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Aus den geplanten 2-3 Tagen für die zweite Getrieberevision wurden fast
zwei Wochen, da Andres, der Werkstattbesitzer alles sehr genau nimmt. Wir
nehmen das Getriebe komplett auseinander, reinigen alles und müssen das
Spiel der einen Welle um 1/10mm ausgleichen. In der Schweiz kein Problem,
man bestellt bei Landrover die entsprechende Unterlagsscheibe und schon
hat man's. Doch hier irren wir einen ganzen Nachmittag herum, um etwas
ähnliches zu finden. Da wir nicht fündig werden, kaufen wir ein 1/10mm
Stahlblech und schneiden daraus die entsprechende Scheibe raus.
Am Donnerstag können wir das Getriebe endlich einbauen, lassen den Motor
an und ...
...SCH... !!!..es tropft !!!
Also nehmen wir am Freitag das Reduktionsgetriebe noch einmal runter und
stellen fest, dass zwei Schrauben noch mit Dichtmasse abgedichtet werden
müssen und dass eine Undichtigkeit beim Reduktionsgetriebe besteht.
Am Samstag machen wir zusammen mit Andres eine ausgedehnte Probefahrt in
die Skigebiete oberhalb von Santiago. Er mit seinem kleinen Suzuki Vitara
und wir hintendrein mit unserem frisch revidierten Landy. Die Ausfahrt war
super, doch ziemlich ernüchternd: Das Getriebe pfeift zwar schwächer, aber
immer noch und tropfen tut es auch noch. Tja, c'est la vie. Jetzt fahren
wir solange, bis es uns das Getriebe zerbröselt und bauen dann ein
Austauschgetriebe ein. Wir hoffen nur, dass dies erst in der Schweiz sein
wird.
Am Abend lädt uns Andres zum Nachtessen ein und am nächsten Tag können wir
Santiago endgültig verlassen.
Die ganze Zeit über konnten wir bei Antonia und Theo bleiben und wurden
von ihnen aufs Beste verwöhnt: Wir konnten gemütlich im Gästezimmer
logieren, jeden Morgen stand das Frühstück schon auf dem Tisch und am
Abend wurden wir aufs Feinste bekocht. Herzlichsten Dank Antonia und Theo
für Eure tolle Gastfreundschaft !!!
Nachdem wir schon wieder fast zwei Wochen verloren haben, gilt es diese
wieder aufzuholen. Mit Vollgas düsen wir nach Copiapo und nehmen dort den
Passübergang San Francisco nach Argentinien. Die Schotterstrasse
steigt steil an und bald sind wir auf dem Altiplano mit knappen 4'000
Metern Höhe. Die Landschaft ist wiederum trockene, faszinierende
Bergwüste. Wir übernachten auf 3'800 Metern Höhe und beim morgendlichen
Startvorgang bei -7°C schickt unser Landy wunderschöne schwarze und graue
Rauchringe aus dem Auspuff raus. Weiter geht es durch die unendliche Weite
des Altiplanos.Wir machen noch einen Abstecher zum Ojos de Salado,
mit 6893 Metern Höhe, der höchste Vulkan weltweit. Der Reiz dieses
Abstechers besteht darin, dass ein Schotterweg bis zum zweiten Refugio auf
5760m führt. Hier hat Volkswagen mit einem Touareg den
Höhenweltrekord für Motorfahrzeuge aufgestellt und da müssen wir natürlich
auch hin. Der Weg windet sich durch faszinierende Landschaft immer höher
und nach einer knappen Stunde sind wir beim ersten Refugio auf 5260m. Von
hier aus wird es verdammt steil und sandig und auf 5380 Metern müssen wir
kapitulieren: Der Weg ist zu sandig, die Räder drehen durch und trotz
erneuter Druckreduktion in den Reifen, kommen wir mit unseren über 3
Tonnen an dieser Sandpassage nicht vorbei.
Auf der argentinischen Seite ist die Strasse asphaltiert und wir
vernichten die ganze Höhe im Schnellzugstempo. Die Landschaft ist immer
noch trockene Wüste, doch in Cafayate wird Wein angebaut und da
machen wir natürlich einen kleinen Zwischenstop. Der Wein ist ok, doch es
hat zu viele Touris und wir suchen uns einen ruhigen Schlafplatz
ausserhalb der Stadt.
Nach der Durchfahrt durch die fantastische Quebrada de las Conchas
ändert sich das Landschaftsbild schlagartig: Es ist saftig grün und es
wird Tabak, Mais und vieles mehr angebaut.
Salta hat den Beinamen die Schöne, was uns ein wenig zu hoch
gegriffen scheint. Die Plaza mag ja schön sein, doch der Rest haut uns
nicht aus den Socken und so schlendern wir ein wenig enttäuscht durch die
Strassen und verlassen die Stadt tags darauf Richtung Viadukto
Polvorillo, einer Brücke, die zur Zugsstrecke von Salta über die Anden
nach Antofogasta gehört. Die Brücke ist auf 4200M.ü.M., 62 Meter hoch und
auf den ersten Blick eigentlich nichts Besonderes, doch der Blick von der
Brücke runter ist noch beeindruckend.
Von hier geht es weiter übers Altiplano, über viele Serpentinen runter
nach Purmamarca. Das Dörfchen ist schön gelegen, doch voll auf
Touristen ausgerichtet, aber es gibt schöne Sachen aus Lama- und
Alpacawolle zu kaufen.
Durch die schöne Quebrada de Humahuaca fahren wir schnell durch und
düsen nachmittags schon Richtung Passo Jama.
Es geht wieder unzählige Serpentinen von 2300 auf über 4200 M.ü.M.
rauf und danach vorbei an grossen Salzseen und durch trockene
Wüstenlandschaft zum argentinischen Zoll, den wir um 18:00 passieren. Noch
eine Stunde Tageslicht, das sollte reichen um wieder in tiefere Lagen für
einen bequemen Schlafplatz zu kommen., denken wir. Die Strasse will nicht
sinken und mittlerweile ist auch schon dunkel geworden. So fahren wir in
einen Austellplatz und wollen dort übernachten, damit wir die chilenische
Seite des Passes bei Tageslicht absolvieren können. Doch die Temperatur
ist mittlerweile schon auf -3°C gesunken und wir haben Bedenken, dass die
Wasserfilter einfrieren könnten. So fahren wir denn wieder los, um tiefer
zu kommen, doch anstatt tiefer zu kommen, steigt die Strasse immer weiter
an und leichter Schneefall setzt ein. Die Strasse steigt und steigt und
aus dem Schneefall ist ein ausgewachsener Schneesturm geworden. Auf 4'800
Metern Höhe passieren wir drei Lastwagenfahrer, die im Schnee
steckengeblieben sind und suchen uns im Schritttempo den Weg durch die
Schneeverwehungen. So fahren eine gute Stunde auf über 4'700 Metern Höhe,
bis es 40km vor San Pedro de Atacama in die Tiefe runter geht. Hier
erleben wir ein schauriges Spektakel. Ein Gewitter tobt über dem Tal und
entlädt sich. Wie in einem Panoramakino sitzend, können wir diesem
Naturschauspiel beiwohnen, wie links und rechts von uns die Blitze mit
gewaltiger Wucht in den Boden einschlagen. Um 22:00 haben wir es endlich
geschafft. Wir sind wieder auf 2'350 Metern Höhe und haben einen sicheren
Schlafplatz gefunden. Im Nachhinein erfahren wir, dass dies die richtige
Entscheidung gewesen ist, da der Pass anschliessend drei Tage lang
gesperrt war, Glück gehabt.
Am nächsten morgen fahren wir nach San Pedro de Atacama rein und
welch Überraschung: Willy und Claas, die wir in Ushuaia getroffen haben,
sind hier und kurze Zeit später gesellen sich noch Evy und Michi hinzu.
Schön, dass wir sie trotz zweiwöchiger Zwangspause in Santiago doch noch
eingeholt haben. Das Dörfchen ist sehr touristisch und bietet ausser einer
kleinen Kirche und einem interessanten Museum herzlich wenig.
Mit Evy und Michi nehmen wir tags darauf die Strecke zu den El Tatio
Geysiren in Angriff. Nach kurzer Fahrt teilt uns ein Pickupfahrer mit,
die Strecke sei wegen zu viel Schnee nicht passierbar. Nach dem Motto
never trust a local, wollen wir es trotzdem versuchen und fahren durch
wunderschön verschneite Berglandschaft weiter. Es hat immer mehr Schnee
auf dem Weg und kurze Zeit später bleiben wir in einer Schneeverwehung
stecken. Mit vereinten Kräften haben wir den Landy aber schnell wieder
ausgebuddelt und begeben uns zu Fuss auf die Suche nach einem möglichen
Weg. Wir haben uns schon eine mögliche Passage ausgesucht, als Michi eine
kurze Probefahrt den Hang rauf macht und freudig feststellt, dass der
Boden super griffig ist und wir hier weiterfahren können, yeppeee.
Tiefschneefahren mit dem Landy steht an, ein Riesengaudi. Kurze Zeit und
einige spannende Passagen im Schnee später, stehen wir glücklich, es
geschafft zu haben, an den Geysiren und sind eher ernüchtert. Ein paar
Pools aus denen Wasserdampf steigt, bei anderen blubbert und köchelt es,
doch sonst nichts. Unser Reisebuch vertröstet uns aber auf den Morgen,
dort soll es bei Sonnenaufgang ein Riesenspektakel geben. So stürzen wir
uns in den Heisswasserpool, was sich aber nicht als allzu entspanndend
erweist, da das Wasser schlecht gemischt ist und wir mal halb erfrieren,
um kurz darauf wieder fast verkocht zu werden.
Die Nacht auf 4'320 Metern und -11°C überstehen wir bis auf leichte
Kopfschmerzen problemlos und stehen schon um 6:30 für das Spektakel
bereit. Es dampft aus allen Ritzen und Wasserlöchern, doch das
versprochene Schauspiel, mit hoch spuckenden Geysiren, bleibt aus.
Ziemlich enttäuscht fahren wir über eine abenteuerliche Strecke nach
Calama weiter, um dort die grösste offene Kupfermine der Welt
zu besichtigen. Die Besichtigung ist eine Farce, wir werden zum Rand der
Mine gefahren, schauen ins Loch runter, wo die riesigen Muldenkipper ihre
bis zu 370 Tonnen Erz raufkarren und fahren wieder zurück. Das war's.
Zurück in San Pedro machen wir noch einen kurzen Ausflug ins Valle de
la Luna, welches schön ist, uns aber nicht aus den Socken haut. Ob wir
wohl schon übersättigt sind?
Weiter geht es mit Evi und
Michi nach Bolivien, durch wunderschöne Berglandschaft, vorbei an
bunten Lagunen mit Flamingos, dazwischen äsende Lamas und Vicuñas, zum
Salar de Uyuni, auf welchem wir zur Zeit stehen. Es ist fantastisch
mitten in dieser riesigen, weiss gltizernden Salzwüste zu stehen.
Doch davon mehr im nächsten Reisebericht ;)
Hasta pronto ! |