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Wir sitzen hier am wunderschönen Sandstrand von Samara in Costa Rica und
sind am frühstücken. Die Wellen laufen rhytmisch den flachen Strand rein,
die Palmen bewegen sich träge in der schwachen Brise und wieder beginnt
ein neuer Tag im Paradies.
Doch halt, Costa Rica kommt erst im nächsten Reisebericht, jetzt ist
zuerst mal Nicaragua angesagt.
Nachdem wir die Zigarrenfabrik in Danli besucht hatten, stellte sich uns
die Frage, sollen wir noch zur Grenze weiterfahren und hoffen, dass wir
schnell über die Grenze kommen oder schon um 15:00 einen Schlafplatz
suchen und früh am nächsten Tag zur Grenze fahren. Wir entschliessen uns
für Ersteres und rollen um 15:45 an die Grenze. Ob das nur gut geht, die
Grenze macht ja um 17:00 dicht und dann müssen wir bis zum nächsten Tag
warten. Doch entgegen allen Erwartungen geht alles sehr schnell und wir
sind schon um 16:45 in Nicaragua. Bei der Fahrzeuginspektion entdeckt der
Zöllner unseren Schweizer Kalender und ob der Schönheit der Bilder
vergisst er, den Rest des Landys durchzusehen. Ist immer wieder ein
bewegender Moment, wenn man wieder einen Grenzübertritt geschafft hat.
Bislang ist eh alles gut gegangen und wir haben noch keinen Tramitador in
Anspruch nehmen müssen und das wollen wir weiter so halten.
In Esteli investieren wir 2 CHF in unser Kulturleben und stürzen
uns ins Kino, um eine amerikanische Komödie anzuglotzen. Interessant war
vor allem am Schluss des Films: kaum ist die letzte Szene vorbei, schon
stürzen sich die Leute aus dem Kino aus, Nachspann interessiert niemanden.
Wir übernachten an der Tankstelle und fahren am nächsten Tag in die Berge,
wo es den sogenannten Selva Negra (Schwarzwald) gibt. Deutsche
Emmigranten haben sich Ende des 19. Jahrhunderts hier niedergelassen und
haben eine grosse Kaffeeplantage und heutzutage auch ein touristisches
Ressort errichtet. Die Vegetation wechselt von trocken nach saftig grün
und auf 1500 Metern Höhe herrschen angenehme Temperaturen. Die ganze
Anlage ist schön und teuer. Eine Übernachtung im Schwarzwaldchalet schlägt
mit 75$ zu Buche. Das ist natürlich über unserem Budget, wir leisten uns
nur eine Schwazwäldertorte und fahren weiter Richtung Leon.
Leon ist eine wunderbare Stadt, ganz im kolonialen Stil gehalten,
vergleichbar mit Antigua in Guatemala. Nicht so gut erhalten und gepflegt,
dafür eine Unmenge an schönen Kirchen und wenig Touris. Am Samstagabend
flanieren hunderte von Einheimischen auf dem Hauptplatz herum und
man fühlt sich nach Spanien oder Mexiko versetzt. Eine solch entspannte Atmossphäre haben
wir in den Städten von El Salvador und Honduras nicht erlebt. Dafür hat es
sehr viele Bettler und Personen die uns ansprechen und Geld für die
Operation ihrer Mutter, einer Blindenschule o.ä. entlocken wollen. Wir
müssen den Leuten leider klar machen, dass es auch in Nicaragua Menschen
mit Geld gibt und es nicht nur die Touris sind, die Kohle haben und wir
leider nicht alle Menschen hier unterstützen können. Wir bleiben den
ganzen Sonntag auf dem Parkplatz vor der Schule und aktualisieren wieder
mal die Homepage, tippseln ein paar Mails und schwups schon ist der Tag
vorbei. Am Morgen können wir noch den Turnunterricht nach Methode
"Turnvater Jahn" bewundern. Rumpfkreisen, eins zwei, ruck, zuck, zack,
zack. Armkreisen, ruck, zuck, zack, zack, und so weiter. Der Turnlehrer
ist in Jeans gekleidet und brüllt den Kids die Anweisungen zu. Das ist
Motivation pur.
Weiter geht es in die Hauptstadt Managua. Wüsste man nicht, dass
man in der Stadt drin ist, wäre man schon draussen, bevor man es
gemerkt hat. Es hat wenig Verkehr, keinerlei Sehenswürdigkeiten und nur
die übereifrigen Fensterputzer stürzen sich vor jedem Rotlichtsignal auf
unsere Windschutzscheibe. Trotz sofortigem Rausschreien, es sei nicht
nötig, wurde unsere Scheibe an die fünfmal "gewaschen". Sie wurde eher mit
Dreckwasser versaut und danach lausig trockengewischt und war nach Managua
eher dreckiger als vorher.
Vor Granada fahren wir zum Vulkan Masaya rauf. Es sind eigentlich
zwei Vulkane mit fünf Kratern. Der Blick in den dampfenden Schlund ist
imposant und bei Windwechsel wortwörtlich atemberaubend.
In Granada quartieren wir uns gleich auf einem bewachten Parkplatz
mitten im Zentrum ein und stürzen uns ins Nachtleben von Granada. Das
nicaraguanische Granada kommt vom Prunk nicht an seine Namensvetterin in
Spanien heran, doch auch hier zieren viele koloniale Bauten und Kirchen
die Stadt. Wir schlendern durch die Stadt, besuchen den lebendigen Markt
und am Abend gönnen wir uns in einer Pizzeria, die von einem Bieler
geführt wird, eine Riesenpizza. Die Stadt ist touristisch erschlossen und
man sieht fast mehr Touris als Einheimische herumwandern.
Nächstentags geht es vorbei am riesigen Lago Nicaragua nach San Juan
del Sur. Ein relaxtes Städtchen am Pazifik, Surfern bekannt für seine
schönen Strände und gute Wellen. Wir fahren zum wunderschönen
Playa Maderas, wo es nur eine von Surfern bewohnte Hütte gibt und
sonst nur Strand und Wellen. Leider stellen wir dort unten fest, dass
unser frisch aufgefüllter Wassertank eine undichte Stelle hat und wir die
120 Liter Wasser wieder ablassen müssen. Wir fragen in der Hütte, ob sie
Wasser benötigen und innert ein paar Sekunden hat sich eine Schlange von
durstigen Surfern vor dem Landy gebildet, alle mit irgendeiner
Wasserflasche in der Hand ausgerüstet. Ha, denken wohl es gebe Freibier. Wir werden das Wasser ohne Verlust
los und am nächsten Tag geht es wieder zurück nach San Juan, um eine Werkstatt
zu suchen, die den Edelstahltank schweissen kann. Wir finden zuerst eine
ruhige Werkstatt, wo wir den Tank ausbauen können, doch um den Tank zu
schweissen muss ich 35 km ins nächste Kaff fahren und Esther bewacht
unterdessen alle Sachen. Nachdem ich einige Werkstätten abgeklappert habe,
finde ich wirklich eine, die Edelstahl schweissen kann und dies vor allem
noch am gleichen Tag erledigt. Der Tank wird aufgesägt, die lecke Stelle
und die Querbarrieren neu geschweisst und nach eineinhalb Stunden ist der
Tank wie neu und sogar dicht. Ich rase zurück, es ist mittlerweile fast
18:00 und um die Zeit macht die Werkstatt zu, in der Esther sitzt. In
einer Blitzaktion bauen wir den Tank und das Interieur wieder ein, geben
den Arbeitern ein Bier aus und kommen spät abends wieder am Playa Maderas
an. Uff, geschafft. Da soll mal einer sagen, Reisen sei eine entspannende
Sache, haha!!!
Am nächsten Tag machen wir noch einen Abstecher zum wunderschönen Playa
Mahagual. Auch hier hat es nur einfache Cabanas und einen Camping und
sonst nur Strand und Palmen. Schade, dass sich dies in den nächsten Jahren
verändern wird und es hier bald so touristisch sein wird wie Costa
Rica.
Eine schöne Woche Nicaragua liegt hinter uns. Wir haben den kolonialen
Charme von Leon und Granada sehr genossen und die unberührten Strände am
Pazifik haben uns begeistert.
Adios Nicaragua.
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