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Hallo, da sind wir wieder, lange hat es gedauert, doch eigentlich ist gar
nicht so viel passiert. Sind von Jericoacoara losgefahren, sind in Cumbuco
drei Wochen zum Kiten steckengeblieben und sind dann der Küste entlang bis
nach Salvador gefahren. Das wär's. Muss man ja nicht mehr schreiben oder?
Das wäre das Management Summary und jetzt kommen wir doch noch ein wenig
zu den Details.
Von Jericoacoara ging es dem Strand entlang weiter gen Süden und wir
feierten an der Praia de Balea unser zweijähriges Reisejubiläum.
Sapperlot, wie die Zeit vergeht, schon zwei Jahre rollen wir mit unserem
Landy über Stock und Stein und geniessen es immer noch, neue Menschen,
Sprachen, Kulturen, Essspezialitäten und Kitespots kennezulernen.
Natürlich kommt immer wieder das Heimweh hoch, die Sehnsucht nach unseren
Familien und Freunden oder die berühmte Reisemüdigkeit stellt sich ein,
doch nach ein paar Tagen Rast legt sich das wieder und es packt uns erneut
die Neugier nach neuen Erlebnissen. Das Jubiläumsmenü bestand aus Krebsen
und frischem Fisch. Das Knacken der Krabben war eine langwierige Sache und
vor allem Petr war danach von Kopf bis Fuss mit der Sauce bekleckert..
Nächstentags mussten wir mit zwei kleinen Fähren übersetzen und bei der
ersten war uns echt mulmig zumute. Der Wellengang war ziemlich stark, der Wind blies
schön von der Seite und brachte unseren Landy inklusive Floss so stark ins
schwanken, dass wir uns schon im Wasser drin sahen. Doch wir hängten uns dann
an die Seite unseres Landys und spielten Gegengewicht zum Ausbalancieren.
Die nächste Fähre war zum Glück in ruhigem Fahrwasser. Die Fahrt dem Stand
entlang war wunderschön. Auf der einen Seite das Meer auf der anderen Dünen
und vor uns kilometerweise nur Niemandsland, unterbrochen von ein paar
Fischerdörfchen. Am Abend sind wir in Cumbuco
angekommen und suchten über eine Stunde vergeblich die Posada von Manni,
die uns wärmstens empfohlen wurde. Als wir von der Tankstelle aus anrufen
wollten, haben uns die Männer von der Tankstelle sofort ihre Telefonkarte
zur Vefügung gestellt und sogar noch die Nummer für uns gewählt. Das ist
Hilfsbereitschaft à la Brasil.
Bei Manni konnten wir uns in den Garten stellen, den Swimmingpool benützen
und waren keine 100 Meter vom Strand entfernt. Die Kitebedingungen
waren einfach super, es hatte jeden Tag Wind zwischen 4 und 5 Windstärken,
Wassertemperatur an die 24°C und die Luft um die 30 Grad. Somit genügten
Shorts um warm genug auf dem Wasser zu haben, herrlich.
Die anderen Gäste waren alles angefressene Kiter, von Christian versuchte
Petr seinen coolen Stil abzukupfern und von Nadine und Reto erhielten wir
viele Tips über den Rest von Südamerika. Manni sorgte sich richtig rührend
um uns und als Esther einen Schnupfen aufgelesen hatte, kochte er ihr
gleich einen Tee. Wir waren eine Woche in Cumbuco, kommen eines morgens
nichtsahnend an den Strand und hören auf einmal ein "ja, was mached ihr
denn da???". Wir machen grosse Augen als wir Simone, die wir beide von
einigen J+S-Snowboardlagern kennen, am Strand sehen. Sie ist mit ihrem
Freund Marc für drei Wochen auf Kiteurlaub hier in Brasilien. Ach ist die
Welt doch klein.
Tja, so wurden aus der geplanten Woche, gleich drei Wochen und wir hätten
es noch locker länger ausgehalten, doch es gibt ja noch sooooo viel zu
sehen und an Weihnachten wollen wir ja in Patagonien sein.
Manni, nochmals herzlichen Dank für alles !!!
Schweren Herzens verabschiedeten wir uns und fuhren noch für ein paar Tage
rauf nach Paracuru, ein toller Kitespot, mit Flachwasser bei Ebbe.
Hier flitzt Esther schon richtig wild herum, halst ohne Wasserberührung
und Petr feilt an den einhändingen Sprüngen mit Rotation herum.
Nach diesem schönen Abschluss geht es mehr oder weniger
alles dem Strand entlang bis nach Canoa Quebrada. Zwischendurch machen wir
noch einen Kitestop an der Barra Nova, bei Flut eine kleine Lagune mit
absolutem Flachwasser und Petr ist der einzige auf dem Wasser, einfach
genial. Die Kitebedingungen in Canoa Quebrada waren leider nicht so
optimal, durch die hohen Klippen ist der Wind eher böig und die Welle
chaotisch. Wir können bei einem anderen Manni in seiner Posada stehen und
fahren nächstentags weiter dem Strand entlang bis nach Natal.
Die Stadt bietet ausser dem Fort herzlich wenig, wir nächtigen wieder mal
an einer Tankstelle und kommen am nächsten Tag zur Praia Pipa, wo es von
Delphinen wimmeln soll, die mit einem mitschwimmen. Wollten eigentlich nur
schnell mal den Strand anschauen, doch wir landen am Ende des Strandes in
einem kleinen Campingplatz und es ist so relaxed, dass wir zwei Nächte
bleiben. Dazu lernen wir noch Chiara und Andrej kennen, die uns mit Kuno
bekannt machen, der schon seit zwei Jahren in Praia Pipa lebt. Aus der
Einladung für den Caipirinha wird ein kompletter Tag mit Plaudern und
einem unvergesslichen Gassigang dem Strand entlang, bei dem uns Kunos vier
grosse Hunde über den Strand zerren. Praia Pipa ist gestossen voll, da
Brasiliens Unabhängigkeit gefeiert wird. Überall dröhnt es aus den
Lautsprechern und alle stehen cool herum und nippen an ihren Caipirinhas.
Weiter geht es nach Joao Pessoa, wo uns ein Kollege von Petr die Adresse
seines Kumpels Theo angegeben hat, den wir besuchen können. Wir kommen am
Abend an, doch nur die grossen Wachhunde melden sich lautstark. Doch wir
können gleich nebenan auf dem Parkplatz von Christoph übernachten, einem
Deutschen, der mit seinem Segelboot auf dem Weg nach Neuseeland war, doch
hier hängengeblieben ist und sich eine wunderschöne Posada aufgebaut hat.
Nächstentags sind wir schon auf dem nach Süden und stecken im
Verkehrsstau, als uns jemand anspricht. Es ist Theo's Frau. Die beiden
haben unseren Landy gesehen und uns verfolgt, so ein Zufall. Sie laden uns
zum Mittagessen ein und ob der entspannten Plauderei wird es schon so
spät, dass es sich nicht mehr lohnt weiterzufahren und wir können bei Theo
in seinem luxuriösen Appartement mit Blick auf Strand und Stadt bleiben.
Der Wind bläst, Strand vor der Haustür, also macht Petr noch einen kurzen
Ausflug mit dem Kite. Es ist Wahnsinn. In Europa ist man froh, wenn man
ein paar Strände findet, an denen es Wind hat und hier in Brasilien hat
man über 1'000km Küstenlinie mit idealsten Kite- und Windsurfbedingungen.
Go for it, Theo !!!
Weiter geht es nach Recife. Die Stadt ist riesig, hat einen pulsierenden
Altstadtkern, mit vielen Kolonialbauten und schönen Kirchen und an der
Strandpromenade stehen all die modernen Wolkenkratzer. Die Atmossphäre ist
entspannt und die Stadt gefällt uns gut. Der Strand ist schön, doch den
Haien gefällt es hier auch und es kommt immer wieder zu Angriffen auf
Menschen.
Olinda, gleich nebenan, ist ein UNESCO Weltkulturerbe und ist eine schöne
Altstadt auf dem Hügel. Doch kaum kommen wir in die Stadt rein, kommen
schon von überall her jugendliche Möchtegernführer angerannt und wollen
uns eine Stadtführung, Hotel, Restaurant etc. etc aufschwatzen. Als
Tüpfelchen auf dem i rennen sie uns noch hinterher und klettern von hinten
an der Leiter hoch. Da hilft nur noch die rabiate Methode: kurz
beschleunigen und wenn die Bengel fast an der Leiter dran sind, eine
Vollbremsung. Der dumpfe Ton von hinten und die sich Köpfe und Schienbeine
haltenden Kids, geben uns die Gewissheit, dass der Landy einen kürzeren
Bremsweg hatte als die Verfolger. Wir kurven ne knappe Stunde durch die Stadt und haben die
Nase voll. Nach langer, ergebnisloser Suche nach einem Schlafplatz, wollen
wir schon klein beigeben und in ein Stundenhotel gehen, doch wir passen
leider nicht durch die Einfart rein. Die Stundenhotels hier sind sehr
verbreitet, was in Anbetracht der engen Wohnverhältnisse und der
Mehrgenerationenhaushalte wenig erstaunt. Diese Hotels haben eine
Nachtpauschale von 8CHF für ein Doppelzimmer, für 2CHF Aufpreis gibt es
sogar noch ein Zimmer mit Whirlpool. Doch da wir leider nicht reinpassen,
suchen wir weiter und finden unterhalb des Sendeturms einen sicheren Platz
mit super Aussicht aufs hell beleuchtete Recife.
Die zweitägige Fahrt nach Salvador führt uns vorbei an wunderschönen
Küstenabschnitten und schmucken Kolonialstädtchen (Maceio und Penedo). An
der Praia Poxim haben wir einen Traumstrand als Übernachtungsplatz für uns
ganz allein. Wir fühlen uns richtig abenteuerlich, mussten wir doch
etliche Kilometer über eine Holperstrecke und am Schluss noch durch enges
Gebüsch zurücklegen. Doch am nächsten Morgen kriegt unser abenteuerliches
Ego einen groben Dämpfer, als wir feststellen, dass dieser Strand von der
anderen Seite locker mit einem PW anzufahren ist, tja.
Salvador war bis 1763 Hauptstadt von Brasilien, ist UNESCO Weltkulturerbe
und hat eine schön restaurierte koloniale Alsstadt. Der Staat Bahia
produzierte früher den gesamten Weltbedarf an Zucker. Dementsprechend
mussten viele Sklaven aus Angola, Nigeria und Senegal hierhin verfrachtet
werden. Als 1888 die Sklaverei für beendet erklärt wurde, haben sich viele
Schwarze hier niedergelassen, haben ihre Kultur und Bräuche hier aufleben
lassen und man fühlt sich zeitweise eher in Afrika als in Brasilien. Auf
der Strasse kann man Capoeira zuschauen, einem tänzerischen Kampfsport,
bei dem zwei Tänzer sich zu Getrommel und Gesang berührungslos bekämpfen.
Es gibt Candomblé Tempel, in denen die Menschen bei den Gottesdiensten in
Trance fallen und versuchen mit den Göttern Kontakt aufzunehmen und auf
der Strasse sitzen unzählige dicke, lächelnde Frauen, in weiss gekleidet
und verkaufen diverse Leckereien..Salvador ist die drittgrösste Stadt
Brasiliens und nach Rio die Touristenattraktion. Dementsprechend wird man
dauernd von irgenwelchen Strassenverkäufern angequatscht, die einem Ramsch
andrehen oder in ihre Läden locken wollen. Wir schlendern den ganzen Tag
durch die Stadt, besichtigen einige der 166 Kirchen, gehen an ein
Benefizkonzert, versuchen einen bahianischen Spezialitätenteller, von dem
wir beide noch zwei Tage später Dünnpfiff haben und gehen am Abend
erschöpft in den Yachthafen zurück, wo wir einen sicheren Standplatz
gefunden haben. Es war schön, doch ein wenig enttäuscht sind wir schon.
Wir haben uns die Altstadt besser erhalten vorgestellt und nicht gedacht,
dass es so nah am touristischen Zentrum, so abgefuckte Quartiere gibt, in
die wir uns selbst tagsüber nicht reintrauten.
Ein schöner Reiseabschnitt liegt hinter uns: Schöne Strände, Kiten und
koloniale Städte, garniert mit brasilianischer Freundlichkeit und
Lebensfreude.
Wir machen jetzt einen Abstecher nach Brasilia (1550km) und von dort
wieder raus an die Küste nach Rio (1100km). Wir sind gespannt wie es im
Hinterland aussieht und was für Erlebnisse auf uns warten.
Até logo P.S.: Kurz nach Salvador hatten wir einen
kapitalen Reifenschaden, doch davon im nächsten Reisebericht.
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