|
Sind schon fast eine Woche in Panama, sitzen hier in einem
gemütlichen Strandcafé, die Skyline vor uns und geniessen einen ruhigen
Sonntag ohne Sightseeing, da wir schon so ziemlich alles hier in der
Umgebung gesehen haben.
Verschiffung und Flüge nach Venezuela haben wir auch schon organisiert. Am
Mittwoch geht unser Landy in den Container, am Freitag fliegen wir und am
Montag darauf sollte der Container in Venezuela ankommen. Somit wäre das
aktuelle Geschehen zusammengefasst und jetzt geht es wieder in die
Vergangenheit, zu unseren Erlebnissen in Costa Rica.
Hmmm, ist schon verdammt lange her, seit wir nach Costa Rica reingekommen
sind, doch es war schön und hat uns gut gefallen.
Das wars, daher lassen wir die Bilder sprechen.
Aber nicht doch, es gibt ja doch noch einige Leute die nicht nur Bilder
glotzen, sondern die sich auch für unser Geschreibe interessieren und die
wollen wir natürlich nicht enttäuschen.
Los geht's. Der Grenzübertritt nach Costa Rica ging
reibungslos über die Bühne. Da es sich um den einzigen Zollposten zwischen
Nicaragua und Costa Rica handelt, ist er sehr gross, modern und belebt.
Zum Glück waren wir früh dran, denn gleich hinter uns sind etwa drei
Reisebusse angekommen und beim atemberaubenden Tempo der Costa Ricanischen
Stempeltusse hätte sich die Wartezeit bei der Immigration locker auf zwei
Stunden ausdehnen können. Auf der Costa Ricanischen Seite gab es noch
einen Streik der Tramitadoren und wir blieben dort ne halbe Stunde hängen,
doch dann waren wir endlich in Costa Rica, der sogenannten Schweiz
Zentralamerikas.
Wir bogen als erstes gleich mal zu den Stränden der Peninsula Nicoya
ab. Und dies hatte herzlich wenig mit der Schweiz zu tun:
Wunderschöne, mit Palmen gesäumte Sandstrände, klares Wasser, zum Surfen
ideale Brandung, doch leider kein Wind (wenigstens eine Parallele zur
Schweiz). Wir klapperten alle Strände der Halbinsel ab und müssen
konstatieren, dass wir auf unserer gesamten Reise nirgends eine solche
Fülle an wunderschönen Stränden angetroffen haben. Uns hat vor allem der
Playa Samara sehr gut gefallen. Da Ostern war und ganz
Zentralamerika die Osterwoche frei hat, war der Camping hoffnungslos
überfüllt, doch von unserem Penthouse aus konnten wir gemütlich zuschauen,
wie sich die anderen Zeltler auf dem Kopf und Zelt herumgetrampelt sind.
Nach dieser gemütlichen Strandwoche geht es ab in die Berge nach
Monteverde. Die Schotterstrasse windet sich steil rauf und nach zwei
Stunden Geholper kommen wir auf 1400M.ü.M beim Hotel Miramontes an,
das vom Schweizer Ehepaar Kathi und Walter Faisthuber geführt wird. Die
beiden sind zwanzig Jahre lang als Berufsmusiker durch die Schweiz gezogen
und sind vor zehn Jahren nach Costa Rica ausgewandert. Die Speisekarte
glänzt mit Österreichischen und Schweizer Spezialitäten und lässt uns das
Wasser im Munde zusammenlaufen. Am Abend sitzen wir noch beisammen,
schwatzen und schauen deren Video aus ihrer musikalischen Vergangenheit.
Herzlichen Dank Kathi und Walter, wir haben es sehr genossen bei Euch!
Monteverde ist touristisch völlig überlaufen wegen dem tropischen
Nebelwald (Cloudforest), den es hier zu bestaunen gibt. Mehrere Anbieter
buhlen mit Hängebrücken, Canopy Tours (Im Klettergurt, an Stahlkabeln
hängend, durch den Urwald düsen), Abend- und Nachtwaderungen etc. etc. um
die Gunst der vor allem amerikanischen Kundschaft. Die Preise sind
dementsprechend hoch: Hängebrücken 15$, Canopy Tours 35$, Parkeintritt 8$
und lassen uns die Spucke wegbleiben. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein
Weg und es gelingt uns durch den Ausgang zu den Hängebrücken
reinzuschleichen und kommen in den Genuss eines Spaziergangs zwischen den
Baumwipfeln. Die Vegetation ist undurchdringlich dicht, auf jedem Baum
wachsen noch hunderte von Orchideen und Rhododendren und von überall her
kreischt, zirpt, quietscht und gurrt es und dazu noch der Nervenkick, ob
wir es schaffen, unbemerkt wieder aus dem Park rauszukommen.
Die Riserva Biologica des Bosque Nebuoso de Monteverde bietet nach
der Canopy Tour nicht mehr viel Neues und Tiere, ausser einer riesigen
Tarantula lassen sich keine blicken. Die Nächte hier oben sind angenehm
kühl (~18°C) im Vergleich zu den heissen 28°C am Strand.
Von Monteverde aus geht es wieder runter zum Lago Arenal, das ein
Windsurfparadies sein soll. Die Gegend hier erinnert uns sehr an die gute
alte Schweiz: überall grüne Wiesen auf sanften Hügeln, friedlich grasende
Holsteinerkühe und mitten drin der blaue See und... wieder mal kein Wind.
Bei der Windsurfstation lernen wir Erika, Peter und ihre zwei Söhne
Claudio und Cederik kennen, die vor vier Jahren hierher ausgewandert sind,
um ein friedlicheres und weniger gestresstes Leben führen und dem
Windsurfen fröhnen zu können. Sie laden uns zu sich ein und erzählen uns
von ihrem abenteuerlichen Neuanfang hier in Costa Rica. Ursprünglich
wollten sie nur von drei Cabanas, die sie vermieten, leben. Doch
mittlerweile haben sie eine Kuh, drei Rinder und einige Hühner und
verkaufen selber gemachten Käse, Brot und Bündnerfleisch.
Zum Windsurfen sind wir leider zu spät dran, der beste Wind ballert mit
bis zu 7 Windstärken von Dezember bis März über den See und wir können dem
leichtgewichtigen Cederik neidisch zuschauen, wie er über den See flitzt.
Wir ziehen weiter um den See und auf einmal sehen wir links der Strasse
ein rustikales Restaurant mit der Aufschrift "Pequena Helvecia".
Wir biegen natürlich ab und gönnen uns ne richtige Bratwurst mit
Kartoffelsalat und einen Wurst- Käsesalat. Schon als wir weiterziehen
wollen, kommen wir ins Gespräch mit dem Besitzer, Herrn Ulrich und er
übergibt uns daraufhin den Schlüssel zum Hotelzimmer, damit wir mal wieder
eine Nacht ohne Dachzeltaufstellen geniessen können. Herzlichen Dank !!!
Er ist schon vor dreissig Jahren ausgewandert und hat hier ein Stück
Heimat hingezaubert: Ställe für die Kühe, Aebi Traktoren, ein alter
Panoramabus aus dem Berner Oberland, eine kleine Kappelle und als
Tüpfelchen auf dem i hat er eine Schmalspurbahn mit allen Schikanen
errichtet: Tunnels, Brücken und ein Wendeplatz zählen zu den Highlights
und auf dem Berg ist ein Panoramarestaurant im Enstehen.
Unsere Fahrt geht nächstentags weiter vorbei am Vulkan Arenal, der
zu den weltweit aktivsten Vulkanen zählt und regelmässig Lavabrocken
spuckt und abends könnte man die rotglühende Lava fliessen sehen. Könnte,
wenn der ganze Gipfel nicht in Wolken gehüllt wäre. Doch immerhin können
wir ab und zu donnerndes Grollen vernehmen.
Als nächsten Vulkan nehmen wir uns den Vulkan Poas vor, doch auch
dieser hüllt sich in Wolken und wir kriegen ihn nicht zu Gesicht.
In San José beginnen wir schon mal die Verschiffungs- und
Flugpreise abzuklären, lesen wieder mal unsere Mails und betreiben ein
wenig Sightseeing, das schnell abgeschlossen ist, da die Stadt ausser
einer lebendigen Fussgängerzone recht wenig zu bieten hat.
Weiter geht es durch üppigen Regenwald an die Karibikküste, wo viele
Schwarze leben und es schöne Strände haben soll. In der Tat, in Puerto
Limon dem Haupthafen Costa Ricas, hat es viele Schwarze und der
Lebensrhythmus ist noch gemächlicher als er sonst schon im Lande ist. Wir
kurven durch die Stadt und am Rotlicht hält ein Auto neben uns und jemand
ruft durch die offene Scheibe: "Looking for a place? How much do you want
to spend?" Wir meinen:"Nothing" und Kim, die gute Person meint, wir sollen
ihr folgen. Wir denken uns, sie werde uns zu einem sicheren Strandplatz
geleiten, doch stattdessen lädt sie uns zu sich nach Hause ein und ihre
Tochter überlässt uns sogar ihr Zimmer. Sie ist gebürtige Taiwanerin, mit
einem Ami verheiratet und betreibt hier ein Schiffsausrüstergeschäft. Zum
Abschied gibt sie uns noch zwei dicke Brote mit, einen Sack mit Äpfeln und
ein Kilo Rindsfilet. Wir sind absolut baff, ob soviel ehrlicher und
herzlicher Gastfreundschaft. Thanks a lot Kim.
Entlang der Küste bis nach Cahuita hat es wunderschöne Strände mit
guten Wellenreitbedingungen, doch ohne Wind und daher bleibt Kiten wieder
mal aus. Wir treffen am Strand eine Schweizer Familie, die hier schon seit
zwanzig Jahren leben. Langsam verstehen wir, warum Costa Rica als die
Schweiz Zentralamerikas bezeichnet wird: Viele Schweizer, alles ist teuer
und kein Wind.
In Puerto Viejo hat es viele Rastafarians verschiedenster Herkunft,
die Stimmung karibisch relaxed und in der Nacht giesst es wie aus Kübeln,
jaaaahh, das ist Karibik pur. Wir übernachten mitten im Dorf neben der
Polizeistation und schliessen unseren Karibikabstecher mit der Fahrt zum
Vulkan Irazu ab. Die Strasse führt bis aus 3400M.u.M und hier oben
stecken wir mitten in den Wolken, es fegt ein eisiger Wind durch
unsere Shorts und die Sicht ist gleich Null. Wir sparen uns das Geld für
den Eintritt und fahren wieder zurück nach San José. Als wir vor dem
Internetcafé stehen, murkst uns irgendein Depp die Antenne am Landy ab.
Schade, all die "gefährlichen" zentralamerikanischen Länder haben wir
problemlos hinter uns gebracht, doch hier im sicheren Costa Rica passiert
uns sowas.
Wir können bei Cathia und Oscar übernachten, die wir am Lago Arenal
kennengelernt haben und die uns die Kultur und Wesensart der Ticas (Costa
Ricaner) näher bringen. Muchas Gracias Cathia y Oscar.
Weiter geht es zu den, unter Surfern berühmten Stränden von Dominical
und Pavones. In Dominical hat es wiederum viele abgefuckte
Herumhänger, doch der Strand ist wunderschön. Die Fahrt nach Pavones ist
abwechslungsreich und wir kommen erst bei Abenddämmerung an. Wir trauen
unseren Augen nicht, als wir zu so später Stunde noch an die vierzig
Surfer im Wasser zählen, die immer noch auf die Wellen warten.
Am nächsten Morgen überrascht mich Esther mit einem Riesenfrühstück, ah ja
stimmt, bin ja wieder mal ein Jahr älter geworden und wir können von
unserer "Frühstücksterrasse" aus den Surfern zuschauen, wie sie die Wellen
abreiten, beziehungsweise von jenen verschluckt und gründlich gewaschen
werden. Hier liesse es sich locker noch länger herumhängen, doch wir
wollen nach Panama, damit wir Ende April nach Venezuela verschiffen
können.
Costa Rica hat uns sehr gut gefallen, vor allem die Varietät des Landes
ist riesig. Von trockenen pazifischen Stränden, über saftige
Hügellandschaften, zu hohen Vulkanen, rüber zu feuchten Karibikstränden
ist alles vorhanden. Die Menschen haben einen hohen Lebensstandard, es hat
keine Bettler, niemand glotzt unsere Fahrräder an und will, dass wir sie
ihm schenken. Leider hat es schon viele Touristen, was den Kontakt zur
Bevölkerung eher erschwert. Das war's, jetzt können sich
die Bildliglotzer auch wieder dazugesellen.
|