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Der Grenzübertritt von Uruguay nach Argentinien geht wie geschmiert über
die Bühne und nach einer knappen halben Stunde sind wir im Land. Als
erstes sehen wir das Schild, dass die Malvinas (Falkland Inseln) zu
Argentinien gehören. Tja, ob da die Engländer damit einverstanden sind ?
Lustig wird es, als wir auf der Autobahn Richtung Buenos Aires unterwegs
sind und an die erste Zahlstelle kommen. Wir haben noch keine
argentinischen Pesos gewechselt und uruguayanische werden nicht
akzeptiert. Der Kassier seufzt nur und lässt uns durchfahren, Glück
gehabt. Bei der zweiten Zahlstelle helfen uns ein paar Motorradfahrer mit
zwei Pesos aus und wir übernachten erst einmal vor den Toren von Buenos
Aires an einer Tankstelle.
Am folgenden Tag, fahren wir, wie bei allen grossen Städten, zuerst mal
zum Yachthafen, um die Schlafmöglichkeiten auszuloten und haben wieder mal
Glück. Der Parkplatz vom Yachthafen ist bewacht und übernachten möglich.
Weiter geht es auf die Suche nach einer Landrovergarage um den 120'000km
Service durchzuführen, womit schon mal die Aktivitäten für die nächsten
drei Tage umrissen wären. Petr schaut dem Mechaniker auf die Finger, dass
er alles richtig auseinander und dann wieder richtig zusammenbaut und
Esther sitzt im Büro, schreibt am Tagebuch und liest. Doch dazwischen
machen wir auf aussergewöhnliche Art, sehr nette Bekanntschaften:
Die Nacht vor dem Service übernachten wir in einem kleinen Hafen, nahe bei
der Werkstatt und kurz darauf kommt Justo, der Besitzer der nahegelegenen
Kneipe vorbei und wir kommen ins Gespräch. Kurzum lädt er uns ein und bei
einigen Gläschen Wein und Whisky erfahren wir einiges über das Land, die
Wirtschaftskrise, Regierung und so weiter und so fort. Am nächsten Abend
entschliessen wir uns zum 15 km ausserhalb der Stadt liegenden Camping zu
fahren, um mal wieder warm duschen zu können. Wegen der Rushhour brauchen
wir für die Strecke fast eineinhalb Stunden. Es ist am Eindunkeln, die
Gegend nicht mehr die Beste und die Passanten haben keine Ahnung von einem
Camping. Als wir die Polizei fragen, die von einem Camping ebenfalls noch
nie was gehört hat, kommt ein Passant hinzu und fragt uns was wir denn
suchen. Wir erklären ihm unser Anliegen und er meint, dass der Camping in
einem ziemlich gefährlichen Quartier liege, doch wir könnten bei ihm
übernachten. Glücklich nehmen wir das Angebot an und beim Nachtessen
erfahren wir von Roberto mehr über die politische und ökonomische
Situation. Da seine Gattin Lehrerin ist, können wir Tags darauf ihrer
Schule einen Schulbesuch abstatten, was natürlich sehr interessant ist.
Die Schule ist in einem eher ärmeren Quartier und mit Erstaunen erfahren
wir, mit wieviel persönlichem Einsatz die Lehrerschaft unterrichtet und
mit welchen Problemen sie zu kämpfen hat. So stellt die Regierung fast
kein Geld zur Verfügung und die Lehrer müssen Lehrmittel selber erfinden,
Papier für Kopien organisieren, etc. Die Eltern haben kein Geld um den
Kindern Bücher, Stifte oder sogar Papier zu kaufen und häufig kommen die
Schüler ohne Frühstück zur Schule und schlafen dann während des
Unterrichts ein.
Nach diesem Exkurs geht es wieder zurück an den Landy und zum Mittagessen
werden wir von Justo, dem Kneipenbesitzer, zu einem köstlichen Assado
eingeladen.
Am letzten Tag des Service werden wir von Augusto, einem
Werbefilmregisseur, der seinen Landy auch in der Werkstatt hat, zum
samstäglichen Assado eingeladen.
Dachten wir, dass die Gastfreundschaft der Brasilianer nicht mehr zu
überbieten sei, werden wir hier eines Besseren belehrt.
Nachdem unser Landy aus der Werkstatt raus ist, können wir uns endlich dem
Sigthseeing widmen.
Buenos Aires gefällt uns auf Anhieb und man hat das Gefühl in Rom oder
Paris zu sein. Es hat breite Avenidas, die von wunderschönen Belle Epoche
Häusern gesäumt sind, unzählige kleine Cafés und Restaurants, die Tag und
Nacht gut besetzt sind, zwei lebendige Einkauf- und Kinostrassen, die nur
Fussgängern vorbehalten sind und überall schöne Läden, mit geschmackvoll
gestalteten Auslagen. Im alten Hafen ist ein neues chices Stadtviertel
entstanden, das mit seinen exklusiven Restaurants und seiner tollen Sicht
auf die Skyline Einheimische wie Touristen anlockt.
Am Sonntag können wir im Yachthafen einen Blick auf die Segelyachten der
GlobalChallenge2004 Regatta werfen. Bei dieser Regatta, die mit 12
identischen Booten durchgeführt wird, können sich Landratten, die keine
Ahnung vom Segeln haben, aber Regattaluft schnuppern wollen für 60'000 CHF
einkaufen und können in 10 Monaten, rund um die Welt fahren. Dies hat
nichts mit gemütlicher Dümpelei zu tun, sondern harte Arbeit und Plackerei
ist angesagt und mit den anderen 17 Teilnehmern auf engstem Raum
auszukommen erfordert auch einiges. Da sind wir doch froh, dass wir zu
zweit unser Tempo selber einteilen können und ein bisschen mehr an
Privatsphäre haben.
So schlendern wir weiter durch den Stadteil San Telmo mit seinen
wunderschönen alten Häusern und lassen das Getümmel, die Livemusik und den
Tango, der auf den Strassen getanzt wird, auf uns wirken.
Tags darauf besuchen wir die Oper, besichtigen den riesigen Friedhof und
latschen durch das noble Quartier Recoletta mit Armani, Gucci und anderen
schicken Läden.
Am Dienstag wollen wir die Stadt verlassen, doch wir müssen nochmals die
Bremsen entlüften lassen, eine gute Karte Argetiniens kaufen und treffen
uns noch zum Mittagessen mit Gabriel, den wir in Rio de Janeiro getroffen
haben. Somit ist der Tag gelaufen, wir fahren in den Hafen zurück,
parkieren dort, spazieren noch ein wenig in der Stadt herum und am Abend
können wir uns für zwei Fränkli zwei Kinofilme reinziehen. Selbst um
Mitternacht, als wir wieder zum Hafen zurücklaufen, hat es noch Menschen,
die herumflanieren oder noch in den Cafés herumsitzen. Etwas, was wir in
den anderen lateinamerikanischen Städten bisher noch nie erlebt haben und
wir sehr geniessen.
Die zehn Tage in Buenos Aires sind wie im Nu vergangen und es hat uns
super gefallen, hasta luego !!!
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