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Nachdem wir endlich aus Buenos Aires rausgekommen sind, machen wir Halt in
Azul, wo uns Matias, ein Motorradfahrer, dem wir im Juli auf der Strasse
in Venezuela begegnet sind, zu sich nach Hause einlädt. Es gibt ein
Willkommensasado und natürlich viel zu erzählen, ist er doch von
Argentinien in nur fünf Monaten an die kanadische Grenze rauf gerotzt.
Von hier geht es weiter auf die Farm seiner Eltern, wo wir ins richtige
argentinische Rancherleben eingeweiht werden. Die Farm ist 5500 Hektar
gross, es weiden an die 6'000 Rindviecher herum und wir machen uns mit
Matias auf, um alles zu kontrollieren. Esther sitzt bei Matias auf den
Quad und Petr kann endlich mal wieder auf ein Motorrad sitzen und kriegt
eine XR400 verpasst. Yepeeee, los geht's. Über Hügel rauf und runter geht
es, der Zaun wird kontrolliert und Mati schaut ob alle Viecher genug zum
Fressen haben. Es ist schon ein unglaubliches Gefühl, als wir nach einigen
strapaziösen Wasserdurchfahrten und Schräghangpassagen auf einer Anhöhe
sitzen und uns Matias mit weit ausgestrecktem Zeigefinger die Hügelkette
am Horizont zeigt, wo seine Ranch endet. Hügel, Gras, Rinder und
dazwischen keine Menschenseele. Dies kann sich ein Mitteleuropäer gar
nicht vorstellen, dass so viel Land weder bebaut noch kultiviert wird. Wir
bleiben einige Tage, geniessen die Gastfreundschaft und ziehen weiter zur
Peninsula Valdes, wo gerade Walbeobachtungssaison endet.
Die Strecke dahin ist schon mal ein Vorgeschmack darauf, was uns auf dem
Weg nach Feuerland noch erwarten soll. Schnurgerade Strasse durch
topfebenes Gelände ohne Abwechslung und Highlights.
Wir kommen in Puerto Madryn an, dem Ausgangspunkt zur Peninsula Valdes und
lernen hier Inge und Guy aus Belgien kennen, die mit ihrem 84'er Toyota
Landcruiser in Südamerika unterwegs sind. Die beiden sind ausserdem auch
angefressene Biker und Motorradfahrer und so ergibt sich schnell mal eine
gute Gesprächbasis.
Das Wetter ist endlich mal wieder sonnig und warm und wir müssen unsere
schon tief in der Kleiderkiste eingemotteten Shorts hervorkramen.
Tags darauf fahren wir zur Halbinsel raus, lassen uns in Porto Pyramides
im Camping nieder und gehen Infos holen über die verschiedensten
Walbeobachtungstouren.
Hier ein paar Informationen zu den Walen: Die hier in der Bucht
anzufindenden Bartenwale kommen zur Paarungszeit hierhin und gebären ihre
Jungen hier. Sie werden bis zu 16 Meter lang, bis zu 30 Tonnen schwer und
ernähren sich nur von Plankton. Mitte Dezember ziehen die Wale dann
weiter.
Nachdem wir genug wissen, entschliessen wir uns für die zwar teurere, aber
dafür doppelt so lange Sunsettour. Um 18:00 sind wir im Büro der
Gesellschaft, kriegen eine fesche, orange Schwimmweste verpasst und
zotteln mit den anderen 20 Touris zum Boot. Dies ist wohlgemerkt eine der
kleineren Touren. Die anderen Anbieter gurken mit 50-70 plätzigen Booten
zu den Walen raus. Dadurch, dass wir ein kleines und schnelles Boot haben,
können wir weiter raus fahren, wo sich die Wale normalerweise zum Ende der
Saison ansammeln. Um diese Jahreszeit sind die Walkühe mit ihren Jungen in
der Bucht unterwegs und bereiten sie auf den weiten Weg nach Südafrika
vor. Nach zwanzig Minuten sehen wir das erste Mal eine Bartenwalmutter mit
ihrem "Kleinen". Der Bootsführer stellt den Motor ab und wir können
zuschauen, wie die Mutter mit ihrem Kleinen herumdümpelt. Am Horizont
sehen wir immer wieder die typischen Ausblasnebel der Wale und fahren
weiter zur nächsten Gruppe. Hier sehen wir eine Mutter mit einem
Albinojungen und eine weitere liebkost ihr Kleines auf dem Rücken liegend.
Weiter geht es zum Rand der Bucht, wo wir eine Walkuh antreffen, die sehr
neugierig ist und sich hautnah ans Boot rantraut. Immer wieder hebt sie
den riesigen Kopf aus dem Wasser und versucht uns zu beäugen. Petr kann
das neu erstandene Unterwassergehäuse ausprobieren und schiesst vom Boot
aus einige Unterwasseraufnahmen. Der Blitz scheint der Walmutter zu
gefallen und immer wieder kommt sie ganz nah ran, um herauszufinden was denn
da wohl los ist. Sie ist so nah, dass wir den nach Fisch stinkenden Atem
mitten ins Gesicht kriegen. Was für ein Erlebnis !!!
Wir werfen wieder den Motor an und sichten eine Mutter, die ihrem Kleinen
das Klatschen mit der Schwanzflosse aufs Wasser beibringt. Zuerst patscht
die Mutter aufs Wasser und dann das Kleine, so richtig süss, denen beim
Unterricht zuzuschauen. Als absoluten Höhepunkt können
wir einer Walmutter zuschauen, wie sie mit ihrem Kleinen aus dem Wasser
springt. Das Kleine wird so übermütig, dass es nur einige Meter von uns
entfernt aus dem Wasser schiesst und neben uns ins Wasser klatscht, ein
eindrückliches Erlebnis! Wir geniessen den Sonnenuntergang auf dem Boot
und düsen zurück.
Am folgenden Tag ist wieder mal Arbeit angesagt, der Autoradio muss mal
wieder entstaubt, das Auto geputzt und das Zelt wieder
einmal imprägniert werden. Da es hier in Südamerika die
Imprägnierungsmittel nur in kleinen Spraydosen gibt, versuchen wir das
Rezept, das uns ein Mitarbeiter in einem Campingladen in Buenos Aires
gibt. Wir lösen Wachs im Wasserbad auf, verdünnen das ganze mit Terpentin und streichen die Lösung aufs Zelt. Das ganze ist ne ziemlich
stinkige Sache, doch das Rezept scheint zu funktionieren, Wasser perlt
wieder wunderbar ab. Weitere Infos werden folgen, ob das Zelt nun wirklich
wasserdicht ist.
Nachdem die Pflicht erfüllt ist, düsen wir noch zu den Seeelefanten und
den Seelöwen nach Punta Norte. Dort kann man im Januar auch das seltene
Schauspiel erleben, wie sich Orcas an den Strand spülen lassen um ein
Seelöwenjungen zu schnappen und dann wieder in den Fluten zu versinken.
Diese Fähigkeit zu jagen, haben nur die etwa 30 Orcas, die hier in
Nordpatagonien herumziehen.
Zurück geht es an die Punta Pardelas, wo wir wild campen können und die
Wale am Morgen früh schon aus dem Dachzelt heraus beobachten können. In
der Bucht tummeln sich einige Walmütter mit ihrem Jungen und da
entschliesst sich Petr wieder mal unser Schlauchboot auszupacken und
wieder auf Walbeobachtungstour zu gehen. Er paddelt ganz nah an eine
Walmutter mit Jungen ran, doch die scheinen sich ziemlich wenig für ein
kleines Schlauchboot zu interessieren. Erst als ein grosses Boot
herankommt, werden die beiden neugierig und beginnen das grosse Boot zu
beäugen und Petr sitzt keine 10 Meter davon entfernt in seinem kleinem
gelben Böötli.
Nach einer Woche Valdes haben wir noch einen Abstecher nach Punta Loma um
die grosse Seelöwenkolonie anzuschauen und verlassen morgen Puerto Madryn
Richtung Süden.
Ushuaia, wir kommen !!!
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