereduktion zu haben, so steil rauf und
runter geht es hier. Die Pools sind wunderschön und das klare erfrischende
Wasser lädt zum Bade ein. Erstaunt sind wir, wieviele Touristen hier am
A... der Welt herumhängen. Hier treffen wir Adrian, Steffi und Andres aus
der Schweiz, die wir am Abend zu einem Topf Älplermakkaronen einladen und
es wird natürlich ausgiebig Reiselatein ausgetauscht. Doch vorher
besichtigen wir noch die riesige Höhle, die über 50km Gänge aufweisen
soll. Bisher sind nur die ersten 600m gesichert und beleuchtet, doch die
riesigen, teilweise über 50m hohen Säle übertreffen unsere Erwartungen bei
weitem. Am Abend warten wir noch vor der Höhle, bis die angeblich tausenden
von Fledermäusen die Höhle zur Futtersuche verlassen. Wir erwarten eine
riesige Wolke dieser Tiere ausschwärmen, doch es sind nur ein paar
Dutzende, die herumflattern. Doch als uns der Höhlenguide zum Eingang der
Höhle einlässt, sind wir von Hunderten dieser Flatterviecher umringt.
Faszinierend! Die Strasse nach Coban wird zur Zeit ausgebaut und ist schon
in einem guten Zustand, was auch die Menge an Touris in Lanquin erklärt.
In Coban lässt sich Petr für 3 CHF die Haare schneiden und hier
erleben wir das erste Mal eine guatemaltekische Kleinstadt: die Strassen
sind vollgepfercht mit Leuten, emsiges Treiben überall, in kleinen Ständen
wird von Uhren über CD's und Gemüse alles verkauft und die Häuser sehen
nicht immer gepflegt aus. Am Rande der Stadt hat sich schon ein McDonald's
niedergelassen und ein halbleeres Shoppingcenter lockt die reichen
Guatemaltekis. Wir machen noch eine Führung durch eine Kaffeeplantage,
welche wenig informativ und eher eine Abzockerei ist.
Von hier aus wählen wir eine "Abkürzung" nach Antigua, die es uns erlaubt,
Guatemala City zu umfahren. Diese Abkürzung entpuppt sich als
anspruchsvolle Bergetappe über Schotterpisten, die uns über diverse
Bergrücken und nachfolgende Täler nach Antigua führt. Anstatt 2-3 Stunden
sind wir 8 Stunden unterwegs und kommen abends erschöpft in Antigua
an.
Wir übernachten direkt auf der Plaza vor der Iglesia Merced im Auto und
schlendern tags darauf durch die Gassen. Es wimmelt hier von Touristen,
Bars und Restaurants mit typischen Guatemaltekischen Namen wie: Wiener,
Bavaria, Tres Fratellis, Charlotte usw. und zig Schulen preisen
Spanischunterricht an. Doch allen Touristen zum Trotz ist die Stadt
wunderschön erhalten und gepflegt, besitzt viele Kirchen, romantische Plazas und einsame
Gässchen. Wir klappern alle Fotoläden der Stadt ab, auf der Suche nach
einer neuen Digitalkamera, doch finden wir leider das Modell nicht, das
wir uns wünschen. Somit heisst es in den sauren Apfel beissen und wir müssen
am Freitag, den 13. nach
Guatemala City reinfahren, ob das wohl gut geht?
Schon als wir über den Berg von Antigua nach Guatemala City fahren, können
wir die dicke Dunstglocke über der Stadt erkennen. Doch der Verkehr ist
nicht so dicht und chaotisch wie erwartet, dafür qualmen uns die
stinkenden Busse und Lastwagen richtig ein. Wir steuern die beiden grossen
Shoppingcenter am Rande der Stadt an und erhalten nach erfolgloser
Sucherei die Adresse eines Fotogeschäfts mitten in der Stadt, das unser
gewünschtes Modell haben soll. Nichts wie los. Esther navigiert mich
gekonnt durch die Stadt und mit Hilfe von Karte und GPS erreichen wir
problemlos das gesuchte Geschäft. Es ist ein kleiner, unscheinbarer Laden
und der soll die Canon Powershot A80 haben, wir können es nicht glauben!
Wir treten ein und die Frau hinter der Theke versichert uns lächelnd, sie
müsse noch einen Anruf machen und in ein paar Minuten sei die Kamera hier.
So gehen wir ins benachbarte Comedor und kriegen dort für 18 Quetzal ein
2-Gang Menu mit Suppe als Vorspeise und Fleisch oder Fisch mit
Kartoffelstock und Salat, dazu noch ein Getränk, umgerechnet nur 2.50 CHF.
Hier lässt es sich wirklich noch günstig leben. Nach dem Essen gehen wir
zurück ins Geschäft und siehe da, wir trauen unseren Augen nicht, die
Kamera ist wirklich da. Zur Feier des Tages machen wir noch eine
Stadtrundfahrt durch die City. Im Zentrum sind alle Strassen gesäumt von
Ständen, die alles Mögliche verkaufen, Leute springen über die Strasse und
wir sind froh, einen stabilen Kuhfänger vor dem Kühlergrill montiert zu
haben. Das Leben pulsiert, die Lastwagen rauchen und wir werden neugierig
beäugt, doch auch hier kriegen auf ein Lächeln immer ein Lächeln zurück.
Da die Sehenswürdigkeiten rar gesäht sind, machen wir uns auf den Weg
zurück nach Antigua. Am Abend treffen wir noch Michaela und Andreas, die
wir schon in Barra de Navidad und danach noch in Xpu-Ha getroffen haben
und die ebenfalls nach Feuerland unterwegs sind. Somit können wir den
Freitag den 13. im Jahre 2004 in guter Erinnerung behalten.
Am Sonntag besuchen wir in Chichicastenango den Markt. Dieser Markt
ist einer der grössten und farbenfrohesten Märkte des Hochlandes.
Marktleute kommen aus den umliegenden Dörfern hierher und treiben Handel.
Die meisten sind in ihrer typisch bunten Bekleidung unterwegs und der
Markt ist ein Meer von herumlaufenden Farbtupfern. Daneben hat es noch
hunderte von Touris, die sich ebenfalls durch die engen Gässchen
durchzwängen und fleissig am Handeln sind. Wir setzen uns mehrmals hin und
schauen dem bunten Treiben gespannt zu. Am Nachmittag nehmen wir die
Nebenroute nach Huehuetenango und fragen hinter Sacapulas den
Besitzer eines kleinen Ladens, ob wir auf seinem Grundstück übernachten
dürfen. Er fühlt sich geehrt, dass wir bei ihm bleiben wollen und lädt uns
zum gleich zum Abendessen ein. Er erzählt uns viel über die Gegend und
Leute und es wird ein sehr interessanter Abend. Nie hätten wir eine solch
herzliche Aufnahme erwartet und revanchieren uns mit einer Tafel Schweizer
Schokolade.
Tags darauf fahren wir über die Berge nach Huehuetenango und erklimmen
dann das wirkliche Hochland. Von 2200 Meter Höhe geht es rauf auf
3400 Meter und dann wieder runter auf 2500 Meter nach Todos Santos.
Hier sind selbst die Männer in typisch bunte Kleider gehüllt.
Die nächste Etappe unserer Hochlandrundfahrt heisst Lago de Atitlan.
Auf der steilen Strasse runter nach San Pedro müssen wir wieder mal
die Geländereduktion zu Hilfe nehmen, da wir selbst im ersten Gang viel zu
schnell werden und die Bremsen nicht verglühen wollen. In San Pedro
quartieren wir uns neben dem Fussballplatz ein und können hier drei Nächte
problemlos übernachten. Diese Stadt war und ist unter Hippies und weissen
Rastafarians ein beliebter Treffpunkt und seit Zipolite in Mexiko haben
wir nicht mehr so viele versiffte und abgefuckte Kreaturen herumhängen
sehen.
Der Wind bläst die ganze Nacht hindurch und selbst am nächsten Tag kachelt
es immer noch und da kann Petr natürlich nicht widerstehen, kramt die
Kiteausrüstung hervor und stürzt sich auf den See. Der Wind ist leider
nicht sehr konstant, doch es tut mal wieder gut auf dem Wasser
herumzuflitzen und ab und zu in die Luft abzuheben. Tags darauf nehmen wir
einen Führer und machen uns auf den 3020 Meter hohen, verloschenen
Vulkan San Pedro auf. Nach schweisstreibendem Aufstieg und
überwundenen 1500 Metern Höhendifferenz, erreichen wir drei Stunden später
den Gipfel. Das Wetter ist uns gnädig gestimmt und wir haben einen
wunderbaren Ausblick auf den gesamten See und die umliegenden Vulkane.
Weiter geht unsere Rundfahrt nach Santiago Atitlan, wo am Freitag
ebenfalls Markttag ist. Die Frauen hier sind in edel gestickte Blusen
gekleidet und auch hier herrscht ein emsiges Treiben. Die Fahrt entlang
des Atitlansees erinnert uns an die Landschaft im Tessin und wir schauen
uns noch den Markt in Solola an.
In Antigua zurückgekommen, können wir uns am gleichen Ort wie Michaela und
Andreas einquartieren und geniessen mal wieder eine heisse Dusche.
Nächstentags buchen wir die Tour auf den Pacaya, einen noch aktiven
Vulkan, der das letzte Mal im Jahre 2'000 Lava ausgespuckt hat. Wir sind
eine Gruppe von etwa 30 Leuten, die nach abenteuerlicher Fahrt im
umgebauten Schulbus den Aufstieg in Angriff nehmen. Unser Führer hält
nicht viel von einem regelmässigen Tempo, viel lieber prescht er los, um
dann 15 Minuten später eine fünfminütige Pause einzulegen. Das Wetter
verspricht nicht viel, es ist immer bewölkter und wir finden uns schon
langsam damit ab, nicht viel zu sehen. Doch plötzlich, als wir zwei
Drittel des Aufstiegs hinter uns haben, verschwinden die Wolken, die Sonne
drückt durch und wir können den mächtigen Vulkan vor uns entdecken. Die
letzten 300 Höhenmeter bringen wir nach dem Motto ein Schritt vor, zwei
zurück, hinter uns und stehen eineinhalb Stunden später auf dem Gipfel und
können in den dampfenden Vulkanschlot runterblicken. Ab und zu dreht der
Wind und wir werden in eine Schwefelwolke eingehüllt, die uns die Tränen
in die Augen treibt und den Atem verschlägt, ein wortwörtlich
atemberaubendes Erlebnis. Die Aussicht ist es ebenfalls und wir geniessen
den Rundumblick und den Sonnenuntergang. Die Rückfahrt ist ebenfalls
abenteuerlich und wir sind froh, als wir wieder heil in Antigua ankommen.
Zur Belohnung gönnen wir uns im "Wiener " ein riesiges Wienerschnitzel mit
anschliessendem Kaiserschmarren und wanken mit muskelverkaterten
Oberschenkeln Richtung Dachzelt. Wir verbringen noch einen weiteren Tag in
Antigua um diesen Reisebericht zu tippseln, ein paar mails zu schreiben
und fahren dann weiter an die Küste, nach Monterrico. Tags darauf soll es
dann weiter nach El Salvador gehen. Wir sind gespannt was uns dort
erwartet.
Guatemala hat uns super gefallen. Die Meschen hier sind sehr herzlich und
freundlich, die Landschaft unglaublich vielfältig und die lebendigen
Märkte und traditionell gekleideten Leute tragen zum Reiz dieses Landes
bei.
So, das war Guatemala und ich schliesse.
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