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Von Rio geht es für eine Woche rauf nach Buzios. Einerseits ein
Surf- und Windsurfmekka, andererseits eine Schickimicki Badedestination à
la Saint Tropez mit einem schmucken Fussgängerviertel, schönen Läden und
gediegenen Restaurants. Wir hängen in unserem Appartement herum (Willi,
nochmals herzlichen Dank), zmörgeln ausgiebig und glotzen DVD's bis tief
in die Nacht rein.
Knapp bevor wir viereckige Augen kriegen, ziehen wir der Küste entlang
weiter nach Saõ Paulo. Die Strasse windet sich entlang der zerklüfteten
Küste und bietet Blicke auf wunderschöne Strände auf der einen Seite der
Strasse und wilden Urwald auf der anderen Seite. Als visuellen Höhepunkt
haben die Planer in eine der schönsten Buchten ein Kernkraftwerk gesetzt.
Paraty ist ein schönes Kolonialstädtchen, das früher der Haupthafen
war, um das Gold das im 1000km entfernten Ouro Preto geschürft und mittels
Maultieren hierhin gebracht wurde, nach Europa zu bringen. Die
Maultierkolonnen brauchten für diese beschwerliche Strecke zwischen ein
bis drei Monate.
Auf der Fahrt von der Küste nach Saõ Paulo kommen wir durch ein
riesiges Industriegebiet mit rauchenden und stinkigen Schloten und der
fallende Regen versetzt uns so richtig in Endzeitstimmung. Diese Stimmung
wird nicht sonderlich aufgehellt, als wir in der Betonwüste der Vorstädte
herumgurken und das Stadtzentrum suchen. Zum Glück können wir an einer
Kreuzung von einem fliegenden Händler eine Stadtkarte kaufen und endlich
gezielt ins Zentrum steuern.
Hier können wir unseren Landy auf einem bewachten Parkplatz stehen lassen
und können auch gleich drin übernachten. Tags darauf setzen wir zum
Sigthseeing an und erkunden das Fussgängerzentrum, entdecken ein
progressives Shoppingcenter in dem diverse Plattenläden (vor allem
Heavy Metal) und Tattoo-und Piercingshops die ziemlich schräge Klientele
anlocken. Anschliessend schlendern wir der Avenida Paulista, der
Hauptstrasse Saõ Paulos, mit seinen modernen Bürotürmen entlang und durch
das schicke Einkaufs- und Restaurantviertel. Weiter geht es ins japanische
Viertel, wo wir uns mit Sushi, Wontong und anderen Leckereien eindecken.
Saõ Paulo hat mit über zwei Millionen Japanern, die grösste Kolonie
ausserhalb Japans.
Zusammenfassend können wir sagen, dass Saõ Paulo auf den ersten Blick eine
hässliche Grossstadt ist, doch auf den zweiten Blick entdeckt man schöne
Wohnquartiere, schicke Einkaufsläden und excellente internationale
Restauraunts und auf den dritten Blick ist man fasziniert von der
kulturellen Vielfalt und der multikulturellen Bevölkerung.
Zum Abschluss unseres Saõ Paulo Aufenthalts können wir noch einen Blick in
die Landroverfabrik werfen, wo die Defender für den brasilianischen Markt
produziert werden. Wir haben uns nicht angemeldet, sondern klopfen einfach
an der Fabriktüre an und fragen, ob wir eine Besichtigung machen können.
Klaro, kein Problem, ist die Antwort und wir werden durch die kleine
Fabrik geführt. Das Material wird von England importiert und pro Woche
werden in gemütlichem Tempo drei Fahrzeuge montiert.
Nach Durchfahrt durch etliche Vorstädte verlassen wir die 20 Millionen
Metropole mit Kurs auf Süden. Auf der Strecke nach Curitiba machen wir
noch einen Abstecher in die Caverna de Diabo und sind absolut
hingerissen. Ein solch faszinierende Tropfssteinhöhle haben wir bisher
noch nie gesehen. Mehrere riesige Räume mit extrem langen Stalagmiten,
einfach unglaublich!!!
Curitiba hat scheinbar die höchste Lebensqualität in ganz
Südamerika und es ist wirklich sehr sauber und wirkt sehr sicher. Was uns
dazu verleitet, unseren Landy am Abend unbewacht auf der Strasse stehen zu
lassen und für eine Stunde ins Internet zu gehen. Als wir zurückkommen und
den Schlüssel ins Schloss stecken, passt er nicht rein und siehe da, die
Türe ist offen. Verdattert schauen wir ins Auto rein, doch nichts fehlt.
Offensichtlich hat jemand das Schloss aufgebrochen, doch als er die Türe
öffnen wollte, wurde er von der Alarmanlage verscheucht. Da haben wir ein
Riesendussel gehabt, können aber das Schloss auf der Fahrerseite nicht
mehr benutzen. Ansonsten haben wir Curitiba schnell gesehen:
Aussichtsturm, Fussgängerzone und das moderne Museum von Oscar Niemeyer.
Wir übernachten in einem ruhigen Wohnquartier im Auto und nächstentags
geht es weiter nach Blumenau.
Blumenau wurde 1859 von deutschen Einwanderern gegründet und feiert
jedes Jahr ein Oktoberfest, das dem Müncher Original in nichts nachstehen
soll. Auf der Suche nach einem Camping, werden wir von einem
deutschsprechenden Polizist auf den Campingplatz gelotst und die Reparatur
des Schlosses in der Fahrertüre können wir auch in deutsch absolvieren.
Hier laufen auch viele blonde Frauen und Männer herum und Petr fällt gar
nicht gross auf.
Die Stimmung in der Nacht ist ausgelassen, es gibt einen 1-Liter-Bier
Saufwettbewerb, wobei die Siegerin 22 Sekunden und der Sieger 8 Sekunden
benötigen, um das Bier runterzuschütten. Aus "Anton aus Tirol" wird
"Alemaõ aus Blumenau" und die Menge johlt voll mit. Das Bier wird zwar nur
in Plastikbechern ausgeschenkt, dafür gibt es ein deutsches Buffet mit
Eisbein, Kartoffelsalat und Sauerkraut.
Weiter geht es nach Pomerode, einem kleinem Städtchen das 1861
ebenfalls von Deutschen gegründet wurde und in dem noch unzählige
Fachwerkhäuser mit wunderschön herausgeputzten Vorgärten und den
dazugehörigen Gartenzwergen stehen.
Die 600 km nach Foz de Iguacu sind kurzweilig und führen durch
hügelige Landschaft, die intensiv bewirtschaftet wird. Als wir am Abend in
die Stadt reinkommen, öffnet der Himmel seine Pforten und wir müssen für
einige Minuten bei der Tankstelle stoppen, da wir uns wie unter Wasser
fühlen und nichts sehen. Tags darauf ist das Wetter immer noch besch....
und wir machen ein gemütlichen Ruhetag in der Jugendherberge. Am Montag
haben wir endlich Sonnenschein und absolvieren zuerst die Führung zum
Itaipu-Staudamm. Hier steht das grösste Wasserkraftwerk der Welt mit
einer Leistung von 14 Gigawatt. Der Staudamm ist 200 Meter hoch und 2km
breit und 18 Generatoren mit je 780kW liefern die Energie. Mit dem Tourbus
fahren wir unten an der Staumauer vorbei und danach über diese wieder
zurück. Ein gewaltiger Anblick!
Wir nutzen das gute Wetter und besichtigen anschliessend die Iguazu
Wasserfälle von der brasilianischen Seite. Von hier haben wir einen
guten Überblick und können uns auf einer der Plattformen in die Gischt des
Wasserfalls stellen und uns durchnässen lassen.
Nächstentags fahren wir auf die argentinische Seite rüber. An der
Grenze wollen sie uns zuerst nicht reinlassen, weil wir vorne kein
Nummernschild haben. Zur Erklärung: Damit die Schilder nicht abmonitert
werden, fahren wir seit zwei Jahren vorne ohne Nummernschild herum
und das hintere ist hinter der Heckscheibe aufgeklebt und vom Reserverad
so gut abgedeckt, dass man es fast nicht sieht. Bisher hatten wir keine
Probleme damit, doch der hiesige Zöllner lässt uns erst rein, als wir ihm
hoch und heilig versprechen, wenn wir definitiv nach Argentinien
einreisen, ein Schild vorne zu montieren. Mal schauen. Ansonsten geht die
Aus- und Einreise problemlos und schon sind wir in Argentinien.
Von der argentinischen Seite her kommt man auf Stegen viel näher an die
Wasserfälle ran und steht vor den donnernden Wassermassen die sich in die
Tiefe stürzen. Wir sind überwältigt und laufen von Aussichtspunkt zu
Aussichtspunkt und lassen dieses einmalige Naturschauspiel auf uns
einwirken. Als Höhepunkt haben wir die Garganta de Diablo zum Schluss
aufgespart. Mit einem langen Steg gelangt man bis an den Wasserfall und
wird Zeuge wie sich das Wasser explosionsartig über die Kante ergiesst.
Fast eine Stunde stehen wir auf der Plattform und können uns nicht
hinreissen wegzugehen.
Am nächsten Tag geht es zum Shopping nach Paraquay rüber. Ciudad
del Este ist eine Zollfreizone und man kriegt die neueste Elektronik zu
einem Spottpreis und die Auswahl ist riesig. Ein Beispiel: Von Guatemala
bis Brasilien haben wir keine Unterwassergehäuse für Digitalkameras
gesehen und hier gibt es Geschäfte, die für fast alle Kameras Gehäuse im
Schaufenster haben !!! Die Stadt selber ist dreckig und wir sind froh als
wir wieder ins saubere Brasilien zurückkommen.
Nach dem Iguacu-Abstecher geht es wieder zurück an die Küste. Wir nehmen
die südlichere Route durch Santa Catharina und machen noch einen kleinen
Umweg über Treze Tilias (Dreizehnlinden). Ein kleines Dorf, das
1933 von Einwanderern aus Tirol gegründet wurde. In der Tat fühlen wir uns
in unser östliches Nachbarland versetzt und gönnen uns eine hausgemachte
Portion Gulasch, mit Semmelspeckknödel und Sauerkraut und als krönenden
Abschluss noch Strudel mit handgeschlagenem Rahm. Welch Schlemmerei für
insgesamt nur 10 Fränkli !!!
Die Fahrt der Küste entlang führt durch hügelige Landschaft, die von
Familienbetrieben bewirtschaftet wird und wir fühlen uns wie zu Hause im
Fricktal, nur ist dieses Tal hier 500km lang und weniger dicht besiedelt.
Spät abends kommen wir in Florianopolis an und können bei Carolina
und Peter, die hier die Racletterie Suisse betreiben, übernachten und
schlagen uns nächstentags zusammen mit Nicole und Jörg, die wir in Iguacu
kennengelernt haben, die Bäuche mit exquisitem Raclette voll.
Die Isla Catharina hat über fünfzig Strände, von denen viele zum
Surfen und Kiten geeignet sind. Doch das Wasser ist soooo kalt, dass uns
die Lust am Kiten vergeht. Es ist schon ein Krux, wenn man so verwöhnt ist
vom warmen Wasser, will man gar nicht mehr in den Neopren steigen.
Das wär's mal wieder von uns, sind immer noch gesund und munter, haben die
zwischendurch aufgetretene Reisemüdigkeit mit munterem Gekeife besiegt und
freuen uns wieder auf neue Erlebnisse.
Ciao, ciao a todos
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