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Uiuiuiui, wie die Zeit vergeht, soooo vieles schon in der Zwischenzeit
gesehen und erlebt und noch gar keine Zeit gehabt alles niederzuschreiben,
ehrlich ;)
Wir heizen gerade die 500 km von La Serena nach Santiago zurück und
endlich komme ich mal dazu einen neuen RB zu tippseln. Die Autobahn ist
wie leergefegt, Esther musste auf der ganzen Strecke etwa fünf Autos
überholen. Das nennt man entpannendes Langstreckenfahren.
Doch zuerst mal der Rückblick:
Von Bariloche aus rollen wir zwei Tage durch trockene Steppenlandschaft
und machen auf dem Pass Maule einen Abstecher zu den Thermen
Cajon Grande. Auf 2000 Metern Höhe, mit einer super Aussicht auf die
umliegenden Berge sitze ich fast zwei Stunden im heissen Wasser und lese,
während Esther es vorzieht im Trockenen das Tagebuch nachzuführen.
Auf der chilenischen Seite vorbei an der wunderschönen Laguna de
Maule ins fruchtbare Valle Central südlich von Santiago, in dem das
Hauptanbaugebiet des chilenischen Weins liegt. Jaaaaa, endlich können
wir mal den chilenischen Wein degustieren. Die Vorfreude wird schon bei
der ersten Weinkellerei jäh zerstört, als uns die chic gekleidete Dame
mitteilt, dass eine Führung und die Verkostung EINES (In Zahlen: 1)
Weines mit der läppischen Summe von 8 Fränkli zu Buche
schlägt. In der nächsten Weinkellerei verlangen sie sogar 12
Franken. Die sind ja voll bescheuert !!! Trockenen Gaumens fahren
wir weiter.
In Santiago angekommen, machen wir uns sofort zur Schweizer
Schule auf, wo Esther einen Schulbesuch absolvieren kann. Hier
lernen wir Antonia kennen, die uns spontan für den nächsten Abend zum
Abendessen einlädt und den Reigen toller Bekanntschaften, die wir hier
machen, anführt.
Wir können problemlos auf dem Parkplatz des Schweizer Clubs, der an die
Schweizer Schule angrenzt, übernachten und starten von hier aus
unsere Streifzüge durch die Stadt. Doch es ist nicht nur süsses
Sigthseeing angesagt, sondern eine ganze Pendenzenliste gilt es
abzuarbeiten, zweieinhalb Jahre Reisesalltag fordern ihren Tribut: neue
Zusatzbatterie kaufen, Dieselpumpe für den Zusatztank ist defekt und muss
ersetzt werden, neue Reissverschlüsse für die Abdeckplane des Dachzelts
müssen ran, der Reserveradhalter hat durch die Vibrationen feine Risse im
Heck unseres Landys verursacht und muss fixiert werden, Ölfilter etc. für
die Wartung kaufen, Offerten für die Verschiffung nach Australien müssen
eingeholt und die Flüge organisiert werden, Visavorschriften bei der
australischen und neuseeländischen Botschaft angefragt werden, etc. etc.
etc.
Wenn man zu Hause ist, ist das eine Kleinigkeit. Man weiss meistens, wo
man was auftreiben kann oder zumindest wer einem weiterhelfen kann. Hier
irren und organisieren wir wie die Irren eine Woche lang herum bis wir
unsere Liste abarbeiten können. Doch zum Glück hat es hier so viele gute
Schweizer Seelen, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Erich und
Hanspeter fixieren den Reserveradhalter und stocken unseren Weinkeller
auf, Martin erstellt uns eine Offerte für die Verschiffung, Lisa und
Thomas laden uns zum Nachtessen ein, Theo, der unsere Homepage schon eine
Weile verfolgt lädt uns zu einem Schwatz ein und schenkt uns einen
Toaster, bei der Garage Suiza können wir unsere neue Zusatzbatterie in
Ruhe einbauen und die ganze Zeit können wir beim Club Suizo stehen.
Einfach fantastisch, so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in
dieser konzentrierten Form ist uns noch nie widerfahren, herzlichsten Dank
an alle !!!
Als Tüpfelchen auf dem i erhalten wir von Landrover Schweiz den Bescheid,
dass sie die Kosten für die missratene Getriebereparatur in Bariloche
vollumfänglich auf Kulanz übernehmen, also wenn das nicht super ist?
Die Stadt selber bietet keine aussergewöhnlichen Highlights, sie ist
modern, hat viele neue und architektonisch interessante Wolkenkratzer,
oder sollte man eher sagen Smogkratzer? Hinzu kommt ein beschauliches
Fussgängerviertel, eine lebendige Markthalle und bei schönem Wetter ist
die Aussicht vom Cerro San Cristobal auf die schneebedeckte
Andenkette und die Stadt sehr eindrücklich. Santiago ist einer der
grünsten Grossstädte, die wir bereist haben. Die Strassen sind gesäumt mit
Bäumen und jedes Häuschen hat seinen kleinen gepflegten Garten. Die Menschen sind freundlich,
gepflegt und eher konservativ angezogen, modische Extravagen sucht man
vergeblich.
Nach zehn Tagen verabschieden wir uns und ziehen weiter nach
Valparaiso. Ganz anders ist hier die Atmossphäre. Im Vergleich zu
Santiago ist alles verlotterter, schmuddeliger, ärmer, alte Gebäude mit
abblätterndem Verputz überall. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl und
schlendern mit Begeistrung durch die engen Gässchen und lassen uns von den
klapprigen Aufzügen in die Höhe bringen, von wo wir eine tolle Aussicht
auf die Stadt und Hafen haben.
Wir lassen Valpo hinter uns, fahren noch einmal nach Santiago, kaufen hier
die Wartungsteile für den Landy, wechseln die Lagerbuchsen UND die
Schrauben für die Hinterradaufhängung, da in Panama nur die Buchsen
gewechselt wurden, welche schon wieder ausgeschlagen sind, treffen
zufälligerweise noch einmal Antonia und Theo, verabschieden uns definitiv
von den beiden (hihi) und fahren endlich Richtung Mendoza.
Die Strasse windet sich in engen Serpentinen auf über 3'200 Meter Höhe und
nach dem dunklen und stinkigen Gipfeltunnel fahren wir noch die alte
Schotterstrasse rauf auf den 3863 Meter hohen Passo Sistema Cristo
Redentor (das ist ein Name, gelle!). Von hier aus hat man einen
herrlichen Ausblick auf die von vulkanischem Auswurf bunten Hänge und im
Hintergrund lässt sich der Aconcagua, mit 6959 Metern höchste Berg
ausserhalb des Himalayas, blicken. Ein kleiner Spaziergang lässt und die
Höhe ganz schön spüren.
Vor Mendoza geht es über den Passo Caracoles und den ehemaligen
Thermen von Villavicencio durch wunderschöne Landschaft endlich
nach Mendoza. Es ist Ostern und ganz Mendoza scheint sich aufgemacht zu
haben diesen Pass mit Fahrrad oder Auto zu bezwingen. Ein uns
entgegenkommender Fahrschüler kommt ganz schön ins Schwitzen, als er
kurvenschneidend auf unserer Fahrbahnseite zu stehen kommt und
wahrscheinlich zum ersten Mal den Rückwärtsgang benutzen muss.
Mendoza ist ziemlich ausgestorben, die meisten Läden geschlossen,
ausser einem trendigen Friseurladen, in dem wir uns beide verschönern
lassen (Esther hatte es weniger nötig als ich) und geniessen den Bummel
durch die breiten, mit Bäumen gesäumten Alleen. Auf dem Camping treffen
wir auf Maria und Fritz und Michelle und Reto, die wir schon früher
getroffen haben. Erstgenannte sind ein wahrer Fundus an Informationen über
die uns noch erwartenden Streckenabschnitte und bis tief in die Nacht wird
erzählt und diskutiert. Am nächsten Tag statten wir zwei Weingütern noch
einen Besuch ab. Es sind beides durchindustrialisierte Grossbetriebe mit
dem Motto Quantität statt Qualität. Dafür müssen wir nichts zahlen, so wie
sich eigentlich auch gehört.
Auf dem Weg nach Norden fahren wir kilometerweise an Rebstöcken vorbei,
dafür stellt sich das Valle Fertil als überaus trockene Steppenregion
heraus, nix fruchtbar.
Im Parque Ischigualasto können wir in einem geführten Konvoi im
eigenen Fahrzeug durch bizarre Felsformationen durchfahren und erfahren
viel über die Geschichte dieser faszinierenden Landschaft. Ein
eindrückliches Erlebnis.
Am Abend wollen wir eigentlich noch in den Nationalpark Talampaya
weiterfahren, doch wen entdecken wir als weissen Punkt aus der Steppe
herausleuchten? Evi und Michi, die wir in Ushuaia kennengelernt haben,
welch Überraschung ! Natürlich bleiben wir bis lang in die Nacht auf und
fahren eben am nächsten Tag zum Nationalpark. Dieser erscheint uns stark
überteuert, die Fotos vom Park enttäuschen uns eher und so fahren wir eben
weiter, man muss ja nicht alles anschauen.
Wir wollen über den Pass Agua Negra rüber nach Chile, die beiden
weiter nach Norden, doch sie stürzen ihre schöne Planung um und schliessen
sich uns an. Und sie sollten es nicht bereuen.
Durch faszinierende Landschaft schrauben wir uns immer höher und höher und
haben nach fast vier Stunden Fahrzeit den 4'765 Meter hohen Passübergang
erreicht. Zum Vergleich: der Gipfel des Montblanc ist nur ein paar Meter
höher und wir sind hier mit unseren Fahrzeugen oben.
Auf dem Pass juckt es mich in den Zehen, lade das Mountainbike vom Dach
runter, packe mich warm ein und düse in wildem Downhill auf 3500 Meter
runter. Wo sonst kann ich von solcher Höhe runterradeln? Die Landschaft
sieht aus, als hätte ein Riese mit buntem Sand Hügel afgeschüttet, einfach
fantastisch.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz, verlieren wir uns trotz modernster
Hilfmittel wie Funkgerät und GPS. Wir entdecken aber hoch über dem Tal ein
schönes Plätzle von wo aus der Empfang besser ist und Evi und Michi finden
uns zu guter letzt doch noch.
Tags darauf steht ein Abstecher ins Valle del Elqui, dem
Hauptanbaugebiet des chilenischen Nationalgetränks Pisco an.
Es ist unglaublich, wir befinden uns mitten in einer trockenen, öden
Gegend, doch dank ausgeklügelter Bewässerung und 360 Sonnentagen gedeihen
hier neben Trauben auch Papayas, Feigen, Datteln etc. unglaublich! Beim
Besuch eines Weingutes und einer Pisceria erfahren und erkosten wir
einiges, hicks, über die Gegend. Zur Info: Pisco ist ein aus süssen
Muskatellertrauben gewonnener Weinbrand, der vor allem als Pisco Sour mit
Zitronensaft und geschlagenem Eiweiss getrunken wird, lecker, schmecker!!!
Nach all dem süssen Nichtsgetue der letzten Monate steht wieder mal Action
an. Der Stausee Puclaro soll Chiles bestes Windsurf- und Kitegebiet
sein. Die Statistik spricht für sich: 350 Tage mit über 4 Windstärken.
Infrastruktur hat es keine, da der Wasserspiegel ziemlich tief ist, ist
der Boden hart, mit scharfen Steinen und Ästen übersäht und nicht gerade
kitefreundlich, doch der Wind macht alles wett: Um 10:00 beginnt sich die
Wasseroberfläche zu kräuseln und ein halbe Stunde später, läuft der
Windmotor auf vollen Touren. Es tut echt mal wieder gut auf dem Wasser
herumzutoben. Drei Tage bleiben wir hier, tagsüber kiten und am Abend
steht zusammen mit Evi und Michi Schlemmen und Wein- und
Piscovorratvernichten an.
Die beiden ziehen nun doch noch dem Norden entgegen (wir freuen uns schon
auf ein Wiedersehen!) und wir machen uns auf den Weg nach ...
Santiago!!!
Ich habe ein starke Vermutung, was das Gepfeife in unserem Getriebe sein
könnte: Der Volltrottel von Mechaniker hat, obwohl ich ihn darauf
hingewiesen habe, das Spiel im Getriebe weder ausgemessen noch
eingestellt, dadurch das Gepfeife. Da haben wir in Bariloche ja voll in
die Sch... gelangt: Ein betrügerischer Garagenbesitzer und zwei unfähige
Mechaniker !!!
Wir haben die Simmerringe und nötigen Lager jetzt bei Landrover Schweiz
bestellt und diese haben sie uns per FedEx kostenlos zugeschickt, das
nennen wir doch genialen Kundendienst. Herzlichen Dank !!!
Mittlerweile sind wir schon eine Woche hier in Santiago, das Getriebe
haben wir auseinandergebaut, alles gereinigt, kontrolliert und
durchgemessen. Nun sind wir beim korrekten Spiel einstellen und hoffen in
den nächsten Tagen den Zusammenbau abgeschlossen zu haben und endlich mal
wieder unbeschwert weiterreisen zu können.
Antonia und Theo haben uns ihre Gastfreundschaft angeboten und wir können
schon seit einer Woche bei ihnen wohnen. Herzlichsten Dank !!!
Das wärs mal wieder von uns, demnächst gibt es News, ob unser Getriebe
immer noch pfeift. Hasta Luego ! |