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Ein paar Facts über Rio
6 Millionen Einwohner, wunderschön gelegen und von grünen Bergen umgeben,
weisse Sandstrände und klares türkises Wasser. Eine breite Palette an
Sportarten welche mitten in der Stadt praktiziert werden können: Beachvolleyball, -
fussball, -rugby, Biken, Klettern, Surfen, Kiten, Gleitschirmfliegen und
noch vieles mehr. Am Sonntag werden die Strandboulevards für den
Autoverkehr gesperrt und gehören den Bikern und Joggern. Doch auch
unter der Woche sind die Wege voll mit Joggern, Walkern und Radlern, die sich
fitten. Hinzu ist noch das Kulturangebot sehr vielfältig und sehr günstig. Doch wo es
Licht hat, hat es leider auch Schatten.
Die Stadt selber ist hässlich, viele kolonialen Bauten wurden abgerissen
und durch hässliche Wohnblöcke ersetzt, der Verkehr nie endend und jeder
Autofahrer hält sich für einen Rubens Barrichelo. Vor allem die Busfahrer
schaffen es, voll zu beschleunigen, alle Autos links zu überholen und dann
quer über alle drei Spuren wieder nach rechts zur Haltestelle zu drängeln
und damit locker den Verkehr zum Stillstand zu bringen. Es hat sehr viele
Obdachlose, die in den Strassen übernachten, doch niemanden
belästigen. Ungewöhnlich ist auch, dass viele Favelas (Armengebiete)
teilweise an den besten Wohnlagen sind und an die besseren Bezirke
grenzen. Die Copacabana ist nachts eher ausgestorben und wird
hauptsächlich von Nutten und Sextouristen frequentiert.
Die Clichévorstellung, dass hier an allen Ecken Samba getanzt wird, dass
hier die schönsten Frauen sein sollen, dass überall was los ist, konnten
wir in dieser Woche Rio definitiv begraben. Rio ist eine Grossstadt an
fantastischer Lage, aber keine Strandferiendestination. Da geht auf Ibiza
oder Mykonos definitiv mehr die Sau ab.
Momentan ist dafür das Wetter eher saumässig, es regnet, es ist 18°C und im
Winter kann das Thermometer bis auf 14°C sinken. Würde man nicht denken,
gelle!
So, nach diesen eher nüchternen Facts, nun zu unseren Erlebnissen:
Wir können die erste Nacht in der Marina Gloria übernachten und lernen
dort Paolo und Daniela kennen, die unseren Landy mustern. Die beiden haben
schon
Daniela und Tinu kennengelernt, die diesen März am Karneval in Rio waren. Paolo
organisiert für uns einen bewachten Parkplatz hinter einer Tankstelle,
beim Hotel Gloria. Die Romantik ist ein wenig eingeschränkt: Wir stehen
zwischen zwei lauten Schnellstrassen, können die Toilette vom Parkwächter
benutzen, geduscht wird in der Marina, doch der Platz ist sicher und wir
können unser Dachzelt aufgestellt lassen. Das ist doch auch etwas.
Wir latschen uns die Füsse wund, besichtigen (fast) alle touristischen
Highlights: Museen, Kulturzentren, Kirchen radeln herum und
schauen den Kitern und Surfern zu. Selber ins Wasser wollen wir nicht, es
ist viel zu kalt: jämmerliche 18°C. Wir sind jetzt vom Shorts-Kiten
verwöhnt und haben keinen Bock wieder den Neopren anzuziehen.
Am Abend zotteln wir in Ipanema oder Copacabana herum, doch es ist eher
ruhig, nur die Dirnen sind unterwegs, dafür schön anzuschauen. Einmal
machen wir Bekanntschaft mit drei kleinen Strassenjungs, die sich uns
nähern. Im Nu hat schon einer seine Hand in Petr's Hosentasche und bevor
er richtig weiss, was gelaufen ist, sind sie schon wieder weg. Zum Glück
hatte er nichts drin und seine Gürteltasche gut
festgehalten. Doch sonst haben wir keine unangenehmen Begegnungen,
benutzen auch abends die Autobusse und geniessen die Stadt. Leider spielt
das Wetter nicht so mit und wir haben vier Tage Regen und kaltes Wetter.
Neben der Stadtbesichtigung gilt es noch Papierkram zu erledigen: Wir
müssn die Aufenthaltsbewilligung für uns und den Landy verlängern lassen.
Der erste Versuch scheitert kläglich, da ich in
Shorts nicht einmal ins Gebäude gelassen werde, doch Esther darf locker
mit Shorts und Trägershirt an den Wachleuten vorbeilatschen, ja, ja, dass
nenn ich Gerechtigkeit. Dafür können wir schon mit dem Prozedere für den
Landy beginnen. Die nette Frau am Schalter bittet mich ins Büro rein, holt
das Formular vom Internet runter, hej hej, denke ich, sind ja super
organisiert, doch dann beginnt die Farce: Da das Formular irgendwie gesperrt ist,
muss zuerst eine Kollegin geholt werden. Die kopiert das Formular
umständlich in ein anderes Word-Dokument und beginnt es mit
Slowmotion-Einfingertechnik auszufüllen. Danach muss die Formatierung noch
angepasst werden und da doppelseitig ausdrucken ein Fremdwort zu sein
scheint, werden die beiden Blätter einzeln ausgedruckt und mittels
Bostitch zusammengepappt. Das ganze hat ganze zweieinhalb Stunden gedauert
und alle sind mächtig stolz auf sich, dass sie es so schnell geschafft
haben. Danach müssen wir noch zum Notar, um meine Unterschrift beglaubigen
zu lassen und dort kostet es mich einen Haufen Nerven, den Notar davon zu
überzeugen, dass mein amerikanisches Visum nichts mit dem Antrag zu tun
hat und daher nicht kopiert werden muss.
Am nächsten Tag können wir nach einer Stunde Schlange stehen bei der Bank,
den gewünschten Betrag einzahlen, die Verlängerung für uns abholen und das
Gesuch für den Landy abgeben. Am nächsten Tag als wir wieder zur Behörde
zurückkehren sind wir absolut baff, als das Gesuch schon fertig bearbeitet
vorliegt. So hatten wir wenigstens auch einmal die Gelegenheit mit der
brasilianischen Bürokratie in Kontakt zu kommen.
Am Samstag klart das Wetter endlich mal auf und wir können nach langer
Abstinenz wieder unsere Drahtesel vom Dach runternehmen, die Ketten
entrosten, einschmieren und los gehts. Weit kommen wir nicht, da Esthers
teurer Fünffrankenpneu, den wir in Vancouver gekauft hatten, von der
UV-Strahlung völlig spröd geworden ist und platzt. Irgendwie haben wir
immer Pech mit den Reifen. Wir fragen einen vorbeifahrenden Radler, wo wir
denn einen neuen Reifen kaufen könnten. Aber statt eine Beschreibung
abzugeben, radelt er gleich mit mir zum nächsten Laden. Toll, so
hilfsbereit sind eben die Brasilianer und wir werden versuchen, uns eine
Scheibe davon abzuschneiden. Nachdem Esther einen schicken, neuen Pneu
drauf hat, geht es weiter.
Die Fahrt führt uns an Rio's Stränden Copacabana, Ipanema, Leblon und wie
sie alle heissen, vorbei, rund um die Lagune und dann wieder zurück.
Locker mal 40km mitten in der Stadt geradelt. Daneben haben wir natürlich
immer wieder angehalten und den Bewohner Rio's, bei all ihren
Strandaktivitäten zugeschaut. Fantastisch, was man mitten in dieser
Grossstadt alles unternehmen kann.
Am Montagabend werden wir von Volkmar, dem Besitzer des excellenten
Restaurants Casa Suiça, zum Nachtessen eingeladen und geraten unverhofft in Rio's
diplomatische High Society. Dort lernen wir auch einige ausgewanderte
Österreicher kennen. Bei Robert können wir anschliessend ein paar Tage bleiben
und Willi überlässt uns seine Ferienwohnung in Buzios. Herzlichen Dank
Euch beiden!!!
Nach eineinhalb Wochen, heisst es Abschied zu nehmen von dieser
faszinierenden Stadt. Rio's Lage ist wirklich einmalig und wundeschön, das
Freizeit- und Kulturangebot riesig und es ist bisher eine der wenigen
Städte, in der wir es uns gut vorstellen könnten, eine Zeit lang zu leben.
Wir haben hier in Rio viele nette Menschen kennengelernt und müssen leider
von ihnen Abschied nehmen ohne zu wissen, ob man sich je wieder sehen
wird. Dies ist leider die bittere Seite des Reisens.
Hate logo Rio.
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