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Sooo, endlich mal ein Reisebericht ohne Hiobsbotschaften über unser
Getriebe, sondern nur über tolle Erlebnisse mit Natur und Menschen.
In San Pedro wird noch einmal vollgetankt und schon geht es auf über 4650
Metern Höhe zum Bolivianischen Zoll. Die Abfertigung geht zügig vonstatten
uns schon sind wir zusammen mit Evy und Michi in Bolivien.
Die erste Übernachtung findet bei der Laguna Verde auf 4350 Metern
Höhe und bei -15°C statt. Erst am nächsten Morgen, als etwa 6
Touristenfahrzeuge bei einer kleinen schäbigen Hütte parkieren, stellen
wir fest, dass wir neben einer wunderschönen Thermalquelle übernachtet und
sie nicht ausgenutzt haben, Mann sind wir doof !!! Dafür haben wir zu
unserem Erstaunen fast keine Beschwerden wegen der Höhe, super. Nur der
Landy hat am kühlen Morgen Startschwierigkeiten und schickt einige
schwarze und graue Rauchringe in den kühlen Morgenhimmel, bevor er
unwillig seine Arbeit aufnimmt. Doch wird sind glücklich, dass er läuft,
da dem Diesel hier in Chile und Argentinien keine Additive beigefügt
werden und so kann es schon bei -10°C passieren, dass der Diesel einfriert
und man dann warten muss, bis die Sonne alles wieder auftaut.
Weiter geht es zu den Geysiren von Sol de Manana. Hier blubbert,
dampft und zischt es und man fühlt sich wie in Luzifers Wohnzimmer.
An der Laguna Colorada bietet sich uns ein komplett kitschiges
Bild: Eine bunte Lagune, umringt von schneebedeckten Gipfel und darin
waten rosa Flamingos herum, jaaaaa, Flamingos auf dieser Höhe, wir konnten
es auch fast nicht glauben. Noch weiter vorne äsen ein paar Lamas
gemütlich vor sich hin und lassen das Blitzlichtgewitter von Dutzenden von
Touristen cool über sich ergehen.
Tja, die komplette Abgeschiedenheit in dieser Gegend, wie wir sie uns
erhofft hatten gibt es nicht. Uns begegnen jeden Tag mindestens ein halbes
Dutzend Touranbieter, die mit ihren Toyotas von Uyuni oder San Pedro her
3-4 Tagestouren anbieten und die Touris mit Hochgeschwindigkeit durch die
Landschaft karren. Wir nehmen es da gemütlicher und lassen uns Zeit die
Landschaft in uns aufzunehmen.
Vorbei an vier wunderschönen Lagunen, ebenfalls mit Flamingos, Lamas und
Vicuñas, lassen wir den hohen Altiplano hinter uns und sinken auf
gemütliche 3600 Meter runter und fahren auf den Salar de Uyuni. Mit
etwa 160x120km Ausdehnung der grösste Salzsee der Welt. Am Anfang ist es
uns schon ein wenig mulmig zu Mute, haben wir doch schon von so vielen
Reisenden gehört, die eingesoffen sind und Stunden oder sogar Tage
gebraucht haben, bis sie sich wieder ausgebuddelt haben. Doch der Salar
ist schön trocken und wir sind ja mit zwei Fahrzeugen unterwegs. So sollte
eigentlich nichts passieren.
Zwei tolle Tage verbringen wir auf dem Salar, fahren kreuz und quer über
den See, besuchen die Insel Incahuasi mitten im Salar und das Hotel
Playa Blanca, das komplett aus Salzblöcken gebaut ist und geniessen
die wunderschönen Sonnenuntergänge und den fantastisch klaren
Sternenhimmel.
In Uyuni erleben wir zum ersten Mal eine bolivianische Stadt und
sind echt baff: Nur einige hundert Kilometer von Chile und Argentinien
entfernt, eröffnet sich uns hier eine komplett andere Welt. Nur noch
Indigene Bevölkerung, die Frauen tragen ihre typischen Trachten und
schleppen in ihren bunten Tüchern Kinder oder Marktware mit sich herum.
Wiederum werden, wie wir es schon von Zentralamerika her kennen, unsere
Fahrräder auf dem Dach bestaunt und Kinder hängen sich wieder an Leiter
und Trittbrett und kriegen eine Gratisfahrt.
Weiter geht es durch wunderschöne Landschaft nach Potosi. Hier
wurde 1542 Silber entdeckt und von den Spaniern brutal ausgebeutet. Bis
zum 18 Jh. starben in den Minen des Cerro Rico über 8 Mio. versklavte
Indios und Afrikaner. Noch heute wird im Berg nach Silber und Zinn
geschürft, doch im Gegensatz zu früher, arbeiten die Mineros heute auf
eigene Faust.
Wir buchen eine geführte Minentour und stehen um 9:00 bereit für
dieses eindrückliche Erlebnis. Zuerst kriegen wir Gummistiefel, einen
feschen gelben Overall und einen Helm verpasst und danach geht es zum
Mineromarkt. Hier kaufen wir Dynamit, Cocablätter und Mineralwasser als
Geschenke für die Minenarbeiter, die wir besuchen werden, ein.
Unglaublich, für 1.5 CHF kriegt man hier eine Stange Nitroglyzerin,
inklusive Zündschnur und Zünder. Danach geht es zur Mine. Vor dem Eingang
sitzen schon Dutzende von Männern herum und kauen Cocablätter bevor sie
für 10-12 Stunden im Berg verschwinden. Das Coca unterdrückt Durst, Hunger
und Schmerz und nur so schaffen es die Arbeiter, diese Schinderei
auszuhalten.
Wir kriegen unsere Carbidlampen verpasst und ab geht es in den Stollen.
Immer wieder müssen wir uns bücken um unter den Balken durchzukommen. Alle
paar hundert Meter hat es eine Ausweichstelle, wo wir warten müssen,
während 4-5 Arbeiter den bis zu 2 Tonnen schweren Wagen über die Schienen
schleppen. Gearbeitet wir noch wir vor 3-4 Jahrhunderten: Von Hand werden
mit Hammer und Meisel Bohrlöcher gemacht, Dynamit reingestopft und
gesprengt. Mit Schaufel und Hacke wird das Gestein auf die Karren geladen
oder mit Kübeln und Seilwinden in ein anderes Stockwerk gehoben und von
dort aus dem Berg geschafft. Dort wieder mit Schaufeln auf einen Lastwagen
verladen und von dort zur Weiterverarbeitung gefahren. Eine unmenschliche
Schufterei !!! Uns fällt das Atmen schwer, es ist heiss, staubig, die Luft
ist dünn, wir befinden uns immerhin auf der Höhe des Matterhorns
(4498M.ü.M) und sind froh, dass wir uns überhaupt einigermassen
fortbewegen können, während sich die kleingewachsenen Mineros
schweissgebadet abrackern. Da die wenigsten einen Staubschutz tragen,
immer wieder ein Gang zusammenbricht und auch giftige Gase in den Stollen
vorkommen, ist die Lebenserwartung mit etwa 35 Jahren sehr gering. Nach
über drei Stunden im Berg sind wir froh, wieder heil draussen zu sein. Ein
eindrückliches Erlebnis.
Die Stadt selber war früher mal, dank dem Silber, die reichtste Stadt der
Welt, doch davon ist heutzutage leider nicht mehr viel zu spüren. Viele
der Gebäude sind zerfallen und warten auf eine Restaurierung. Dafür ist es
unglaublich lebendig. Zu jeder Tages- und Nachtstunde strömen, ja strömen,
nicht flanieren, hunderte von Menschen durch die Gassen. An jeder Ecke
sitzen Frauen und Männer herum und bieten von Kugelschreibern, Pommes
Frites zu Taschenrechneren alles mögliche feil. Auf dem Markt sieht man
wieder appetitlich ausgestellte Kalbsköpfe, Lungen und andere Innereien,
die einem den Schritt ins Vegetarierlager leicht machen. Eine ganz andere
Welt !
In Potosi machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Tarapaya,
einem mit heissem Wasser gefüllten, verloschenen Vulkankrater in dem wir
endlich mal den Staub der vergangenen Tage loswerden können, ach wie
herrlich !!!
Weiter geht es wiederum durch wunderschöne Landschaft und asphaltierter
Strasse nach Sucre, der offiziellen Hauptstadt Boliviens. Die Stadt
hat wunderschöne, gut erhaltene Kolonialgebäude und Kirchen und es macht
Spass in der Stadt herumzuspazieren und zu verweilen.
Am Sonntag machen wir einen Abstecher zum Markt von Tarabuco, wo
die Menschen aus den herumliegenden Dörfern zusammenkommen, um ihre Waren
zu verkaufen und andere Sachen zu erwerben. Wir übernachten am Stadtrand
und können uns schon früh ins Getümmel stürzen und sind die einzigen
Touris. Das schöne an diesem Markt, dass die meisten Menschen hier noch
ihre Trachten tragen und es so sehr bunt ist. Das weniger schöne ist, dass
um 10:00 die Touribusse einfahren und es danach fast mehr Touris als
Einheimische hat. So machen wir uns bald mal aus dem Staub und fahren
wieder zurück nach Sucre und geniessen die friedliche Atmosphäre.
Eineinhalb Wochen Bolivien liegen hinter uns und wir sind in eine ganz
andere Welt eingetaucht. Waren Argentinien und Chile vergleichbar mit
Europa, so ist Bolivien was ganz anderes. Neues, Unerwartetes begegnet
uns. Das Preisniveau ist herrlich tief, ein Nachtessen auf dem Markt mit
Fleisch, Reis und Pommes Frites kommt auf knapp 1CHF, ein Liter Bier im
Restaurant kostet auch nur 1.5CHF und die Übernachtung im einfachen Hotel
kommt auf 3CHF zu stehen. Die Menschen sind reservierter, doch sobald man
sie anlächelt oder anspricht, tauen sie auf.
Es ist wieder spannend zum Reisen und wir freuen uns, Bolivien noch näher
kennenzulernen.
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