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Der Grenzübertritt nach Brasilien ging so reibungslos über die Bühne, dass
wir im Lande waren ohne es bemerkt zu haben. Wir mussten nach einigen
Metern anhalten und zum Zollhäuschen zurückfahren um unsere Pässe
abstempeln zu lassen und den Landy temporär einzuführen. Das ging alles in
sehr freundlichem und legerem Ton vor sich, yeppeeee, wir sind in
Brasilien !!!!
Die erste Nacht verbringen wir an einer Tankstelle mit anderen
Lastwagenfahrern und kommen sofort mit ihnen ins Gespräch. Na, ja Gespräch
ist ein wenig übertrieben, mit genuscheltem Spanisch, ein paar Brocken
Portugiesisch und Händen und Füssen findet eine lustige Konversation
statt. Brasilianisch unterscheidet sich in der Schreibweise nur
unwesentlich vom Spanischen, die meisten Wörter sind gleich, doch die
Aussprache hat es in sich. Beim ersten Hinhören kriegt man nur einen
Singsang aus nãuo, mião, jião, schiu etc. mit, der an eine Mischung aus
Rätoromanisch und Russisch erinnert und kann gar nicht zwischen einzelnen
Worten unterscheiden. Ein Rätsel: Was ist ein "fietschpantsch"? Nein, hat
nichts mit gepantschten Fischen zu tun und auch nicht mit Pantoffeln auf
dem Fiescherhorn. So nennt man hier schlicht und einfach einen Fiat Panda.
Das kann ja noch heiter werden, bis wir was verstehen.
Die 1000 km von der Grenze bis nach Manaus verlaufen eintönig durch
abgerodete Savanne, auf der Kühe grasen. Unterbrochen wird diese Einöde
nur durch ein 140km langes Sperrgebiet, in dem noch Indios mehr oder
weniger ursprünlich leben. Hier kriegt man einen Eindruck vom dichten,
undurchdringlichen Amazonasurwald mit.
Manaus ist keineswegs die, wie von uns erwartete, abenteuerliche
Stadt mitten im Dschungel, sondern eine pulsierende Grossstadt mit 1.6 Mio
Einwohnern, mit einer riesigen Industriezone, in der von Elektronik bis
Motorrädern alles mögliche produziert wird und einer belebten
Einkaufsmeile.
Hier trifft José auf uns, er fährt einen, na was wohl? Jaaaa, einen
Defender 90 und lädt uns zu sich nach Hause ein. Wir können ein paar Tage
bei ihm und seiner Familie bleiben, schauen die Stadt an, müssen den
Wassertank noch einmal ausbauen, da die in Nicaragua gezogene Schweissnaht
undicht war und versuchen eine günstige Verschiffungsmöglichkeit den
Amazonas runter nach Belem zu finden. Muito Obrigado Paula y José !!!!
Am Donnerstagabend fahren wir in den Hafen und finden noch einen Platz auf
einem Lastwagenfloss. Da wir erst um 4:00 morgens aufs Floss können,
stellen wir unser Dachzelt auf und pennen eine Runde. Dann fahren wir aufs
Schiff und pennen weiter. Um 10:30 werden wir von einem schrillen Pfiff
geweckt: Das Mannsweib von Köchin läuft mit Trillerpfeife herum und ruft
zum Mittagessen auf. Mit zwei anderen Lastwagenfahrern sind wir die
einzigen Mitfahrer an Bord, der Rest der Ladung besteht aus unbegleiteten
Aufliegern.
Zum Essen gibt es Reis mit Bohnen, Spaghetti und dazu geschmortes Fleisch.
Ein Menu, das uns für die nächsten vier Tage zum Mittag- wie auch zum
Nachtessen.begleiten soll. Die vier Tage auf dem Schiff sind paradiesisch
friedlich: wir lesen, lernen Portugiesisch, versuchen das Gelernte gleich
auf die armen Lastwagenfahrer und Besatzung anzuwenden, die uns mit einem
Grinsen mitteilen, dass sie wieder nichts verstanden hätten. Dann krame
ich Esther's Querflöte hervor und versuche ein paar Töne rauszuquetschen
oder wir setzen uns an den Bug des Flosses und lassen die Landschaft auf
uns wirken. Viel gibt es eigentlich gar nicht zu sehen. Sofern man das
Ufer überhaupt sieht, ist es grün bewachsen, ab und zu mal ein paar
Häusschen, hin und wieder mal ein Städtchen und zwischendurch paddelt
jemand mit den Kanu zu uns hin und versucht etwas zu verkaufen. Wir
geniessen die Zeit und wären gerne noch weitergetuckert, doch in Belem ist
Endstation und jetzt heisst es wieder Kilometer abspulen. Brasilien ist
riesig, flächen- und bevölkerungsmässig (180 Mio.) das fünftgrösste Land
auf der Welt und von Nord nach Süd sind es Luftlinie über 6000km.
Belem hat einen lebhaften und bunten Markt und einige alte Kirchen
und Häuser. Durch hügelige Landschaft geht es weiter nach Saõ Luis. Auf
der Fähre werde ich noch zum Kapitän gerufen. Er hat gesehen, dass wir ein
GPS im Auto haben und nun muss ich ihm sein neu erstandenes Gerät
erklären. Leider hat es keinen Empfang, da keine externe Antenne vorhanden
ist, aber wenigstens konnte ich die Sprache seines Gerätes von Englisch
auf Portugiesisch umstellen.
São Luis hat uns sofort in seinen Bann gezogen. Viele koloniale
Häuser, deren Aussenwände wegen der Hitze und Feuchtigkeit mit Kacheln
belegt sind und eine friedliche Fussgängerzone, mit vielen Cafés,
Essensständen, Livemusik und herumflanierenden Menschen.
Weiter geht es zum National Park Lencois Marenhenses. Hier
gibt es zwischen den Dünen Süsswasserlagunen zu bewundern, in denen man
auch friedlich plantschen kann. Vor Jahren noch ein Geheimtip, hat die neu
geteerte Strasse nach Barreirinhas den ganzen Park in eine
Touriattraktion verwandelt und am Wochenende stürzen sich hunderte von
brasilianischen Touristen in die kühlen Lagunen. Da wir einen Führer haben
und mit eigenem Auto unterwegs sind, können wir zum Glück dem
Besucheransturm entkommen und fahren weiter Richtung Meer nach Atins.
Die Strecke weist einige tiefere und längere Wasserdurchfahrten auf
und unser Adrenalinspiegel ist am obersten Limit, da wir immer Angst
haben, irgendwo im Wasser steckenzubleiben. Einmal wird sogar unsere
Motorhaube geflutet. Doch wir meistern die Strecke und werden mit einem
schönen Ausblick vom Leuchtturm aus belohnt. Von der Landschaft her, hat
sich die Schinderei für Auto und Seele nicht gelohnt, doch unter dem
Aspekt eines Fahrtrainings sieht die Sache schon positiver aus.
Nächstentags nehmen wir uns wieder einen Führer und fahren weiter nach
Paulino Neves. Hier hat es ebenso schöne Lagunen zwischen den Dünen
und keine Touristen. Unsere Fahrt geht weiter über teilweise holprige
Strassen und an kleinen Dörfchen vorbei weiter nach Camocim, von wo
aus wir die 45km Strandfahrt nach Jericoacoara in Angriff nehmen.
Mittels zwei kleinen abenteuerlichen Fähren setzen wir über die Flüsse
über und sind nach 1.5 Stunden Fahrt in Jeri.
Das einstmalig kleine und ruhige Fischerdörfchen hat sich in eine populäre
Feriendestination für Einheimische und zu einem international bekannten
Windsurfspot entwickelt und ist jetzt zum Ende der lokalen Ferienzeit zum
Bersten voll. Doch auch so hat es eine charmante Atmosphäre, mit vielen
Restaurants, Shops und Posadas. Zum Sonnenuntergang trifft man sich auf
der grossen Düne und ab Mitternacht peitschen Technoklänge die Stimmung
auf.
Eine brasilianische Spezialität ist es, den Kofferraum seines Autos mit
fetten Lautsprechern zu füllen und am Strand oder im Ort selber, seine
private Disco zu organisieren und mit genügend Alkohol, die Tanzlaune bis
übers Morgengrauen hinaus aufrecht zu erhalten.
Zum Kiten ist Jeri nicht so ideal, da der Wind ablandig ist und man
daher zum 10km weiter entfernt liegenden Praia o Prea dislozieren
muss. Dort bläst der Wind mit 15-27 Knoten schräg auflandig und am
Nachmittag baut sich eine kabellige Welle auf. Für Anfänger weniger
geeignet, doch Fortgeschrittene kommen auf ihre Kosten.
Drei Wochen Brasilien liegen hinter uns und wir wissen jetzt schon, es ist
nicht das letzte Mal, dass wir hier sind. Die Menschen hier sind offen,
fröhlich, freundlich und hilfsbereit. Das Land ist viel weiter entwickelt
als wir es je gedacht hätten (ja, ja, wir blöden, unwissenden und
eingebildeten Schweizer!).
Auf den Strassen befinden sich vor allem europäische Klein- und
Mittelklassewagen. Es hat sehr viele Landrover Defender, die hier in
Brasilien produziert werden, die Strassensignalisation ist klar und
deutlich und in den Städten hat man dasselbe Warenangebot wie bei uns.
Doch ausserhalb der Städte zeigt sich das andere Bild Brasiliens. Viele
einfache Lehmhütten, in denen die Menschen ein sehr einfaches Leben
führen. Das wär's mal von unseren ersten Etappe in
Brasilien, weiter soll es der Küste entlang bis nach Salvador gehen und
von dort aus ins Inland nach Brasilia. Nächste Infos wahrscheinlich von
dort aus. Ciao (wird übrigens auch im Brasilianischen
angewendet)
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