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Die Einreise nach Uruguay war in 10 Minuten erledigt und schon waren wir
drin im Ländle, das dreimal so gross wie die Schweiz ist, aber nur die
Hälfte der Bevölkerung hat.
Wir hatten keine fixe Vorstellung, was uns in Uruguay erwarten sollte,
doch es war absolut anders als wir es uns je vorgestellt hätten.
Im Fischerdorf Punta del Diablo fühlen wir uns nach Norddeutschland
oder in die Bretagne versetzt. Kleine Häuschen mit dicken Schilfdächern
gruppieren sich wild gestreut um die Bucht. Fischer kommen mit ihren
kleinen Booten rein und Surfer in dicken Anzügen versuchen die Wellen
abzureiten. Die Atmosspäre ist absolut friedlich, die Häuser sind im
Gegensatz zu Venezuela oder Brasilien von keinem dicken Zaun umgeben,
sondern haben einen gepflegten Vorgarten und die Fenster sind nicht
vergittert, was einem ein angenehm sicheres Gefühl gibt.
Punta del Este, dem angeblich teuersten und exklusivsten Badeort
von ganz Südamerika, statten wir nur einen kurzen Besuch ab, da
Nebensaison ist und ziemlich tote Hose herrscht. Doch auch hier stehen die
Prunkvillen ohne schützenden Zaun in ihren Riesengärten. Wir haben gar
nicht gewusst, was das Fehlen von dicken Zäunen und vergitterten Fenstern
für ein Wohlbefinden auslösen kann.
An der Punta Ballena könnte man Wale beobachten, doch die zwei,
drei Exemplare, die sich dieses Jahr hierhin verirrt haben, wurden das
letzte Mal vor drei Wochen gesichtet. Also müssen wir uns noch ein wenig
gedulden, bis wir an der Peninsula Valdez die ersten Wale zu Gesicht
bekommen. Dafür hat der Künstler Carlos Vilaro hier sein Atelier
vergrössert und vergrössert und es ist jetzt eine interessante Mischung
aus Apparthotel, Galerie und Atelier entstanden. Seine Werke erinnern an
eine Mischung aus Picasso und Gaudi, doch sind nicht gerade unser Geschmack.
In Montevideo bleiben wir ganze zwei Tage, schlendern herum, die
Sehenswürdigkeiten sind rar gesäht, das Wetter kalt (14°C) und regnerisch.
Daher stopfen wir uns mal im Mercado del Puerto mit einem typischen
uruguyanischen Asado den Magen voll und machen danach voll auf kulturell
mit einer Kinonacht mit Michael Moore's Fahrenheit 9/11 und
Natalie X mit Depardieu und der Béart. Tut gut, mal wieder einen
französischen Film zu Gesicht zu kriegen.
Beim Verlassen der Stadt, stoppen wir noch kurz im Weingebiet, um noch ein
paar Weine zu verköstigen und fahren danach weiter nach Nueva Helvecia.
Diese Schweizer Kolonie wurde 1862 gegründet, doch heute ist ausser den
Kantonswappen an einigen Häusern und den Busstationen nicht mehr viel
Schweizerisches zu entdecken. Bei der weiteren Suche nach jemandem, der
doch noch Schweizerdeutsch spricht, werden wir an die Käseproduzentenfamilie Howald
verwiesen. Wir fahren hin und klopfen an der Türe. Frau Howald öffnet die Tür und nach
kurzer Erklärung wer wir sind und was wir machen, bittet sie uns zu einem
Tee rein. Nach einer netten Plauderei meint Frau Howald, wir könnten doch
bei ihr im Haus übernachten. Sie wohnt in einer wunderschönen Villa im
toskanischen Stil und zum Abendessen kommt noch ihr Sohn mit seiner Gattin
hinzu, was eine gesellige Runde ergibt.
Tags darauf hat der Älteste der Howald Söhne Geburtstag und wir
werden gleich noch zum Geburtstagsbrunch eingeladen. Die Gespräche sind
sehr interessant und wir erfahren viel über das Leben hier in Uruguay.
Liebe Ilse, herzlichen Dank für die Gastfreundschaft !!!
Wir verlassen Nueva Helvecia, glücklich, doch noch Schweizer getroffen zu
haben und fahren weiter nach Colonia del Sacramento. Hier werden
wir von Wolfgang, einem Kollegen der Howalds willkommen geheissen, er
zeigt uns die Stadt und am Abend gibt es ein richtiges Asado. Muchas
Gracias Wolfgang und Vanessa !!!
Ja, das war's denn schon,
eine knappe Woche Uruguay liegt hinter uns. Wir lernten die Freundlichkeit
und Sicherheit dieses, für südamerikanische Verhältnisse, kleinen und ein
wenig anderes Landes schätzen. Nicht umsonst nennt es sich auch Schweiz
Südamerikas. Weiter geht's nach Buenos Aires.
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