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Nach den tollen Erlebnissen, die wir mit den Walen hatten, ging es zu
einem weiteren animalischen Höhepunkt: zur Magellanpinguin Kolonie in
Punta Tombo. Hier leben an die 300'000 dieser kleinen Tierchen,
watscheln herum, fischen, spielen im Wasser und wir können uns völlig frei
zwischen ihnen bewegen. Die Tiere haben keine Angst vor Menschen und
glotzen uns mit einer Mischung aus Neugier und Argwohn an. Doch das Beste
ist, dass die Viecher ein ohrenbetäubendes Geschrei veranstalten. Und das
Tag und Nacht. Neuankommende Autos werden von den Pinguinen sofort
gründlich inspiziert und gleich versuchen einige sich einen netten
Nistplatz unter unserem Landy zu bauen. Beim Abfahren muss dann der
Parkranger kommen und die Tiere, die ein Riesengezetter ablassen, unter
dem Auto hervorholen.
Wir machen einen kleinen Zwischenstop im paläontologischen Museum in
Trelew, das weltweit eine der grössten Sammlungen an
Dinosaurierskeletten besitzt. Fasziniert schauen wir diese Riesen an und
sind froh, dass sie nicht mehr lebendig herumrennen.
Gaiman, soll gemäss Reiseführer ein schönes Städtchen sein, das von
ausgewanderten Walisern gegründet worden ist. Na, ja, irgendwie haben wir
den Reiz nicht so recht entdeckt und machen uns nun an die erste
Durchquerung Argentiniens auf der Ruta 25. Eigentlich haben wir eintönige
Pampa erwartet, doch werden wir von einer faszinierenden Wüstenlandschaft
verzaubert und wähnen uns eher irgendwo in Arizona oder Utah.
Weiter geht es Richtung Süden auf der Ruta 40. Bald endet der Asphalt und
der Schotter beginnt, der für die nächsten 1'500km unsere Unterlage sein
soll. Wir übernachten am Lago Buenos Aires. Es ist wunderschön warm
und windstill und wir geniessen den Sonnenuntergang. Doch um ein Uhr in
der Frühe werden wir erbarmungslos von der patagonischen Realität
eingeholt. Der Wind ballert mit böigen 6-8 Windstärken über den See und
lässt uns im Dachzelt hin- und herschaukeln. Das Zeltgestänge hat keine
Probleme mit dem Wind, doch das Tuch flattert herum und wir versuchen mit
Ohrstöpseln noch ein wenig Ruhe zu finden.
Gerädert fahren wir weiter zur Cueva de las Manos, wo wir in einem
abgelegenen Flusstal 10'000 Jahre alte Felszeichnungen bestaunen können.
Neben Jagdszenen, sind viele Hände (jaaaa, daher der Name!!!) in
verschiedenen Farben abgebildet. Echt faszinierend!
Weiter geht es nunmehr durch eher langweilige Pampa zum Abzweiger zum
Perito Moreno Nationalpark. 100km schottrige Stichstrasse führen uns
zum abgelegensten Nationalpark Argentiniens. Im Park selber fühlt man sich
wirklich am Ende der Welt: Ein paar Ranger, zwei Schafzüchter, hunderte
von Guanacos, ein paar Kondore und rundherum nur Berge und Seen. Leider
hat es nur wenige Wandermöglichkeiten. Daher erklimmen wir nur einen
kleinen Berg, geniessen die wunderschöne Rundumsicht und trotzen dem
stürmischen Wind. Eher enttäuscht fahren wir wieder zur Hauptstrasse
zurück und von dort weiter nach El Chalten. Die Schotterstrasse ist
grösstenteils in passablem Zustand und wir können mit 80 Sachen
drüberhobeln. Der Spurwechsel hingegen ist nicht immer einfach zu
bewerkstelligen, da richtige Schotterwülste zu überqueren sind.
Wir kommen in El Chalten an, dem Ausgangsort für Wanderungen zum
Cerro Torre und Fitz Roy. Auf dem Campingplatz hat es schon
andere Reisende aus Europa, die mit Auto, Motorrad oder Fahrrad unterwegs
sind und die auch auf gutes Wetter hoffen, um ein paar Blicke auf die
imposanten Felsspitzen zu erhaschen.
Da wir immer noch Muskelkater haben von unserer letzten Wanderung (was
sind wir doch für Weicheier geworden !!!) machen wir einen Autoausflug zum
Lago Desierto. Ein schöner Bergsee, ein paar Gletscher rundherum,
ein kleiner Spaziergang und wir fahren zufrieden mit unserem Tagewerk in
den Camping zurück.
Tags darauf gilt es ernst und wir latschen zur Laguna Cerro Torre rauf.
Die Wanderung ist nichts Besonderes, der Cerro Torre in Wolken, doch dafür
bläst uns der Wind fast wieder den Hang hinunter. Wir spielen mit dem Wind
herum und bemitleiden all die Wanderer, die hier oben ihr Zelt aufschlagen
müssen.
Die nächsten zwei Tage regnet es und wir verbringen diese Weihnachtsmails
schreibend in einem warmen Restaurant. Dort treffen wir auf eine 6-köpfige
Schweizer Expedition, die sich aufmacht, den Fitz Roy zu bezwingen, toi
toi toi!
Am nächsten Morgen ist uns das Wetter hold und wir können sogar den Cerro
Torre sehen, der sich normalerweise immer in Wolken hüllt. Wir brechen zur
Laguna de los Tres auf, um endlich den Fitz Roy aus nächster Nähe
betrachten zu können. Der Weg führt durch abwechslungsreiche Landschaft
und eröffnet immer wieder schöne Ausblicke auf den Fitz Roy. Nach
dreieinhalb Stunden sind wir bei der Lagune, die in einem faszinierenden
Blauton vor uns schimmert und können den imposanten Fitz Roy und
danebenliegenden Poincenot bestaunen, herrlich!!!
Nach fast einer Woche verlassen wir El Chalten und fahren nach El
Calafate und von hier aus weiter zum Glaciar Perito Moreno,
der einer der wenigen Gletscher weltweit ist, der noch wächst. Immer
wieder fallen Eisstücke oder gar ganze Eiswände unter ohrenbetäubendem
Lärm ins Wasser. Wir bleiben fast drei Tage da, bewundern das Spektakel
und spekulieren selbstverständlich herum, welcher Eisklumpen wohl als
nächstes abstürzen wird. Natürlich geht das grösste Getöse dann los, wenn
wir uns umdrehen und zum Auto laufen, doch das gehe scheinbar allen so,
die den Gletscher beobachten. Auf dem Parkplatz treffen wir auf Heide und
Marion, die mit ihrem grossen MAN-Lastwagen unterwegs sind. Die beiden
Frauen sind pensioniert, haben den Lastwagen nach ihren Wünschen
ausstatten lassen und reisen nun nach Lust und Laune herum. Geniesst es
!!!
Von El Calafate geht es wieder mal auf Asphalt (ach, welch Erholung)
weiter nach Süden. Um nach Feuerland zu gelangen, muss man durch
Chilenisches Staatsgebiet fahren und es steht mal wieder ein Grenzübergang
an. Doch die Grenzer sind sich die ausländischen Touris schon gewohnt und
der ganze Grenzübertritt geht schnell über die Bühne. Dann geht es auf die
Fähre und wir schippern rüber nach Feuerland. Hier wechselt die Landschaft
von flach zu hügelig und bringt ein wenig Abwechslung. Abwechlung
bringt auch das Abschleppen eines Amis mit seinem VW-Bus, in die über
100km entfernte nächste Stadt, da es ihm den Motor verblasen hat.
Kurz vor Ushuaia, wird die Landschaft bergig und erinnert uns stark
an die Schweiz. Nach 873 Tagen on the road, treffen wir in der südlichsten
Stadt der Welt ein und haben ein weiteres wichtiges Etappenziel unserer
Reise erreicht. Junge, junge, wie die Zeit vergeht. Vor eineinhalb Jahren
waren wir am nördlichsten Punkt unserer Reise in Inuvik und jetzt sind wir
ganz auf der anderen Seite des Amerikanischen Kontinents. 65'000 km haben
wir seither zurückgelegt und insgesamt schon an die 120'000 km abgespult.
Ist doch schon was, gelle?
Wir lassen uns im Camping Club Andino nieder und treffen endlich
Susanne und Michel wieder, mit denen wir letztes Jahr Weihnachten in
Yucatan gefeiert haben. Wiedersehen macht Freude !!!
An Weihnachten organisiert der Camping ein grosses Asado und mit mehr als
dreissig anderen Reisenden feiern wir eine gemütlichen Heilig Abend. Die
nächsten Tage verbringen wir vor allem damit, mit den anderen Reisenden
herumzuquatschen. Daneben checke ich den Landy durch, während Esther das
Tagebuch nachführt.
Wir machen einen Ausflug zur Estancia Harberton und weiter zur
Estancia Moat, dem wirklich südlichsten Punkt, der angefahren werden
kann. Die Strecke führt vorbei am Beagle Canal und eröffnet schöne
Ausblicke auf die gegenüberliegenden Inseln und verschneite Berge. Zu
allem hin können wir noch einem Seelöwenpaar beim Herumturteln zuschauen.
Als weiteren Ausflug geht es in den Nationalpark Lapataia wo wir
einige Biberdämme bestauen können. Die Tiere wurden früher mal ausgesetzt,
vermehrten sich mangels Feinden excellent, knabbern jetzt alle Bäume ab
und setzen das ganze Gebiet mit ihren Dämmen unter Wasser.
Die Tage sind herrlich lang, Sonnenaufgang um die 5:00 und Untergang gegen
22:30, doch dunkel wird es erst knapp vor Mitternacht. Dafür sinkt das
Thermometer in der Nacht locker auf 3-5°C.
Silvester ist wieder im Andino, wo sich mittlerweile eine rechte Horde an
Reisenden eingefunden hat und für eine feuchtfröhliche Stimmung sorgt.
Unglaublich, schon wieder ist ein Jahr vorbei! Viele Länder durchreist,
viele neue Menschen kennengelernt und so viele tolle Erlebnisse gehabt.
Wir sind gespannt, was denn das Jahr 2005 bringen wird. Wir kommen !!!
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