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Wurde wieder an der Zeit uns zu melden, nicht wahr?
Wir sitzen schon seit einer Woche in San Carlos de Bariloche fest und
warten auf Ersatzteile, da es uns das Ausgangslager im Getriebe zerbröselt
hat. Zum Glück haben wir hier eine Landroverwerkstatt gefunden.
Doch nun zuerst Mal zu unseren Erlebnissen vor Bariloche.
Nach dem feuchtfröhlichen Silvester war erst Mal ausschlafen angesagt,
noch ein wenig herumschwatzen und am 2. Januar geht es dann nach langem
Verabschiedungszeremoniell wieder los nach Norden. Im schönen Punta
Arenas machen wir kurz Zwischenhalt und feiern Esthers Geburtstag in
einem kleinen Park mit wunderbarer Meersicht, bei Lachs und Champagner.
Weiter geht es zum Nationalpark Torres del Paine. Von anderen
Reisenden haben wir mitbekommen, dass er für das Gebotene völlig
überteuert ist (20CHF pro Person). Daher entschliessen wir uns auf einer
Seitenstrasse so nah wie möglich an den Park zu fahren, ein paar Fotos zu
schiessen und dann wieder zurückzufahren. So holpern wir denn auf der
Schotterstrasse Richung Park und sind gemäss GPS nur noch etwa 12km von
der Parkgrenze entfernt, als uns ein Schild mit der Aufschrift Camino
Cerrado entgegenprangt. Und da wir mit unseren bescheidenen
Spanischkenntnissen beim besten Wille nicht erraten können, was uns dieses
Schild sagen will, fahren wir weiter ;) Die Strasse wird immer ruppiger,
überall stehen Baumaschinen herum, teilweise sind schon die Sprenglöcher
gebohrt. Gegen Schluss sind wir nur noch im Geländegang und nähern uns
immer mehr dem Park. Nach ein paar weiteren Kilometern kommen wieder
solche komischen Schilder, die wir ignorieren, fahren über eine Brücke und
.... sind im Park. Völlig verblüfft schauen wir uns an und wissen gar
nicht so recht wie uns geschehen ist.
Wir fahren am Abend noch schnell zur Laguna Grey und verschlaufen uns dann
auf einem Hotelparkplatz, wo wir im Auto übernachten. Am nächsten Morgen
will Esther schon wieder unbedingt raus aus dem Park, da sie Angst hat,
dass man uns erwischt, doch ich kann sie zu einer Wanderung zu den Torres
überreden. Der Weg ist ganz schön, der letzte Aufstieg ganz schön steil
und schon stehen wir vor den Torres bei wunderbarstem Wetter. Sind schon
schön, doch der Ausblick auf den Fitz Roy ist imposanter. Dafür ist die
Fahrt durch den Park Torres del Paine wunderschön.
Nach der Wanderung kam dann die Herausforderung: wir mussten wieder aus
dem Park rauskommen. Beim Reinfahren muss man sich registrieren mit
Passnummer etc. und beim Rausfahren ebenfalls, sonst geht die Kette nicht
auf. Hmmm, wie machen wir das? Zuerst wollen wir uns an ein paar andere
Autos ranhängen und rausdüsen, doch es hat fast keinen Verkehr und daher
verwerfen wir diesen Plan und fahren zum anderen Parkeingang. Dort
sondieren wir mittels Feldstecher die Lage und als wir keine Kette sehen,
rollen wir mit einem freundlichen Winken am Rangerhäuschen vorbei, yeahh,
geschafft!
Weiter geht's wieder nach El Calafate und von dort wieder auf der
Ruta 40 Richtung Norden. Beim wunderschönen Lago Posadas
machen wir noch einen Abstecher zum Refugio San Lorenzo, wo es
Thermalquellen geben soll. Haha, vom Hospedaje aus müsste man noch etwa 6
Stunden zu den Quellen latschen, auf was wir dankend verzichten. Dafür ist
die Aussicht auf den See wunderschön.
Durch vulkanisch bunte Gegend geht es zum südlichsten Passübergang auf die
Carretera Austral, dem Passo Roballos. Nach holpernder Strecke
erreichen wir das kleine Dörfchen Cochrane. Das Wetter schlägt um,
es ist bewölkt und bald beginnt es zu regnen. Welch Empfang!
Die Caretera Austral wurde zwischen 1973 und 1986 unter Pinochets
Diktatur entlang der Argentinischen Grenze aus militärischen Gründen
durch absolutes Niemandsland erbaut. Wälder, Seen, Berge und Gletscher und
dazwischen eine Schotterpiste auf einer Länge von über 1200km.
Auf dem Weg runter nach Villa O'Higgins nehmen wir noch zwei
Schweizer Trekkerinnen mit, die von dort aus mit der Fähre weiter nach El
Chalten gelangen wollen. Die Rucksäcke schmeissen wir aufs Dach und
staunen selber nicht schlecht, dass die beiden hinten im Landy noch Platz
haben.
In Villa O'Higgins spürt man noch richtigen Pioniergeist. Man stelle sich
das mal vor: Erst 1999 wurde die Strasse hier runter fertiggestellt.
Vorher war dieses kleine Dörfchen nur mit dem Flugzeug oder per Wanderung
von Argentinien aus zu erreichen. Es hat kleine Tante Emma Läden, die von
Essen, über Kleider und Elektrozubehör alles Mögliche anbieten. Ein paar
kleine Herbergen und Restaurants und das wars.
Das Wetter ist uns freundlich gesinnt, es ist nur bewölkt, regnet nicht
und wir kriegen sogar einige der umliegenden Berge und Gletscher zu
Gesicht.
Auf dem Weg nach Norden, machen wir einen Abstecher nach Tortel,
welches erst 2003 ans Strassennetz angeschlossen wurde. Es ist ein
kleines Dörfchen, das am Ende eines Fjordes abenteuerlich in die steilen
Hänge gebaut worden ist. Mittels Holztreppen- und Stegen sind die Häuser
untereinander verbunden.
Die gesamte Caretera Austral führt durch wunderschöne Berglandschaften und
immer wieder eröffnen sich atemberaubende Ausblicke auf Berge, Gletscher
und im nördlichen Teil sogar Fjorde. Wie die Schweiz, nur ohne Bevölkerung
und Besiedlung.
Leider macht sich hier unser Getriebe mit immer lauterem Rattern im 5.
Gang bemerkbar und wir machen uns ernsthaft Sorgen, ob wir es wohl noch zu
einer Landrover-Werkstatt schaffen.
In Coyhaique kriegen wir die Info, dass es ein englisches
Unternehmen gibt, das Landrover einsetzt. Das Unternehmen ist
Raleigh-International, eine Wohltätigkeitsorganisation, die hier
Outdoor-Aktivitäten mit Hilfsprojekten verbindet. Sie können uns zwar
nicht helfen, dafür laden sie uns zu einem prächtigen Grillabend ein, ein
nettes Trostpflästerchen, herzlichen Dank!
Vorbei am Rio Futaleufu, einem Raftingparadies erster Güte, fahren
wir wieder rüber nach Argentinien. Dort bleiben wir ein paar Tage im
schönen Los Alerces NP und erholen uns von der Fahrerei der letzten
Tage.
Vor Bariloche übernachten wir an einem schönen Bergsee und werden dort von
Birgit und Udo überrascht, die sich unbemerkt an uns rangeschlichen haben.
Die beiden haben wir in Ushuaia kennengelernt und unsere Wege werden sich
sicher noch ein paar Mal kreuzen.
Nach Bariloche fahren wir mit einem etwas mulmigen Gefühl, hatten
wir doch von anderen Reisenden gehört, dass immer wieder Touristenautos
aufgebrochen und ausgeraubt würden. Doch hier soll endlich eine
Landrover-Werkstsatt geben. Nach kurzer Suche finden wir die
Landrover-Werkstatt und der Besitzer versichert uns, dass das Auto bei ihm
absolut sicher sei und die Besorgung der Ersatzteile kein Problem
darstelle. Tja, das war vor über einer Woche.
Da wir nicht in der Werkstatt übernachten durften, haben wir uns im
nahegelegenen Campingplatz eingemietet. Zum Glück haben wir noch unsere
gesamte Trekkingausrüstung dabei und sind somit auch ohne Auto
überlebensfähig.
Der Ausbau des Getriebes geht schleppend voran: Zuerst muss der Unterboden
gereinigt werden, doch alle Waschanlagen besetzt. Gut, dann eben am
nächsten Tag. Bis Freitagmittag wird der Landy gewaschen und danach geht
die Auseinandernehmerei los. Ich beobachte die beiden Mechaniker und
schaue ihnen auf die Finger, dass sie nichts kaputt machen oder verlieren.
Am Montag heben wir zu dritt das Getriebe raus und nachdem das Getriebe
auseinander gebaut wurde, erkennen wir die Ursache des Ratterns: Das Lager
der Ausgangswelle sieht ziemlich übel aus.
Der Garagenbesitzer meint, es sei kein Problem die Lager und Simmerringe
hier zu erhalten. Nach einigen Telefonen hin und her, realisiert er, dass
es wohl doch nicht so einfach ist und die Teile aus Buenos Aires bestellt
werden müssen. Am Mittwoch wird bestellt und mittels Kurier sollen die
Teile innert 20 Stunden hier sein. Pustekuchen!!!
Jeden Tag radeln wir vom Camping in die Werkstatt um zu erfahren, dass die
Teile noch nicht angekommen sind. Mittlerweile ist Samstagmittag und die
Teile sind immer noch nicht angekommen. Doch am Montag werden sie sicher
hier sein. Mal schauen!
Esther hatte dafür Zeit, unsere gesamte Reiseroute bis nach Bolivien
durchzuplanen und ich konnte noch ein paar Kleinigkeiten (Wasserfilter
reinigen, Wassertank abdichten, etc) am Landy erledigen.
In der Zwischenzeit kennen wir Bariloche wie unsere Westentasche. Ist
unglaublich touristisch, vor allem Einheimische, die wegen der
Pesoschwäche nicht mehr ins Ausland in die Ferien gehen können, verbringen
hier ihre Sommerferien. Bariloche wird auch die Schweiz Argentiniens
genannt und es ist was dran. Ein schöner See, rundherum weissbezuckerte
Berge, saftig grüne Wälder und eine Unmenge an Schokoladenproduzenten.
Selbst in der Schweiz trifft man nicht auf eine solche Fülle von
Konfisserien, die Schokolade verkaufen. Doch von Sommer keine Spur.
Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es angenehm warm, doch am Abend und
in der Nacht sinkt das Thermometer immer noch locker auf 4-6°C. Und das
soll Sommer sein?
Ach ja, wir hatten noch einen erwähnungswürdigen Zwischenfall beim Optiker
Filipini. Esther ging in den Laden um ihr Gestell richten zu lassen, da es
lose war. Der gute Mann hat die Brille schön ausgeglüht, was die
Antireflexbeschichtung nicht so gut vertrug und trübe wurde. Der
Volltrottel von Optiker fühlt sich nicht verantwortlich, es sei nicht
seine Schuld, wir hätten ja nichts bezahlt für diesen Service, blablabla
und wir sollen doch bitte den Laden verlassen. Esther will ihm an die
Gurgel springen und ich überlege mir schon, welches seiner optischen
Geräte ich ihm zertrümmern soll, als wir uns zu einer friedlicheren Lösung
entschliessen und ihn die Polizei rufen lassen. Nach ein paar Minuten
kommen zwei Beamte vorbei und nehmen die Tatsachen auf. Sie meinen, sie
könnten leider nichts machen, doch wenn wir Anzeige erstatten, hätten wir
vielleicht eine Chance. Wir verlassen den Saftladen und gehen
schnurstracks zur Polizei. Mit dem hat wohl der Möchtegernopti nicht
gerechnet und zwanzig Minuten später steht er vor Wut bebend in der
Polizeistation. Dem Beamten tischt er eine andere Story auf, er hätte den
Schaden ja gut machen wollen, doch wir hätten keine Zeit gehabt etc. und
labber labber. Ich stelle die Situation klar und der Polizeibeamte
versucht den Augenklempner davon zu überzeugen es wäre doch besser uns
etwas zur Wiedergutmachung zu offeriern. Zähneknirschend willigt er ein
und wir können bei ihm ein Paar Kontaktlinsen abholen. Macht den Schaden
an der Brille zwar nicht wieder gut, doch wenigstens kommt er nicht
ungeschoren davon!
Am Montag sollten die Teile eintreffen und dann können wir, wenn alles gut
geht, bis Mittwoch wieder weiterfahren.
Wir lassen uns überraschen.
(Fortsetzung folgt!)
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