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Wir sind nun schon seit zwei Wochen auf der Isla Margarita, genauer
gesagt in El Yaque und machen mal wieder richtig Kiteferien. Das
Gebiet hier ist super für Anfänger und Aufsteiger: stehtiefes Wasser bis
weit in die Bucht raus, Flachwasser, meist konstanter Wind zwischen 3 und
5 Windstärken, schöner, palmengesäumter Strand und Happy Hour Drinks für
knappe 2 CHF. Was will man mehr?
Esther hatte Anfangs noch ein grösseres Brett und einen kleineren Kite
gemietet, doch hat sie ihr Fahrkönnen schnell aufpoliert und flitzt jetzt
mit unserem 12er Kite und dem kleinen 135cm Brettl herum.
Doch jetzt von Anfang an: nachdem wir den Pico Bolivar bestiegen hatten
und wieder heil unten angekommen sind, haben wir unser Basislager in
Merida abgebrochen und sind in die Llanos gefahren, einer riesigen
Tiefebene, die Heimat von abertausenden von Rindern ist und daneben ein
richtiges Tierparadies ist: Man kann Piranhas fischen, die grösste
Schlange der Welt, die Anakonda aus dem Wasser ziehen und dutzende andere
Tierarten beobachten.
Uns wurde das Campamento Canafistola empfohlen und nach langer
Fahrt von Merida, wo wir noch ein abenteuerliches Rennen mit einem
Buschauffeur zu bestehen hatten, der uns nicht überholen lassen wollte,
sind wir am Abend dort angekommen.
Am nächsten Morgen ging es auf Piranhajagd. Ausgerüstet mit Angelschnur,
mit einem Riesenhaken und Frischfleich begaben wir uns mit unserem Führer
an einen Tümpel, um unser Glück zu versuchen. Unser Führer zeigte uns die
Grundlagen und dann ging es los. Die ersten paar Mal hatten uns die
Viecher das Fleisch schon abgeknabbert, bevor wir überhaupt reagieren
konnten und unser Führer hatte in der Zwischenzeit schon drei Piranhas
rausgezogen. Doch dann zogen Esther und ich innert kurzer Zeit unsere
ersten Piranhas aus dem Wasser. Wahnsinn, was für scharfe Zähne die Dinger
haben.
Nach zwei Stunden wurde es uns langsam langweilig und wir fuhren mit elf
selbstgefangenen Piranhas ins Camp zurück.
Am Nachmittag stand die Suche nach einer Anakonda an. Unser Führer zog die
Schuhe aus und watete mit einem Stock bewaffnet in den Tümpeln herum, doch
nicht er, sondern Esther erspäht die Anakonda, die gemütlich im Gras
liegt. Wir nähern uns ganz langsam, unser Führer drückt ihren Kopf mit dem
Stock auf den Boden und ich muss an ihrem Schwanz ziehen, damit sie sich
nicht um sein Bein wickelt. Sie ist eine kleines Prachtstück, an die drei
Meter lang und fast hundert Kilo schwer. Ist schon unglaublich, dass so
eine Anakonda ganze Krokodile verschlingen kann, indem sie ihr Opfer
umschlingt, es ersäuft und ihre Kiefer aushängt und dann das ganze Kroko
langsam verdrückt. Doch sobald man die Anakonda am Kopf und Schwanz
hält, ist sie hilflos. Wir können die Schlange ausgiebig beobachten,
streicheln und sind fasziniert von der trockenen, schuppigen Haut.
Wir sind überglücklich, dass wir an einem Tag Piranhas erfischt und noch
eine Anakonda zu Gesicht gekriegt haben und verdrücken zum Nachtessen die
köstlichen Piranhas.
Eigentlich wollten wir nächstentags noch eine Flussexkursion machen, doch
da es wie aus Kübeln schüttet, packen wir zusammen und fahren weiter
Richtung Provinz Amazonas.
Eineinhalb Tage fahren wir durch die flache Llanoslandschaft, müssen drei
Flüsse, darunter den Orinoco, auf abenteuerlichen Fähren überqueren und
kommen in Puerto Ayacucho an. Das Gebiet südlich von Puerto
Ayacucho kann nur mit dem Boot bereist werden und es benötigt diverse
Bewilligungen, damit man dieses Gebiet überhaupt bereisen darf. Der Grund
ist, dass hier noch viele Indianerstämme völlig unberührt von der
Zivilisation leben und man dies nicht durch fotogeile Touris verändern
will. Man kann vom Orinoco in einer ca. zweiwöchigen Schiffahrt bis zum
Amazonas fahren und auf der Strecke hat es nichts als ein paar kleine
ursprüngliche Dörfchen. Unglaublich, dass es sowas in unserer Zeit noch
gibt.
Wir bleiben ein paar Tage in der wunderschön gelegenen Orinoquia Lodge,
wo wir kostenlos stehen dürfen und machen einen Ganztagesausflug auf dem
Orinoco. Da der Orinoco der Grenzfluss zu Kolumbien ist, machen wir
natürlich einen Abstecher in einen Nationalpark auf der anderen Seite und
werden von den kolumbianischen Parkwächtern freundlich begrüsst und im
Park herumgeführt. Bei der Weiterfahrt auf dem Fluss, machen wir noch Halt
in einigen kleinen Dörfchen, wo die Menschen noch sehr einfach leben und
sich vom Fischfang ernähren und wir haben sogar die Möglichkeit einen
kleinen giftigen Frosch zu Gesicht zu kriegen.
Von Puerto Ayacucho geht es in zwei Tagen wieder rauf nach Caracas,
wo wir noch einige Sachen zu erledigen haben, bevor es auf die Isla
Margherita geht.
Die erste Nacht in Caracas mit unserem Landy beginnt eigentlich ganz gut.
Wir finden einen grossen Parkplatz, der die ganze Nacht bewacht ist und wo
wir zu logieren gedenken, wie wir es schon in allen anderen
zentralamerikanischen Städten gemacht haben. Doch so gegen 21:00 kommt der
Nachtwächter und meint wir können hier schon parkieren, doch übernachten
sei nicht gestattet. Nach ellenlanger Diskussion können wir trotzdem
übernachten, doch müssen wir schon um 5:30 aus dem Auto raus sein. Wir
denken uns, bis am Morgen hat er uns vergessen, doch weit gefehlt.
Pünktlich um 5:30 klopft der Trottel an die Scheibe und holt uns raus.
Schlaftrunken und lustlos trotten wir zum Parque Central und setzen uns
neben allen Pennern, die noch herumliegen auf eine Bank und schauen dem
langsam aufwachenden Caracas zu. Als Pünktchen auf dem i kommen noch drei
Polizisten auf ihren Yamaha XT 600 angedüst, wollen wissen was wir hier
machen und verlangen unsere Personalien. Von Freundlichkeit haben sie auch
noch nichts gehört und sie begnügen sich mit den Kopien unserer
Identitätskarten.
Wir sind den Venezolanern immer noch nicht auf den Geschmack gekommen. Sie
sind weiterhin unfreundlich, arrogant und ignorant. Dafür ist der
Schweizer Konsul in Caracas ein Lichtblick. Wir hatten ihn angerufen um
die politische Situation und mögliche Risiken abzuklären und es stellte
sich heraus, dass er auch ein angefressener Landyfahrer ist und er hat uns
spontan zu sich nach Hause eingeladen. Dank ihm erfuhren wir sehr viel
über Land und Leute, erhielten einen spannenden Einblick in die Arbeit
eines Konsuls und konnten Unmengen von Reiselatein austauschen. Merci
vielmals Marco!!!
Von Caracas fahren wir über den Avila (Hausberg der Caracenos) und werden
bei der Einfahrt in den Park gestoppt mit der Begründung, man dürfe nicht
Fahrradfahren im Park und es entspinnt sich folgender Dialog:
Wir: "Wir fahren ja nicht Rad, wir haben die Bikes ja nur auf dem Dach".
Er: " Das sei egal, man dürfe nicht Radeln im Park"
Wir: " Wir fahren Auto und wollen nur auf die andere Seite des Berges,
damit wir der Küste entlang weiterfahren können"
Er: " Das sei ok, aber die Fahrräder müssen hier unten bleiben"
Wir: "Bescheuert oder was? Wir fahren schon seit zwei Jahren mit den
Dingern auf dem Dach herum und werden sie sicher nicht hier lassen"
Er: " Aber man darf im Park nicht Fahrrad fahren"
Wir:" Wir wollen ja nicht Fahrradfahren....."
Er: " blablablabla "
So ging das an die fünf Minuten hin
und her. Wir wollen der Leserschaft den gesamten, ziemlich beschränkten
Dialog nicht zumuten, doch wir haben es doch noch geschafft über den Berg
mit unseren Radeln zu kommen. Die Strecke war mordssteil (mussten in der
Reduktion fahren) und der einsetzende Regen machte das ganze zu einer
spannenden Rutschpartie.
Die Küstenstrasse nach Higuerote windet sich durch grünen Urwald
und an schönen Stränden vorbei und vor Higuerote biegen wir Richtung
Strand ab, fahren durch einen kleinen Fluss, wo eine Truppe Offroader ihre
Autos wäscht und übernachten endlich wieder mal am Strand bei angenehmen
Temperaturen und Meeresrauschen. Am nächsten Tag, nachdem es in der Nacht
wieder mal geregnet hat (ja, es ist Regenzeit in Venezuela !) ist der
kleine Fluss ziemlich angeschwollen und an eine Durchfahrt ist nicht zu
denken. Wir warten und es gesellen sich noch zwei Autos dazu. Das Wasser
steigt und steigt und einer der Fahrer lädt uns zu sich ein, den
Nachmittag bei ihm zu verbringen. Es stellt sich heraus, dass seine
Familie eine der grössten Tageszeitungen des Landes besitzt und sein
Weekendhaus entpuppt sich als märchenhafter Landsitz an einem
wunderschönen, einsamen Strand.
Am Nachmittag kehren wir zurück zum Fluss und ein Toyota Pickup traut sich
durch die Fluten, wird fast abgetrieben und als der Fahrer auf der anderen
Seite die Türe öffnet, strömt das Wasser nur so raus. War nix mit
trockenen Füssen. Dies wollen wir uns ersparen und übernachten gleich vor
Ort, um am nächsten Morgen früh den Fluss zu durchqueren.
Tags darauf ist der Wasserstand wirklich wieder soweit abgesunken, dass
wir problemlos und ohne Innenraumspülung über den Fluss kommen.
Über die Fahrt nach Cumana gibt es wenig zu berichten, wir
übernachten auf einem Hotelparkplatz und fahren um 4:00 in der Frühe zum
Hafen, um die Fähre zur Isla Margarita zu erwischen. Nach vier Stunden
Geschaukle auf einer Fähre, die nicht viel grösser als eine Zürichseefähre
ist, kommen wir an und fahren direkt nach El Yaque, der berühmten
Wind- und Kitesurfdestination. Wir können neben dem Hotel Atti übernachten
und kriegen sogar noch ein Zimmer und können die Toilette und Dusche
benutzen. Was für ein Luxus. Muchas Gracias Fabrizio !!!
Wir treffen gleich am ersten Abend eine fröhliche Schweizer Truppe, von
denen Petr zwei kennt und die sich als gute Beachvolleyspieler
herausstellen. Leider reisten sie schon nach vier Tagen ab und es gab
keinen valablen Beachvolleyersatz.
Hinzu gesellten sich noch Natalie und Konny, auch aus der Schweiz, die ein
Jahr Auszeit genommen haben, nur ein paar Tage in El Yaque bleiben wollten
und auch schon zwei Wochen hier sind, c'est la vie!
Die Tagesaktivitäten sind kurz und bündig zusammengefasst.
Kiten, lesen, ab und zu mal spanisch und portugiesisch büffeln,
nachmittags EM glotzen, danach noch selber aktiv werden mit Beachtennis
und am Abend geht es dann in die Happy Hour, um bei einem Margherita den
wilden Kitern und Windsurfern auf dem Wasser zuzuschauen, wie sie die
letzte Brise vor dem Sonnenuntergang noch ausnützen. Dazwischen noch so
alltägliches, wie Wäsche waschen, Wasserfilter putzen, Wassertank füllen,
Kleidung reparieren, Wasserhahn anziehen und neu justieren, Ameisen aus
dem Auto jagen, die an der Stromleitung raufgekraxelt sind, etc, etc, etc.
Nach eineinhalb Wochen Kitens hat Petr nach einem missglückten Sprung den
Kite zerissen und leider ist der lokale Segelmacher in den Ferien. Wir
suchen in Porlamar nach einem Segelmacher, der in der Lage wäre unseren
Kite wieder auf Vordermann zu bringen, doch leider hat der eine nicht das
passende Garn und Nadel und der andere nicht die Maschine. So sind wir
ziemlich gefrustet, wenn wir am Strand sitzend den anderen Kitern
zuschauen müssen. Zum Glück hat es nicht zu viel Wind und wir verpassen
nicht viel.
Im Supermarkt treffen wir Yvonne und Bruno, die mit ihrem Segelboot Momo
schon seit drei Jahren auf hoher See sind und sie laden uns zu sich aufs
Boot ein. Der Apéro, mit dem selbst getrockneten Fisch war excellent,
herzlichen Dank!!!
Den Rest der Zeit verbringen wir mit Natalie und Konny, die sich
mittlerweile entschlossen haben eine eigene Kiteausrüstung zu kaufen und
noch ein paar Wochen zu bleiben. Hang loose und springt nicht zu hoch !!!
Am Montag, nachdem die Tschechen Dänemark mit 3:0 aus der EM rausgeworfen
haben, machen wir uns auf zur Inselrundfahrt, die in einem halben Tag zu
bewältigen ist und nichts allzu erwähnenswertes bietet.
Wir verabschieden uns von Fabrizio vom Hotel Atti, der uns so grosszügig
im Hinterhof campen lassen hat und nehmen am Abend die Fähre Richtung
Festland wo es dann weiter in die Gran Sabana geht, wo wir noch den den
Angel Fall, mit 1000m Fallhöhe der höchste Wasserfall der Welt, anschauen
wollen.
Doch davon mehr im nächsten Reisebericht. Hasta Luego !!!
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