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Da wir auf die neuen Simmerringe warten müssen, entschliessen wir uns, für
zwei Wochen die chilenische Seenregion zu bereisen und dann nach Bariloche
zurückzukehren und die neuen Simmerringe einzubauen. Es tut gut, wieder
mal unterwegs zu sein und nicht nur in Bariloche herumzuhängen und uns mit
dem Garagisten herumzuärgern.
Die Ausreise nach Chile dauert fast 1.5 Stunden, da wir nicht die einzigen
sind, die über die Grenze wollen. Erstaunlich ist, dass die Einheimischen
für ihre Fahrzeuge den gleichen Papierkram zu erledigen haben wie wir.
Hinter der Grenze gehen die Anden ins Flachland des chilenischen
Seengebietes über und bald sehen wir am Horizont den schneebedeckten
Gipfel des Vulkans Osorno. Ein skuriller Anblick: im Vordergrund ein
Szenerie, die an die Schweiz erinnert, mit Seen, Wäldern, friedlich
weidenden Kühen und im Hintergrund der perfekte Konus des Vulkans.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz kommt die erste Ernüchterung: Vom
angeblich reichen Chile ist es hier in der Region wenig zu spüren. Es wird
ausschliesslich Landwirtschaft betrieben, dazwischen kleine Dörfchen, mit
einfachen Holzhäusern, Traktoren sind eher rar gesäht, dafür begegnen uns
immer wieder Ochsengespanne.
Die zweite Ernüchterung folgt, als wir nach fast einer Stunde keinen
Schlafplatz finden können. Das Land ist eingezäunt und überall prangen
Schilder mit der Aufschrift "Privat, Betreten verboten". Hmmm, wird nicht
einfach werden. Doch nach einiger Suche, finden wir doch noch einen
gemütlichen Schlafplatz am See.
Entlang dem Lago Llanquine fahren wir durch kleine Dörfchen und schöne
Städtchen, die im letzten Jahrhundert von deutschen Einwanderern gegründet
wurden.Wir haben das Gefühl, die Uhr sei hier stehengeblieben und wir
fühlen uns in der Tat in diese Zeit zurückversetzt. Im Vordergrund der
schöne See und Kirchen im Schwarzwaldstil und im Hintergrund der Vulkan
Osorno. Kitschiger geht's nicht mehr.
In Puerto Montt besuchen wir den Fischmarkt und kommen aus dem Staunen
nicht raus, was hier an verschiedenstem Meeresgetier aus den Fluten
rausgezogen wird. Mit Anschauen ist es natürlich nicht getan und wir
bestellen uns einen gemischten Teller mit allerlei unterschiedlichsten
Meeresspezialitäten, welcher eine schon lange nicht mehr dagewesene
Herausforderung für unsere Geschmacksnerven darstellt. Anschliessend
kaufen wir noch ein Kilo geräucherten Lachs für umgerechnet 4 CHF und
wollen schon weiterziehen, als uns Corinna und Roger, die wir in Ushuaia
kennengelernt haben, aus einem Restaurant entgegenwinken. Wir
verabreden uns, beim Refugio des Vulkans Osorno auf 1100M.u.M. zu
übernachten, machen noch eine kleine Rundfahrt durch die Stadt, die sonst
nicht viel zu bieten hat, wie eigentlich alle Städte, die wir hier in der
Seenregion besucht haben und fahren Richtung Vulkan.
Oben angekommen erkundigen wir uns bei der Parkaufsicht, ob es möglich
sei, ohne Bergführer den Vulkan zu besteigen. Die Antwort ist ja, aber man
brauche Pickel, Steigeisen, Klettergurt und Seil. Da wir nur ersteres
haben, erkundigen wir uns weiter, wir hoch wir aufsteigen dürfen ohne
Seil. Hier kriegen wir eine Absage, wir dürfen nicht aufs Schneefeld und
falls wir überhaupt eine Wanderung machen wollen, müssten wir nun unsere
Pickel und Steigeeisen abgeben, damit wir nicht in Versuchung kommen auf
dem Gletscher herumzukraxeln. Das ist uns doch ein wenig zu viel der
Bevormundung und wir verzichten auf eine Wanderung. Dafür geniessen wir
einen wundervollen Sonnenuntergang, schlemmen den Lachs und plaudern mit
Corinna und Roger bis tief in die Nacht hinein, bis es uns draussen zu
kalt wird und wir uns in die Schlafsäcke verkriechen.
Nächstentags brechen wir gemeinsam auf, um noch den nördlichsten Teil der
Careterra Austral zu absolvieren. Sanfte Fjordlandschaft, einfache
Dörfchen mit süssen Holzhäuschen und Lachszucht kennzeichnen diese
Landschaft. Zufälligerweise können wir einem lokalen Rodeo beiwohnen, das
eher durch Tierquälerei als durch die sportliche Note besticht. Tja,
andere Länder andere Sitten.
Bei Entre Lagos trennen sich unsere Wege wieder und wir fahren Richtung
Valdivia, das gemäss Reiseführer ein schmuckes Städtchen sein soll. Keine
Ahnung wo das Schmucke sein sollte, dafür kriegen wir einen Tip in der
Touriinfo, dass in Liquiné günstige Thermen sein sollen.
Die Thermalbäder hier darf man nicht vergleichen mit den Erlebnisbädern,
wie wir sie von der Schweiz her kennen, doch es macht richtig Spass sich
draussen mit heissem Schlamm vollzupappen, danach im heissenWasserfall
abzuduschen und anschliessend in rustikalen Holzbotichen herumzuliegen.
Das aus der Erde kommende Wasser ist fast 80°C heiss und muss abgekühlt
werden, sonst fühlt man sich wie ein Hummer.
Vor dem Frühstück gibt es noch ein Morgenbad und schon geht es weiter
Richtung Villarica, mit Aussicht auf See und gleichnamigen Vulkan.
Kommen wir zur dritten Ernüchterung hier in Chile: Alles ist verdammt
teuer. Die Nationalparkeintritte sind hoch und die Campingplätze hier in
Chile bieten herzlich wenig Infrastruktur, doch dafür glänzen sie mit
Wucherpreisen und verlangen bis zu 30 Franken pro Stellplatz. Darauf
steigen wir sicher nicht ein und finden nach zäher Suche immer wieder
einen idyllischen Schlafplatz u.a. hoch über dem Lago Colico.
Als absolutes Highlight erweist sich der Besuch des Nationalparks
Conguillio in dem der Vulkan Llaima steht, der zu den aktivsten in Chile
zählt. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir übers
Lavafeld hoch und finden zwischen bizarren Lavaformationen einen schönen
Platz. Bei einem kurzen Rundgang durch die Schuttkegel, einem Blick rauf
auf den Vulkan und der Erkenntnis, dass Vollmond ist, kann ich Esther dazu
begeistern, einen Aufstieg auf den Llaima bei romantischem Vollmond zu
wagen. Wir sind auf 1400 Metern Höhe und müssen auf 3100 Meter rauf. Wir
rechnen mit etwa 6-7 Stunden Aufstieg und beschliessen um Mitternacht
loszulaufen. Nachtessen, kurz noch auf den Vordersitzen dösen und los
geht's. Anfangs ist der Weg mit Pfosten markiert und dank Vollmond ganz
gut erkennbar. Es ist schon ein faszinierendes Gefühl durch diese
Landschaft zu wandern, überall hat es schwarze Schutthügel,
Lavaformationen und weit hinten leuchten die Schneefelder des Llaima. Wie
auf einem anderen Planeten. Nach dreieinhalb Stunden sind wir beim
Schneefeld angelangt, wobei wir die letzte Stunde mehr rutschend und
stolpernd als gehend durch pulvriges Lavagestein unterwegs sind.
Wir ziehen die Steigeisen an, packen die Pickel aus und los geht's auf
festem Untergrund zum Gipfelsturm. Der Vulkan wird immer steiler und
steiler und wir müssen uns teilweise mit den Frontzacken und dem Pickel
raufarbeiten. Die Gletscherspalten können wir zum Glück auf Lavagestein
umgehen, da wir am Rand des Schneefeldes aufsteigen.
Um 6:00 erhebt ein zarter rosa Schimmer im Osten, doch wir haben immer
noch über 400 Höhenmeter vor uns. Links, rechts, Pickel, links, rechts,
Pickel, geht es bergauf. Die letzten 100 Höhenmeter können wir die
Steigeisen abziehen und es geht über loses Geröll. Um 8:30 ist es
geschafft: Wir sind auf 3125 Metern Höhe, haben vor uns die wunderbare
Aussicht und hinter uns den Vulkanschlot, der immer wieder bedrohlich
grummelnd ein Schwefelwölkchen ausstösst.
Wir bleiben über eine Stunde auf dem Gipfel, ruhen uns aus und geniessen
den einmaligen Rundumblick.
Runter geht es bedeutend schneller, da wir auf dem Geröll runterrutschen
können. Da uns mittlerweile das Wasser ausgegangen ist, stürzen wir uns
auf das erste Rinnsaal am Fusse des Gletschers und geniessen das kühlende
Nass. Nach vier Stunden Abstieg haben wir diese "romantische" Besteigung
hinter uns. Müde, doch stolz es geschafft zu haben.
Am Grenzübergang nach Argentinien, haben wir zum erstenmal unser Gemüse
und Früchte nicht sonderlich gut versteckt (es darf nichts eingeführt
werden!) und prompt kommt der Zöllner mit dem Hund vorbei. Zum Glück ist
das Tier ein Junkie und interessiert sich nur für Drogen und kümmert sich
nicht um unser Gemüse, uffff, Schwein gehabt.
Hinter der Grenze ist es wieder einfach schöne Schlafplätze zu finden und
zwei Tage später fahren wir wieder in Bariloche ein.
Natürlich fahren wir zuallerst in der Werkstatt vorbei um anzukündigen,
dass wir wieder zurück seien und wann denn der tropfende Simmerring
ersetzt werden könne. Jaaaa, kein Problem, wir sollen am Donnerstag
vorbeikommen. Am Donnerstagmorgen stehen wir vor der Werkstatt und es wird
uns mitgeteilt, dass noch ein anderes fertig repariert werden müsse, doch
am Freitag können wir loslegen. Ich rufe am Donnerstagabend an und es
heisst, dass sie gerade eben ein Spezialwerkzeug nicht haben und wir
sollen doch am Dienstag wieder vorbeikommen. Es ist nicht zu glauben, wie
uns dieses Riesenarsch von Garagenbesitzer (die Leserschaft möge mir
diesen Ausdruck verzeihen, doch wir sind soooooo am Kochen, dass dies
schon ein sehr milder Ausdruck ist) veräppelt und auflaufen lässt. Drei
geschlagene Wochen warten wir schon auf diese Garantiereparatur und weit
und breit keine Aussicht, dass sie erledigt wird. Mit grösster
Wahrscheinlichkeit hat er noch nicht mal die Ersatzteile bestellt.
Wir werden noch einmal beim Konsumentschutz vorstellig, schildern die
Situation, vielleicht kann dort der Anwalt für uns etwas machen. Wir
werden per email benachrichtigt werden, welchen Ausgang unser Fall
genommen hat. Doch wir haben endgültig die Nase voll und nicht mehr die
Nerven dafür, hier noch länger auszuharren, schliesslich sind wir ja schon
am 21.1.2005 hier in Bariloche angekommen.
So werden wir eben den Simmerring anderswo ersetzen lassen müssen und
nochmals dafür bezahlen. Eine Reiseerfahrung mehr !
Dafür gibt es auf dem Campingplatz ein schönes Wiedersehen:
Zuerst treffen wir hier Tanja und Adi wieder, mit denen wir schon an
Weihnachten bis in den Morgen hinein geplaudert haben und diesmal wird es
noch später und erst um 6:00 verkriechen wir uns ins Dachzelt.
Zwei Tage später gesellen sich noch Corinna und Roger hinzu und einen Tag
später trudeln noch Dorrit und Coen ein und bei einem deftigen Grillabend
mit viel Fleisch und Wein, aber ohne Gesang, werden natürlich die seit
Ushuaia gemachten Reiseerfahrungen intensiv besprochen.
Weiter geht es bei uns endlich Richtung Norden, Mendoza, Santiago und
vieles mehr wartet noch auf uns. Hasta Luego!
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