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Wir verlassen Salvador, es regnet, die Autobahn ist in gutem Zustand, kurz
mal aufs GPS geschaut und schon sind wir bei 110km/h über ein kleines
Metallstück gefahren, das sich so blöd in den Hinterreifen bohrt, dass die
Karkasse durchbrochen ist, Scheisse !!! Die Luft ist sofort raus, doch wir
bringen den Landy problemlos zum Stehen. Reifenwechsel bei Regen, was gibt
es Schöneres! In der nächsten Stadt können wir den Reifen zwar reparieren,
doch wir werden ihn fortan nur noch als Reservereifen für kurze Strecken
und tiefe Geschwindigkeiten benutzen. Schade, der Reifen hatte nur
11'000km drauf.
Die Strasse zur Chapada Diamantina ist streckenweise in völlig
desolatem Zustand. Kein Asphalt, tiefe Löcher und die uns
entgegenkommenden Lastwagen suchen sich slalomschlängelnd den besten Weg
durch diese Offroadpartien.
Die Chapada Diamantina ist ein Gebiet, das wie die Gran Sabana in
Venezuela, Teil der afrikanischen Platte war und damit zum ältesten
Gebirge der Welt gehört. Wir kraxeln zum Cachoeira da Fumaça, mit knappen
400 Metern, der höchste Wasserfall Brasiliens, doch er führt kein Wasser
und nur ein paar Tropfen stürzen sich in die Tiefe. Dafür ist die Aussicht
grandios.
Die nächsten zwei Tage Richtung Brasilia führen durch flaches, ödes
Weideland, die Strassenbewertung reicht von miserabel bis gut, wir spulen
die Kilometer runter und sind froh, als wir endlich die Lichter Brasilias
am Horizont leuchten sehen.
Brasilia wurde mitten im Nichts erbaut und hat 1960 Rio de Janeiro als
Hauptstadt Brasiliens abgelöst. Die Stadt ist ganz anders als alles bisher
gesehene. Sie ist grösszügig gestaltet, es hat viel Platz und Grünflächen
zwischen den Gebäuden. Die Regierungsgebäude wurden von Oscar Niemeyer
entworfen und bestechen durch ihre Leichtigkeit. Die Stadt ist in die
verschiedensten Bereiche wie Regierung, Banken, Botschaften, Einkaufen,
Wohnen, etc. eingeteilt. Sogar ein riesiger Campingplatz wurde eingeplant. Die Autogläubigkeit der 60'er erkennt man an den
breiten Boulevards, den vielen Parkiermöglichkeiten und zu guter Letzt dem
Autokino, das seinen festen Platz im Stadtplan hat.
Wir gehen beim Schweizer Konsulat vorbei, um die Adressen eines Zahnarztes
in Erfahrung zu bringen, da Esther ein Zahn, der schon in Mexiko repariert
wurde, schon wieder schmerzt. Frank, der Konsul, lädt uns spontan zum
Apéro und Nachtessen ein und wir lernen dort auch noch Herbert, den
Österreichischen Konsul kennen und können abwechslungsweise bei beiden
Familien übernachten. Herzlichsten Dank Frank und Herbert !!!
Die Zahnvisite verheisst nichts Gutes für Esther. Alle Plomben, die sie in
Mexiko hat machen lassen, sind verpfuscht und müssen raus, na Bravo. Bei
mir ist es nur eine Plombe und ein neues Loch. Während Esther die
Zahntortur über sich ergehen lassen muss, gehe ich mit Frank und Vicky
squashen. Es tut gut, mal wieder zu squashen, doch der Muskelkater hielt
fast eine Woche an. Zum Relaxen darf ich danach auf den Zahnarztstuhl.
Die nächsten Tage verbringen wir mit intensivem Sightseeing. Brasilia gefällt uns sehr gut. Die moderne Architektur und die grosszügige
Stadtplanung ziehen uns in ihren Bann.
Wir verlassen Brasilia und ziehen weiter nach Belo Horizonte. Die
Strassen sind diesmal in gutem Zustand und wir kommen entgegen allen
Erwartungen gut voran. Kurz vor Belo Horizonte besuchen wir noch die
Gruta Maquiné. Eine schön ausgeleuchtete Höhle, mit einigen grossen
Sälen.
Belo Horizonte ist ebenfalls auf dem Reissbrett entstanden, doch es hat
nichts von der grosszügigen Freiheit, wie sie in Brasilia herrscht. Dafür
hat es rundherum Berge und an diesen kleben architektonisch faszinierend
gestylte Villen.
In den Bergen südlich von Belo Horizonte hat es einige ehemalige
Goldgräberstädte, die ihren Reichtum in vielen Kirchen und schönen
kolonialen Gebäuden zur Schau stellen.
Wir besuchen Mariana und Ouro Preto und fühlen uns um
Jahrhunderte zurückversetzt. Die Gebäude sind gut erhalten und die Kirchen
protzen mit viel Blattgold. Es wäre ein Genuss durch die Gässchen zu
laufen, würde es nicht immer rauf und runter gehen. Der Besuch der Mina
da Passagem ist ein richtiges Abenteuer. Mit einem uralten Grubenwagen
werden wir die 45° steile Rampe in die Tiefe gelassen und fahren die
ersten 300 Meter unter die Erde. Dort unten eröffnet sich uns eine neue Welt.
Der ganze Berg ist ausgehöhlt und riesige Gewölbe kommen zum Vorschein.
Tiefer runter können wir nicht, da der Rest der Gruben schon geflutet ist,
doch es werden Tauchexpeditionen angeboten, um noch weiter zu gelangen.
Zum Abschluss der Führung sitzen wir wieder in den Grubenwagen und hoffen,
dass das Kabel hält.
Weiter geht es durch die ehemals kaiserliche Sommerresidenz Petropolis,
mit ihren schönen kolonialen Gebäuden und am Sonntag fahren wir endlich in Rio
de Janeiro ein.
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