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Diesmal war der Grenzübertritt von El Salvador nach Honduras mühsamer als
die bisherigen. Wir verbrachten fast drei Stunden damit, von Zollbüro zu
Bank, von Bank zu Autobehörde, von Autobehörde zu Zollbehörde, von
Zollbehörde zu Kopierladen, von Kopierladen zu Zollbehörde, etc., zu
wandern um endlich unseren Landy nach Honduras einführen zu dürfen.
Dazwischen hat es immer wieder "hilfreiche" Tramitadoren, die einem gegen
ein kleines Entgeld helfen wollen durch den Amtsdschungel zu gelangen,
doch mit der Zeit können sie ziemlich auf den Geist gehen.
Wir sind genau 200m in Honduras gefahren und schon hält uns ein Polizist
an. Na, das fängt ja schon gut an. Papiere will er sehen, kein Problem,
Pannendreieck, kein Problem, Feuerlöscher, was??? Möchte sehen, ob
ein Besitzer dieser honduranischen Schrottkisten jemals so etwas wie einen
Feuerlöscher zu Augen gekriegt hat, doch, kein Problem, wir haben ja einen
dabei. Da guckt er nur dumm aus der Wäsche und brabbelt nur noch was, er
wolle einen Dollar für ein Bierchen, da lächeln wir ihn an und meinen, das
hätten wir auch gerne und fahren weiter.
Die Strasse windet sich fast auf 1500 Meter rauf um danach wieder auf 1000
Meter nach Tegucigalpa, der Hauptstadt Honduras, runterzuführen.
Schon auf der Fahrt in die Stadt fällt uns der Unterschied zu El Salvador
auf: die Leute sind fröhlicher und freundlicher, erwidern unser Lächeln
und Winken und sind besser und attraktiver angezogen.
Die Hauptstadt hat wenige Sehenswürdigkeiten, aber dafür eine kleine
pulsierende Fussgängerzone in der Strassenhändler allerlei loswerden
wollen. Mitten in der Stadt finden wir einen bewachten Parkplatz, auf dem
wir die Nacht verbringen können.
Auf dem Weg zum Lago Yojoba, halten wir einen identischen Landrover
Defender wie wir ihn haben an und nach einem kurzen Gespräch lädt uns Angela
kurzerhand in ihr Weekendhaus oberhalb des Sees ein. Die Aussicht ist
fantastisch und wir geniessen die ruhigen Tage hier oben. Wir machen einen
kurzen Ausflug zu den Höhlen von Taulabé. Diese sind nicht sehr
gross und imposant, doch sie sind schön ausgeleuchtet und der Weg ist
frisch zementiert. Vom Wasserfall Pulhapanzak sind wir eher
enttäuscht, da im Reiseführer ein 443 Meter hoher Fall angepriesen wird,
doch in Natura sind es nur 44 Meter, tja, diese Druckfehlerchen.
Tags darauf ist Schulbesuchstag. Zuerst gehen wir in die lokale Dorfschule
oberhalb des Sees und können dort zuschauen wie eine Lehrerin mit 46
Schülern der ersten bis sechsten Klasse unterrichtet. Ist anspruchsvoll
für die Lehrerin und die Kinder machen natürlich weniger Fortschritte. Nur
etwa 13% der Kinder setzen nach dem achten Schuljahr (falls sie überhaupt
so weit kommen und den Eltern nicht schon vorher helfen müssen) ihre
Ausbildung fort. Über 40% der Bevölkerung sind noch Analphabeten.
In San Pedro Sula werden wir Olga vorgestellt, die mit einem
ansteckenden Enthusiasmus die lokale Montessori-Schule leitet. Hier sieht
es schon anders aus: Maximal 15 Kinder pro Lehrer, viele Spielsachen und
Lernutensilien. Doch das hat seinen Preis. Ein Monat dieser Schule kostet
einen Viertel Monatslohn einer Arbeiterin. In San Pedro können wir wieder
bei Angela in ihrem "Stelzenhaus" bleiben. Sie ist Architektin und testet
gerade einen Haustyp, der mit Konvektionskühlung funktioniert und keine
Klimaanlage benötigt.
San Pedro haben wir schnell gesehen, fahren weiter nach Omoa an die Karibikküste
und haben noch ein Intermezzo mit der lokalen Polizei: Nach der Zahlstelle
für die Schnellstrasse, pfeift und winkt uns ein Polizist zu, na, ja, will
sicher wieder Pannendreiecke kontrollieren. Wir winken freundlich zurück
und fahren weiter. Nach etwa 3 km kommen auf einmal zwei Polizisten auf
einer kleinen 125er angedüst und winken uns zur Seite hin. Diesmal halten
wir an und die Diskussion beginnt. Wir hätten sein Haltesignal
missachtet. Waaaaass? Das Gepfeife soll ein Haltesignal sein? Aber auf
sowas reagieren wir Touristen doch nicht. Ausweis bitte. Ich gebe
ihm meinen Führerschein und Fahrzeugausweis (natürlich nur unsere Kopien)
und er meint, die müsse er behalten, bis wir die Busse bezahlt haben. Wir
kontern natürlich, dass das Gepfeife doch kein Haltesignal sei und dass
wir es leider nicht gesehen haben, beim zweitenmal hätten wir ja schön
angehalten. Das scheint ihm einzuleuchten und er wechselt das Thema zu
unseren Fahrrädern. Ob wir Quittungen für die Velos haben. Jetzt
wird es uns zu blöd, ich halte ihm eine Standpauke, was denn diese
Touristenschikaniererei soll und verlange seinen Ausweis. Wir schreiben
seine Daten auf und meinen, wir würden uns bei der Botschaft und seinen
Vorgesetzten beschweren und er solle uns gefälligst unsere Ausweise
zurückgeben, sonst geben wir ihm seinen nicht zurück. Er schluckt ein paar
Mal und wir tauschen die Ausweise. Nach zehn Minuten Diskutierens haben
wir ihn soweit. Eine Busse gibt es nicht und wir versprechen ihm hoch und
heilig, dass wir beim nächsten Pfeifen eines Bullen anhalten werden,
wahrscheinlich ;-) . Den Zettel mit seinem Namen will er noch zurückhaben,
doch wir meinen nur, den behalten wir für die Botschaft. Und Tschüss.
In Omoa hat der Schweizer Roli Gassmann eine geniale
Travellerbleibe aufgezogen. Camping ist möglich, Dormitories und
Einzelhütten sind vorhanden. Dazu kommt noch kostenlose Benutzung der
Bikes, Kajaks und des Tischtennistisches und als absolutes Tüpfelchen auf
dem i bäckt er frisches Brot und Zopf. Hier lernen wir Sonja und Rene aus
Bern kennen, die mit dem Rucksack durch Zentralamerika ziehen und Paul und
Ralf aus Zürich, die mit ihren BMW- Motorrädern auf dem Weg nach
Patagonien sind. Beim gemeinsamen Nachtessen können wir mal wieder so
richtig Schweizerdeutsch labern wie uns der Schnabel gewachsen ist.
Nach zwei entspannenden Tagen geht es weiter nach Tela. Dies ist
ein friedliches Städtchen, mit einem schönen Strand und einem hohen Anteil
an Garifunas. Nach dem Besuch des lokalen Garifunasmuseums wissen wir nun
alles über diesen Volksstamm und wollen dies der interessierten
Leserschaft natürlich nicht vorenthalten.
Garifunas sind Mischlinge südamerikanischer Indios, die nach
Zentralamerika hochgepaddelt sind und sich entlang der Karibikküste- und
Inseln angesiedelt haben und sich auf der Karibikinsel St. Vincent und den Sklaven Schwarzafrikas. Nach einem Aufstand im
18. Jahrhundert wurden die Garifunas nach Roatan zwangsverfrachtet und
sind in hoher Anzahl an Krankheit und Unterernährung gestorben. Die
Überlebenden haben von hier aus das Festland bis rauf nach Belize
besiedelt. Sie haben immer noch eine eigene Sprache, Kultur, Tänze und
Religion.
Wir besuchen das Garifunadorf Miami in dem die Leute immer noch
in Palmenblatthütten wohnen und in Einbäumen auf Fischfang gehen. Sie sind
sehr offen und freundlich und der lokale Führer erzählt uns vieles über
das Dorf und die Bevölkerung.
Weiter geht es nach La Ceiba wo wir unseren Landy bei einem
Kollegen von Angela stehen lassen und nach Roatan
zum Tauchen, Schnorcheln und Karibiksonne tanken fahren können. Yeppeeeee.
Die Überfahrt geht flott vor sich und nach fast zwei Stunden Überfahrt
stehen wir auf der tropisch grünen Insel Roatan. Wir radeln mit
unseren Bikes Richtung West End auf der Suche nach einer Bleibe und einer
Tauchschule, wo Esther den Open Water Kurs machen kann. Nachdem wir fast
alle Schulen und Absteigen abgeklappert haben, finden wir ein kleines,
günstiges Hotelchen, wo wir uns für eine Woche einquartieren können. Am
nächsten Tag klappern wir noch die restlichen Schulen ab und entscheiden
uns dann für die Coconut Tree Divers. Sie haben gute Ausrüstung,
ein grosses Tauchboot und sind am günstigsten. Wir erhalten die Bücher und
können uns schon ans Büffeln machen. Ich muss ein wenig Repetition für den
Refresher betreiben, war ja schon fast acht Jahre nicht mehr unter Wasser
und Esther muss alles neu lernen.
Esthers absolviert ihren Kurs in schnellen drei Tagen und ich habe
unterdessen einen schönen Tauchgang zwischen Korallen und vielen bunten
Fischen.
Die Tage hier vergehen wie im Nu. Esther muss am Morgen früh in den
Tauchkurs, ich lese, oder bike auf der Insel herum und am Abend schlendern
wir bei angenehmen Shortstemperaturen herum, geniessen die spektakulären
Sonnenuntergänge bei einem Happy-Hour Drink und schwelgen in der
paradiesisch relaxten Atmossphäre, yo man.
Wir wollten eigentlich noch ein, zwei gemeinsame Tauchgänge machen,
nachdem Esther ihren Kurs abgeschlossen hat. Doch am Freitagabend wurde
ich beim Radeln von einem Rudel Hunde verfolgt und so ein verdammter
Scheissköter hat sich in meine Wade verbissen. So habe ich jetzt die vier
Löcher der Schneidzähne in der Wade und entscheide mich, nicht mehr ins
Wasser zu gehen. Zum Glück gibt es keine Tollwut auf der Insel. Die
letzten zwei Tage spielt das Wetter leider nicht mehr so mit und es giesst
wie aus Kübeln. Wehmütig packen wir unsere Sachen zusammen und radeln zum
Hafen. Schön war es hier!!! (Mehr Infos zu Roatan, siehe Reisetips)
Nachdem wir wieder in La Ceiba angekommen sind, machen wir uns auf nach
Trujillo, wo ein spanisches Fort steht, das die Spanier zur Verteidung vor
Piraten gebaut haben. Man sieht nicht viel und wir fahren nächstentags
über die Berge zurück in die Hauptstadt. Es giesst nur einmal und zwar den
ganzen Tag wie aus Kübeln und wir sehen von der schönen Landschaft
herzlich wenig. Abends machen wir uns noch Richtung Valle de Angeles
auf, das auf 1300 Metern gelegen ist und auch in den heissen Sommermonaten
Kühle verspricht. Auf dem Weg dahin fällt uns das Schild "Restaurant
Miluska" auf. Na, wenn da nicht was Tschechisches dahintersteckt! Wir
fahren nach Santa Lucia und im Saal Bohemia stechen uns die Pilsner
Urquell Plakate ins Auge. Da Don Klaus, der Besitzer nicht anwesend ist,
werden wir kurzerhand zu seinem Haus geschickt. Überrascht schaut er von
der Terrasse runter, wer da vorbeigekommen ist. Nachdem wir uns
vorgestellt haben, lädt er uns zu sich ein und wir erfahren sehr viel über
Land und Leute, da Klaus schon seit 24 Jahren hier lebt und auch als
Konsul für die Tschechische Republik tätig war. Am Abend gibt es im
Restaurant "VeproKnedloZelo" (Für Nichttschechen: Schweinebraten mit
Knödel und Sauerkraut). Köstlich, nach 600 Reisetagen wieder mal Knödel,
in Worten nicht zu beschreiben. Herzlichen Dank Klaus!!!
Nächstentags geht es nach Danli, wo die honduranischen Zigarren
hergestellt werden. Wir überrumpeln den Manager und überreden ihn zu einer
Führung. Bereitwillig zeigt er uns die Fabrik und schenkt uns noch ein
paar Zigarren. Die Arbeiterinnen arbeiten 45 Stunden die Woche und
verdienen 6 CHF pro Tag.
Das war's, drei interessante Wochen Honduras liegen hinter uns. Es hat uns
gut gefallen. Nette, interesssante Leute, abwechslungreiche Landschaft nur
das Wetter hätte trockener sein können.
Adios Honduras!
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