|
Die Einreise nach Panama war so einfach, dass wir schon in Panama waren,
bevor wir es wussten. Zwei Strassen führen parallel zueinander, die eine
Strasse ist noch Costa Rica, wenn man auf die andere Strasse
rüberfährt, ist man schon in Panama. So sind wir denn ein wenig staunend
zum Zollbüro gefahren und haben unsere letzte Einreise hier in
Zentralamerika durchgeführt. Sieben Länder in vier Monaten. Zum Glück
werden wir in Südamerika nicht mehr so viele Grenzübergänge in so kurzer
Zeit zu bewältigen haben.
Wir düsen die 500 km nach Panama City in kurzen zwei Tagen runter, damit
wir mit der Organisation der Verschiffung und der Flüge beginnen können.
Apropos Verschiffung und Panamericana: Es existiert keine
Strassenverbindung von Panama nach Kolumbien. Es gibt nur einen
Trampelpfad, der von der kolumbianischen Guerilla und Drogenschmugglern
begangen wird. Wir haben aber einen Franzosen getroffen, der in 10 Tagen
durchmarschiert ist. Als motorisiertem Reisenden bleibt einem nichts
anderes übrig, als in Panama zu verschiffen.
Es ist schon ein super Gefühl auf der Autobahn über den Panamakanal zu
fahren, die Skyline von Panama City vor sich zu haben und zu wissen, dass
wir jetzt nach fast eindreiviertel Jahren Reiserei ein wichtiges
Etappenziel erreicht haben. Und dies ohne Unfall, heiklen Situationen oder
ähnlichem.
Die Suche nach einem Übernachtungsplatz erweist sich als ziemlich
schwierig, da es sozusagen keine bewachten öffentlichen Parkplätze gibt.
Bei der Herumkurverei in Panama City kommen wir am Ristorante Alleman
"Steinbock" vorbei. Natürlich halten wir dort an und werden von Karin, der
Besitzerin, zackig begrüsst und eingewiesen. Dieser Halt erweist sich als
Glücksgriff: wir können zwei Nächte lang auf dem Parkplatz übernachten,
gute deutsche Küche geniessen und im oberen Stockwerk des Restaurantes
erhalten wir in der Verschiffungsagentur bei Jochen viele nützliche Tips
für die Verschiffung, herzlichen Dank!!!
Um die günstigste Reederei herauszufinden, setzen wir uns in ein
Shoppingcenter zu einem öffentlichen Telefon, packen uns die Gelben Seiten
und verbringen fast den ganzen Tag damit, eine Agentur nach der anderen
anzurufen. Am späten Nachmittag haben wir eine Reederei gefunden,
die fast 300$ günstiger als alle anderen Angebote sind: 700$ für den
Container nach Venezuela, das lässt sich sehen.
Die ganze Organisation der Verschiffung direkt vor Ort und per Telefon
geht viel einfacher als die Suche per Internet. Wir haben im Internet keine
gescheiten Informationen für eine Verschiffung nach Venezuela gefunden,
doch jetzt per Telefon konnten wir an die 10 Reedereien ausfindig machen, die
Venezuela anlaufen.
Tags darauf muss der Landy in die Werkstatt, um den Service zu machen und
einen ABS Sensor zu ersetzen. Ich ziehe auch das Kombi an und überwache
alle Arbeiten. Zeitweise wuseln an die vier Mechaniker um den Landy herum
und jeder schraubt, schmiert, fettet ein wenig herum, doch man muss
verdammt aufpassen, dass sie das richtige Öl an der richtigen Stelle
reinfüllen, dass alle Schrauben wieder richtig angezogen sind, und, und,
und. Der ganze Service dauert den ganzen Tag, verrechnet werden aber nur
4.5 Stunden, was auch der normalen Arbeitsleistung eines europäischen
Mechanikers entspricht. Stress ist ein Fremdwort hier Zentralamerika, doch
sobald es fünf Uhr schlägt, beginnt die Hektik und um fünf nach fünf sind
alle frisch gewaschen und umgezogen und die Werkstatt leer.
Daneben versuchen wir noch neue Reifen zu finden, doch müssen wir
feststellen, dass die Auswahl hier eher bescheiden ist, die Preise
keineswegs günstiger, als in den vorher besuchten Ländern sind und
das Know How der Verkäufer keineswegs überzeugend ist. Einige versuchen,
uns Lastwagenreifen anzudrehen, nur weil die Dimensionen stimmen. So
werden wir in Venezuela eine neue Suche nach Reifen starten. Falls dies
nicht fruchten sollte, werden wir wohl im Urwald die Gummibäume anzapfen
und unsere Reifen selber aufgummieren :)
Panama City ist eine faszinierende Stadt, wie man sie nach all den anderen
Zentralamerikanischen Städten nicht erwarten würde. Eine modernes Zentrum
und viele Wolkenkratzer prägen das Bild. Daneben gibt es noch das Panama
Viejo, das im 17.Jh, von Piraten zerstört wurde und von dem noch ein paar
verfallene Stadtmauern stehen und den Casco Antiguo in dem viele
klassische Gebäude aus dem 18. und 19. stehen.
Bei der Suche nach einem schönen Aussichtspunkt geraten wir
unbemerkterweise in ein schlechteres Viertel und werden dort ausgeraubt.
Doch wir kommen mit einem RIESENDUSSEL davon.
Wen es interessiert, kann hier den Vorfall detailliert nachlesen.
Am nächsten Tag können wir uns endlich dem Sightseeing widmen:
Altstadtviertel, Kanalmuseum, Panamakanal mit den Schleusen und schon ist
der Tag vorbei. Es ist schon eindrücklich zu beobachten, wie die
Riesenschiffe in die Schleusen einfahren und dort langsam absinken, bzw.
angehoben werden.
Für die Nacht finden wir im Ausgehviertel Panamas einen ruhigen Parkplatz
und verkriechen uns ins Dachzelt. Knapp nach Mitternacht wachen wir auf
und aus dem ruhigen Parkplatz ist DER Treffpunkt der Panameser Jugend
geworden. Überall dröhnen die Radios, jeder versucht natürlich, den
anderen zu übertrumpfen und die Blicke der Chickas auf sich zu ziehen. An
Schlaf ist natürlich nicht zu denken und wir haben bis 4:00 Morgen Zeit,
das Balzverhalten der Panamenos zu beobachten. Dass Autoradios Strom
brauchen, entdecken einige der Jungs zum ersten Mal und müssen ihre Kisten
anstossen.
Am Sonntag treffen wir endlich Melanie, Stefan und Finn wieder, die wir im
November in Mexiko kennengelernt haben. Beim gemeinsamen Abendessen
gesellen sich Jürgen Charchulla (Windsurfern der ersten Stunde ist dieser
Name ein Begriff !) und Maria dazu.
Den Montag verblödeln wir mit Bewilligung einholen, dass unser Landy
Panama verlassen darf. Da das Computersystem nicht funktioniert, kriegen
wir erst nach sechs !!! Stunden Warterei, den ersehnten Wisch.
Am Dienstag geht es dann nach Colon um unseren Landy in den Container zu
rollen. Vorher besuchen wir noch die riesigen Gatun Schleusen und machen
einen Abstecher nach Portobello, das früher der wichtigste Hafen der
Spanier war, um das in Südamerika geklaute Silber und Gold, das mit
Mauleseln hierhin transportiert wurde, nach Spanien zu verschiffen.
Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz kurven wir durch Colon und das
Gesäss verkrampft sich zusehends. Die Stadt ist völlig heruntergekommen,
es hat nur Schwarze auf der Strasse und wir werweisen, wie weit ein
weisser Touri mit umgehängter Kamera wohl kommen würde. Zum Glück finden
wir nach einiger Sucherei den Yachthafen und können dort unser Dachzelt
auspacken.
Am Mittwoch geht es zum Verschiffungsagenten in Colon. Dieser schaut uns
erstaunt an und meint, wir müssten erst am Donnerstag da sein, doch wir
könnten das Auto im Hafen stehen lassen, jemand würde es dann schon
einpacken. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir vom Büro in Panama die
Anweisung erhielten, heute hier zu sein und dass wir das Auto sicher nicht
stehen lassen, sondern jetzt einpacken wollen. Das bringt den guten Mann
ziemlich aus der Fassung, dass ein Kunde etwas von ihm will und beginnt
mit Beschimpfungen, wir sollen den Container doch selber organisieren, er
hätte ja schon alles für den Donnerstag vorbereitet, blablabla. Da wird es
Petr zu bunt und er staucht ihn so zusammen, dass er trotz schwarzer
Hautfarbe ziemlich bleich wird und alles für den heutigen Tag organisiert.
Nach kurzer Warterei am Zoll fahren wir ins Hafengelände rein und werden
zu unserem Container gelotst. Kurz abgemessen, Fahrräder runter, Luft
abgelassen und schon lotst mich Esther in den Container rein. Wir haben
bei der Einfahrt knappe zwei Zentimeter Spielraum, doch im Container drin
hat es mehr Platz. Uff, geschafft. Wir hatten schon Angst, wir müssten
Dachzelt und Kiste abmontieren. Die Verzurrtruppe will das Auto nur lausig
festzurren, doch wir bestehen darauf, dass jedes Rad sauber befestigt wird
und wo es vertäut wird. Man muss den Typen genau auf die Finger schauen,
sonst vergessen sie etwas, oder machen es nicht richtig. Nach einiger
Hin-und Herdiskutiererei ist der Landy zu unserer vollsten Zufriedenheit
befestigt und der Container wird verschlossen und plombiert. Hasta Luego
in Venezuela.
Wir fahren mit dem Taxi in den Yachthafen zurück, wo wir noch einen Apero
mit Leisa und Aldo geniessen. Die beiden waren fünf Jahre lang mit ihrem
Segelboot in der Karibik unterwegs und bereiten sich jetzt auf die
Heimreise vor.
Am Freitag geht es zum Flughafen, wo wir versuchen per Standby einen Platz
zu ergattern, da der Flug ausgebucht war und wir nur Plätze für den
Samstag reservieren konnten. Nach einiger Aufregung am Sicherheitsposten,
wo uns die nette Dame unsere Taschenmesser, Nagelklipser und Manikürschere
wegnehmen will, geht es zum Gate und die Warterei geht los: Schaffen wir
es auf diesen Flug, oder müssen wir wieder zurück ins Hotel?
All das erfahrt ihr im nächsten Reisebericht.
Nein, nein,
wir lassen Euch nicht so hängen.
Um es vorne wegzunehmen. Wir haben es geschafft, sind wohlbehalten in
Caracas angekommen und konnten am 5.5.2004 unseren Landy unversehrt aus
dem Container holen. Aber jetzt ist Schluss !!! |