62. REISEBERICHT:   9.5. - 7.6.2005

Von Sucre via Santa Cruz und Rurrenabaque nach Brasilien

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Nachdem wir zwei Wochen mit Evy und Michi durch den Altiplano gereist sind (ja, die mit dem büssli), hiess es Abschied nehmen von den beiden. Wir hatten eine super Zeit zusammen und haben es natürlich genossen, die kalten Abende bei ihnen im geheizten Büssli verbringen zu können.
Durch wunderschöne Landschaft ging es von Sucre via Padilla, Villa Serano runter zum Tal des Rio Grande und auf der anderen Seite wieder in zahlreichen Serpentinen den Hang wieder rauf. Immer wieder eröffneten sich wunderbare Ausblicke ins Tal. Bei einer kleinen Dorfschule konnten wir übernachten und am Morgen sogar einen Schulbesuch abstatten. Sechs Schüler werden hier von 9:00-13:00 unterrichtet.
Weiter ging es nach La Higuera, das zu Berühmheit gelangt ist, da hier der Berufsrevoluzzer Che Guevara gefangengenommen und exekutiert wurde. Das kleine Museum ist sehr interessant und informativ und überraschenderweise sogar in englisch beschriftet.
Von hier geht es immer weiter ins Tiefland bis wir zum südlichen Eingang des Nationalparks Amboro kommen. Vom kargen, trockenen Altiplano her kommend, ist ein Balsam für Augen und Seele, wieder einmal saftig grüne Wiesen und wild wuchernde Wälder zu erblicken. Es wird immer feuchter und grüner und im Amboro können wir durch einen Urwald mit eindrücklichen Riesenfarnen spazieren. Einige Kilometer weiter und nach einiger Suche geht es rauf zum fantastischen Aussichtspunkts Los Volcanes.
Und gerade am Freitag, dem 13. erwischt es meinen Magen. Durchfall und Übelkeit. War es das Essen am Markt, oder eine schlecht gewaschene Tomate? Wer weiss, doch Esther hat dasselbe gegessen und ist putzmunter. Als es mir nach vier Tagen immer noch nicht besser geht, schlucke ich ein Breitbandantibitioka und im Nu ist mein Magen und Gedärme wieder auf Vordermann, unglaublich, wie schnell das wirkt !!!
Doch nun zu was Appetitlicherem. Auf dem Weg nach Macuñucu im Nordteil des Amboro, gilt es einen Fluss zu durchqueren und wir kriegen von den Einheimischen die verschiedensten Antworten, von nicht passierbar, bis jaja, kein Problem, hier kommen immer wieder Autos durch. So laufen wir den Weg selber ab und finden eine sichere Passage. Doch wird unsere Geduld vom Wetter auf die Folter gestellt, da es regnet und es keinen Sinn macht, in den Park zu fahren. So verbringen wir zwei Tage lesend im Flussbett und warten auf besseres Wetter. Am dritten Tag regnet es zumindest nicht und wir können die 5km Dschungelpfad zum Parkeingang zurücklegen. Der Pfad ist eng und rutschig, die Fahrräder auf dem Dach bleiben immer wieder in tief hängenden Ästen hängen und die Reifen finden im Schlamm nicht den besten Halt. Einen halben Kilometer vor dem Camp kommen wir nicht mehr weiter und setzen unseren Weg zu Fuss fort. Der Parkranger ist sehr freundlich und interessiert und lädt uns am folgenden Tag zu einer Wanderung durch den Park ein. Dies kommt uns sehr gelegen, kostet sonst ein lokaler Führer pro Tag die stolze Summe von 15US$. Wir  machen einen schönen Spaziergang durch den Dschungel zu einem Wasserfall und kriegen Affen, Papageien und wunderschöne blaue Schmetterlinge zu sehen.
Bei der Rückfahrt nehmen wir eine andere Strecke und müssen eine Bachdurchfahrt mit anschliessender steiler, schlammiger Auffahrt meistern. Zum Glück ist gerade ein Touranbieter mit seinem Fahrzeug dort und kann uns mit der Seilwinde raufziehen. Ist schon super: das erste Mal dass wir auf dieser Reise eine Winde gebraucht hätten und siehe da, es ist jemand da, der uns raushelfen kann.
In Santa Cruz, das dank Erdöl und Kokain die neue geschäftliche Hauptstadt Boliviens ist, bleiben wir nur kurz, dachten, es sei dank dem umgeschlagenen Koks prunkvoller, machen einen Abstecher in die schönen Dünen des Lomas de Arena Naturparks und fahren weiter nach Trinidad. Die Strecke ist topfeben und wird geschäftig kultiviert. Den Abstecher in die Jesuitenmission San Javier absolvieren wir bei strömendem Regen, doch werden mit einem schönen Konzert des lokalen Chors überrascht. Die Jesuiten haben in dieser Gegend einige Missionen gegründet, um die Indianer zu Christianisieren und sie vor den herumstreunenden Sklavenhändlern zu schützen, die diese auf ihre Kautschukplantagen verschleppen wollten. Daneben haben sie ihnen zu einer bis heute praktizierten hohen Chor- und Musikkultur verholfen.
In Trinidad treffen wir Evy und Michi wieder und wollen gemeinsam nach Rurrenabaque fahren. Doch wir müssen uns zuerst in Geduld üben, da es immer wieder regnet und sich die Strasse in eine tiefe Schlammpiste verwandelt hat. So schlagen wir die Zeit tot in Trinidad, das herzlich wenig zu bieten hat, ausser, dass jeder im Städtchen mit seinem kleinen Motorrad im Schneckentempo, von irgendwo nach nirgendwo unterwegs ist.
Am nächsten Tag hat sich das Wetter gebessert und die Strecke wird freigegeben. Was wir die nächsten zwei Tage erleben kann wohl am Besten als Holiday on Schlamm (Ice ;) umschrieben werden. Der Regen der letzten Tage hat die Erdpiste in eine Schlammpiste sondergleichen verwandelt und wir schlittern mit unseren Fahrzeugen von einem Strassenrand zum anderen, wild am Steuerrad kurbelnd und hoffen nicht in einer der vielen tiefen Schlammpfützen zu landen. An einigermassen kontrolliertes fahren ist nicht zu denken, immer wieder suchen sich die Vorderräder eine neckische Spur aus, die direkt in den nächsten Tümpel oder ein lecker braunes Schlammloch führt. Durch den aufwerfenden Schlamm sehen unsere Autos bald so aus, als kämen sie direkt von einer Camel-Trophy und nach zwei Bergungsaktionen, bei denen wir Evy und Michi aus dem Schlammassel ziehen müssen, nehmen Fahrzeug und Besatzung einen einheitlichen Braunton an. Immer wieder begegnen wir bis tief zu den Achsen eingeschlammten Lastwagen und wundern uns, wieviele Tage die wohl dort drin stecken bleiben werden. Doch erstaunlicherweise kommen diese ziemlich schnell wieder frei und fahren noch in der Nacht stolz hupend an unserem Schlafplatz vorbei. Am nächsten Tag nieselt es weiter und nach einigen tiefen Schlammpassagen wird die Piste endlich besser und wir schaffen es noch knapp nach Sonnenuntergang nach Rurrenabaque.
Wir übernachten beim Hafen und tags darauf werden wir von Jürg und Ludwig angesprochen, die hier in Rurre leben. Ersterer ist Schweizer und hat ein Bauunternehmen, letzter Deutschbolivianer und betreibt ein Restaurant. Jürg lädt uns grosszügigerweise ein, bei seinem Club Nautico übernachten zu können und die komplette Infrastruktur des Hauses inklusive Werkstatt benutzen zu dürfen. Super. So befreien wir zuerst mal unsere Fahrzeuge von ihrer Schlammkruste und danach muss ich beim Landy den Reserveradhalter, den Getriebeschutz und die Zusatzdieselpumpe reparieren, Bremsbeläge wechselenund alle Öle kontrollieren, während Esther die letzten Schlammreste aus dem Innenraum entfernt. Nein, es wird uns nie langweilig beim Reisen. Am Abend werde wir von Ludwig zu einem famosen Gulasch eingeladen und dass andere Mal verwöhnt uns Jürg mit einem exquisiten Churrasco, herzlichsten Dank!!!
Rurrenabaque ist idealer Ausgangort für Dschungel- und Pampatouren, bei denen man viele Tiere zu Gesicht kriegt und viel über die Natur mitkriegen kann. Nach dem wir einige Agenturen verglichen haben, entscheiden wir uns zusammen mit Evy und Michi für eine  dreitägige Dschungeltour bei Fluvial Tours.
Zuerst geht es drei Stunden flussaufwärts mit einem motorisierten Einbau und danach noch eine knappe Viertelstunde ins Dschungelcamp. Dort wartet schon das leckere Mittagessen auf uns und danach geht es für drei Stunden in den Dschungel, wo uns unser Führer all die vielen Pflanzen erklärt die hier wachsen. So gibt es hier einen Baum gegen Rheuma, einen Baum, dessen Rinde nach Knoblauch stinkt und Moskitos vertreibt, einen Baum mit Viagrawirkung gibt es genauso, wie einen gegen Herzbeschwerden. Wasser kann aus Lianen gewonnen werden, hat man sich verlaufen, so klopft man auf die breiten Wurzeln des Telefonbaums. Dieses Geräusch hört man kilometerweit und kriegt meistens Antwort zurück und weiss danach in welcher Richtung das Camp liegt.
In der Nacht gehen wir auf die Suche nach Krokodilen, Tapiren und anderem Getier, das unterwegs ist. Mit Taschenlampe bewaffnet können wir die gelb leuchtenden Augen der Krokodile ausmachen und einen Tapir hören wir auch vorbeischnaufen. Geschafft knallen wir uns nach diesem Tag in die schmudligen Betten.
Tags darauf steht wieder eine Dschungelwanderung an, wo wir auf Wildschweinjagd gehen und tatsächlich ein Rudel sichten und am Nachmittag können wir im Fluss ein erfrischendes Bad nehmen. Am letzten Tag gehen wir schon vor Sonnenaufgang in den Dschungel und kriegen endlich mal Brüllaffen zu sehen und hören. Am Nachmittag geht es wieder zurück nach Rurre. Es war schön mal wieder eine geführte Tour zu machen, nicht selber entscheiden zu müssen was man macht und gut bekocht zu werden, hat Spass gemacht. Leider haben wir nicht allzuviele Tiere zu Gesicht gekriegt.
Zurück bei Jürg erfahren wir, dass sich die Situation in Bolivien immer mehr verschlimmert und dass an ein Durchkommen nach La Paz nicht zu denken ist. So hängen wir nochmal zwei Tage herum und hoffen auf eine Verbesserung der Situation, doch diese tritt nicht ein und so gehen wir noch gemeinsam auf eine zweitägige Pampatour, welche sich zu einem absoluten Highlight entwickeln sollte.
Erstens entpuppte sich unser Fahrer als absolute Offroad-Pfeife und schaffte es, uns dreimal in den Schlamm festzufahren, wo andere Fahrzeuge problemlos an uns vorbeifahren. Erst als ich ihm die Freilaufnaben an den Vorderrädern auf Vierradantrieb stelle kommt sein Toyota frei. Unglaublich, der Typ hat absolut keine Ahnung !!! Mit einer Stunde Verspätung kommen wir im Hafen an und steigen in unser Boot, das uns in einer herrlichen, vierstündigen Fahrt zum Camp bringt.
Und kommen wir zum zweiten Punkt, kriegen wir auf dieser Tour unglaublich viele Tiere zu sehen: Verschiedenste Affenarten, Krokodile, Vögel, Moskitos und, und, und, echt super, unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Nachts geht es im Boot auf Krokojagd und wir sehen in den Gebüschen dutzende von gelben Augenpaaren. Hmmm, ein umkippen könnte ziemlich unangenehme Folgen haben. Am nächsten Morgen schippern wir zum Sonnenaufgang auf eine Wiese und werden dort brutal von Moskitos gefressen. Nach dem Frühstück fahren wir gemütlich in die überflutete Pampa und kriegen dort unzählige Flussdelfine zu sehen, herrlich. Bei der Rückfahrt schlammt sich unser bolivianischer Superfahrer wieder spitzenmässig ein. Mit einem Holzstöckchen als Bergewerkzeug versucht er uns dann freizuschaufeln, was natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Keine Schaufel, kein Seil, nix, wir hätten ihn würgen können. Zum Glück kommt bald einmal ein Traktor vorbei, der uns rausziehen kann.
Wieder zurück in Rurre sieht die Situation nochmals schlechter aus: mittlerweile sind fast alle Städte in Bolivien durch Blockaden abgesperrt. Dies bedeutet, dass die Tankstellen keinen Treibstoff mehr haben, da die Zisternenwagen nicht durchkommen, Lebensmittel werden langsam knapp und es ist die Rede von einem bevorstehenden Bürgerkrieg. Nach Abwägen aller Möglichkeiten entschliessen wir uns zur Flucht nach Brasilien und wollen versuchen von dort nach Peru zu gelangen.
Wir verabschieden uns bei Jürg, bei dem wir fast zwei Wochen stehen konnten (herzlichen Dank !!!) und fahren nach Norden. Die Abzweigung nach Cobija ist auch schon seit einer Woche gesperrt und wir müssen den langen Umweg via Riberalta machen. Dort werden wir auch schon vorgewarnt, dass wir schnell machen sollen, denn die Lehrer wollen den Stadtausgang blockieren. Nichts wie weiter. In Guyaramerim treffen wir auf Claas und Willy, die wir auch schon ein paarmal getroffen haben und die raten uns auch zur Eile, da scheinbar die Grenze hier auch bald gesperrt werden soll. In windeseile reinigen wir unsere Fahrzeuge, lassen sie desinfizieren, kriegen den Ausreisestempel in den Pass und fahren auf die Fähre Richtung Brasilien. Uff, geschafft, wir sind draussen !!!

Schade, dass wir La Paz nicht besuchen konnten, doch ist es sicherer ausser Landes zu sein, wenn ein möglicher Bürgerkrieg droht. Es ist schon traurig zu sehen, wie ein so schönes und abwechslungsreiches Land von einer arroganten und korrupten Spitze regiert und zu Grunde gerichtet wird. Auch ist es schwer zu glauben, dass Bolivien die zweitgrössten Gasvorkommen Südamerikas besitzt und doch das ärmste Land des Kontinents ist!
 

Auf dem Weg von Sucre nach La Higuera.
Denkmal für Che Guevara in La Higuera
Weiter geht es zum südlichen Eingang des Amboro Nationalparks
Riesenfarne im Amboro NP
Ausblick auf die Los Volcanos
Spektakuläre Streckenführung der Gaspipeline
Weiter geht es nach Macuñucu am östlichen Eingang des Amboro NP
Herrlich erfrischendes Bad unter dem Wasserfall
Esther muss den Weg freischlagen
Diesen Hang mussten wir mit der Winde erklimmen
Darum heissen Schlammpneus Schlammpneus: Weil sie sich mit Schlamm vollsetzen
Bissige Telefonzelle
In der Queseria Suiza in Buena Vista. Der Tilsiter und Greyerzer war excellent !
Typische bolivanische Kleinstadt
Sahara? Nein, Dünengebiet Lomas de Arena bei Santa Cruz
Jesuitenkirche in San Javier
Auf dem Weg nach Trinidad
In Trinidad:

Vollbeladene Motorradfahrer und ein Indigenafest

Weiter geht es Richtung Rurrenabaque
Ochsengespann mit Holzrädern !!!
Jetzt wird es richtig interessant !
Evy und Michi's Büssli hat sich eingeschlammt und muss wieder befreit werden
Auch andere haben ihre lieben Sorgen
Pflatschfüsse
Geschafft, wir sind in Rurrenabaque
Bei deftigem Gulasch mit Ludwig und Jürg (v.l)
Es wird mal wieder repariert
Feuerstuhl auf bolivianisch
In Rurrenabaque
Mit dem Boot auf Dschungeltour
Unser Camp
Auf wilden Dschungelpfaden ...
... entdecken wir omnipotente Bäume...
...Lianen ...
...Spiralbäume...
...Wasserlianen und Telefonbäume...
...Riesenschmetterlinge...
... und müssen uns den Weg zum Camp zurücksuchen.

Schön war's

Von der Dschungel- in die Pampatour.

Unser Superfahrer hat uns voll in den Schlamm gesetzt

Und wieder geht es mit dem Boot in unbekannte Gefilde
In unserem Camp
Affige Begegnungen
Auf Erkundungsfahrt durch die geflutete Pampa
Auf Piranhafang
Das Hauskrokodil futtert die Essensreste weg
Auf der Rückfahrt setzt uns unser Lenkradprofi wiederum in den Schlamm
Auf dem Weg zur brasilianischen Grenze
Herrliche Sonnenuntergangsstimmung
Jaaaaa, es hat Moskitos !!!
Grosse Wäsche am Fluss
Ab nach Brasilien
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