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Nachdem wir zwei Wochen mit Evy und Michi durch den Altiplano gereist sind (ja, die mit dem
büssli), hiess es
Abschied nehmen von den beiden. Wir hatten eine super Zeit zusammen und
haben es natürlich genossen, die kalten Abende bei ihnen im
geheizten Büssli verbringen zu können.
Durch wunderschöne Landschaft ging es von Sucre via Padilla, Villa
Serano runter zum Tal des Rio Grande und auf der anderen Seite
wieder in zahlreichen Serpentinen den Hang wieder rauf. Immer wieder
eröffneten sich wunderbare Ausblicke ins Tal. Bei einer kleinen Dorfschule
konnten wir übernachten und am Morgen sogar einen Schulbesuch abstatten.
Sechs Schüler werden hier von 9:00-13:00 unterrichtet.
Weiter ging es nach La Higuera, das zu Berühmheit gelangt ist, da
hier der Berufsrevoluzzer Che Guevara gefangengenommen und
exekutiert wurde. Das kleine Museum ist sehr interessant und informativ
und überraschenderweise sogar in englisch beschriftet.
Von hier geht es immer weiter ins Tiefland bis wir zum südlichen Eingang
des Nationalparks Amboro kommen. Vom kargen, trockenen Altiplano
her kommend, ist ein Balsam für Augen und Seele, wieder einmal saftig grüne Wiesen
und wild wuchernde Wälder zu erblicken. Es wird immer feuchter und grüner
und im Amboro können wir durch einen Urwald mit eindrücklichen
Riesenfarnen spazieren. Einige Kilometer weiter und nach einiger Suche
geht es rauf zum fantastischen Aussichtspunkts Los Volcanes.
Und gerade am Freitag, dem 13. erwischt es meinen Magen. Durchfall und
Übelkeit. War es das Essen am Markt, oder eine schlecht gewaschene Tomate? Wer
weiss, doch Esther hat dasselbe gegessen und ist putzmunter. Als es mir
nach vier Tagen immer noch nicht besser geht, schlucke ich ein
Breitbandantibitioka und im Nu ist mein Magen und Gedärme wieder auf
Vordermann, unglaublich, wie schnell das wirkt !!!
Doch nun zu was Appetitlicherem. Auf dem Weg nach Macuñucu im Nordteil
des Amboro, gilt es einen Fluss zu durchqueren und wir kriegen von den
Einheimischen die verschiedensten Antworten, von nicht passierbar, bis
jaja, kein Problem, hier kommen immer wieder Autos durch. So laufen wir
den Weg selber ab und finden eine sichere Passage. Doch wird unsere Geduld
vom Wetter auf die Folter gestellt, da es regnet und es keinen Sinn macht,
in den Park zu fahren. So verbringen wir zwei Tage lesend im Flussbett und
warten auf besseres Wetter. Am dritten Tag regnet es zumindest nicht und
wir können die 5km Dschungelpfad zum Parkeingang zurücklegen. Der Pfad ist
eng und rutschig, die Fahrräder auf dem Dach bleiben immer wieder in tief
hängenden Ästen hängen und die Reifen finden im Schlamm nicht den besten
Halt. Einen halben Kilometer vor dem Camp kommen wir nicht mehr weiter und
setzen unseren Weg zu Fuss fort. Der Parkranger ist sehr freundlich und
interessiert und lädt uns am folgenden Tag zu einer Wanderung durch den
Park ein. Dies kommt uns sehr gelegen, kostet sonst ein lokaler Führer pro
Tag die stolze Summe von 15US$. Wir machen einen schönen Spaziergang
durch den Dschungel zu einem Wasserfall und kriegen Affen, Papageien und
wunderschöne blaue Schmetterlinge zu sehen.
Bei der Rückfahrt nehmen wir eine andere Strecke und müssen eine
Bachdurchfahrt mit anschliessender steiler, schlammiger Auffahrt meistern.
Zum Glück ist gerade ein Touranbieter mit seinem Fahrzeug dort und kann
uns mit der Seilwinde raufziehen. Ist schon super: das erste Mal dass wir
auf dieser Reise eine Winde gebraucht hätten und siehe da, es ist jemand
da, der uns raushelfen kann.
In Santa Cruz, das dank Erdöl und Kokain die neue geschäftliche
Hauptstadt Boliviens ist, bleiben wir nur kurz, dachten, es sei dank dem
umgeschlagenen Koks prunkvoller, machen einen Abstecher in die schönen
Dünen des Lomas de Arena Naturparks und fahren weiter nach
Trinidad. Die Strecke ist topfeben und wird geschäftig kultiviert. Den
Abstecher in die Jesuitenmission San Javier absolvieren wir bei
strömendem Regen, doch werden mit einem schönen Konzert des lokalen Chors
überrascht. Die Jesuiten haben in dieser Gegend einige Missionen
gegründet, um die Indianer zu Christianisieren und sie vor den
herumstreunenden Sklavenhändlern zu schützen, die diese auf ihre
Kautschukplantagen verschleppen wollten. Daneben haben sie ihnen zu einer
bis heute praktizierten hohen Chor- und Musikkultur verholfen.
In Trinidad treffen wir Evy und Michi wieder und wollen gemeinsam
nach Rurrenabaque fahren. Doch wir müssen uns zuerst in Geduld üben, da es
immer wieder regnet und sich die Strasse in eine tiefe Schlammpiste
verwandelt hat. So schlagen wir die Zeit tot in Trinidad, das herzlich
wenig zu bieten hat, ausser, dass jeder im Städtchen mit seinem kleinen
Motorrad im Schneckentempo, von irgendwo nach nirgendwo unterwegs ist.
Am nächsten Tag hat sich das Wetter gebessert und die Strecke wird
freigegeben. Was wir die nächsten zwei Tage erleben kann wohl am Besten
als Holiday on Schlamm (Ice ;) umschrieben werden. Der Regen der letzten
Tage hat die Erdpiste in eine Schlammpiste sondergleichen verwandelt und
wir schlittern mit unseren Fahrzeugen von einem Strassenrand zum anderen,
wild am Steuerrad kurbelnd und hoffen nicht in einer der vielen tiefen
Schlammpfützen zu landen. An einigermassen kontrolliertes fahren ist nicht
zu denken, immer wieder suchen sich die Vorderräder eine neckische Spur
aus, die direkt in den nächsten Tümpel oder ein lecker braunes Schlammloch
führt. Durch den aufwerfenden Schlamm sehen unsere Autos bald so aus, als
kämen sie direkt von einer Camel-Trophy und nach zwei Bergungsaktionen,
bei denen wir Evy und Michi aus dem Schlammassel ziehen müssen, nehmen
Fahrzeug und Besatzung einen einheitlichen Braunton an. Immer wieder
begegnen wir bis tief zu den Achsen eingeschlammten Lastwagen und wundern
uns, wieviele Tage die wohl dort drin stecken bleiben werden. Doch
erstaunlicherweise kommen diese ziemlich schnell wieder frei und fahren
noch in der Nacht stolz hupend an unserem Schlafplatz vorbei. Am nächsten
Tag nieselt es weiter und nach einigen tiefen Schlammpassagen wird die
Piste endlich besser und wir schaffen es noch knapp nach Sonnenuntergang
nach Rurrenabaque.
Wir übernachten beim Hafen und tags darauf werden wir von Jürg und
Ludwig angesprochen, die hier in Rurre leben. Ersterer ist Schweizer und
hat ein Bauunternehmen, letzter Deutschbolivianer und betreibt ein
Restaurant. Jürg lädt uns grosszügigerweise ein, bei seinem Club Nautico
übernachten zu können und die komplette Infrastruktur des Hauses inklusive
Werkstatt benutzen zu dürfen. Super. So befreien wir zuerst mal
unsere Fahrzeuge von ihrer Schlammkruste und danach muss ich beim Landy
den Reserveradhalter, den Getriebeschutz und die Zusatzdieselpumpe
reparieren, Bremsbeläge wechselenund alle Öle kontrollieren, während
Esther die letzten Schlammreste aus dem Innenraum entfernt. Nein, es wird
uns nie langweilig beim Reisen. Am Abend werde wir von Ludwig zu einem
famosen Gulasch eingeladen und dass andere Mal verwöhnt uns Jürg mit einem
exquisiten Churrasco, herzlichsten Dank!!!
Rurrenabaque ist idealer Ausgangort für Dschungel- und Pampatouren, bei
denen man viele Tiere zu Gesicht kriegt und viel über die Natur mitkriegen
kann. Nach dem wir einige Agenturen verglichen haben, entscheiden wir uns
zusammen mit Evy und Michi für eine dreitägige Dschungeltour bei
Fluvial Tours.
Zuerst geht es drei Stunden flussaufwärts mit einem motorisierten
Einbau und danach noch eine knappe Viertelstunde ins Dschungelcamp. Dort
wartet schon das leckere Mittagessen auf uns und danach geht es für drei
Stunden in den Dschungel, wo uns unser Führer all die vielen Pflanzen
erklärt die hier wachsen. So gibt es hier einen Baum gegen Rheuma, einen
Baum, dessen Rinde nach Knoblauch stinkt und Moskitos vertreibt, einen
Baum mit Viagrawirkung gibt es genauso, wie einen gegen Herzbeschwerden.
Wasser kann aus Lianen gewonnen werden, hat man sich verlaufen, so
klopft man auf die breiten Wurzeln des Telefonbaums. Dieses Geräusch hört
man kilometerweit und kriegt meistens Antwort zurück und weiss danach in
welcher Richtung das Camp liegt.
In der Nacht gehen wir auf die Suche nach Krokodilen, Tapiren und anderem
Getier, das unterwegs ist. Mit Taschenlampe bewaffnet können wir die gelb
leuchtenden Augen der Krokodile ausmachen und einen Tapir hören wir auch
vorbeischnaufen. Geschafft knallen wir uns nach diesem Tag in die
schmudligen Betten.
Tags darauf steht wieder eine Dschungelwanderung an, wo wir auf
Wildschweinjagd gehen und tatsächlich ein Rudel sichten und am Nachmittag
können wir im Fluss ein erfrischendes Bad nehmen. Am letzten Tag gehen wir
schon vor Sonnenaufgang in den Dschungel und kriegen endlich mal
Brüllaffen zu sehen und hören. Am Nachmittag geht es wieder zurück nach
Rurre. Es war schön mal wieder eine geführte Tour zu machen, nicht selber
entscheiden zu müssen was man macht und gut bekocht zu werden, hat Spass
gemacht. Leider haben wir nicht allzuviele Tiere zu Gesicht gekriegt.
Zurück bei Jürg erfahren wir, dass sich die Situation in Bolivien immer
mehr verschlimmert und dass an ein Durchkommen nach La Paz nicht zu denken
ist. So hängen wir nochmal zwei Tage herum und hoffen auf eine
Verbesserung der Situation, doch diese tritt nicht ein und so gehen wir
noch gemeinsam auf eine zweitägige Pampatour, welche sich zu einem
absoluten Highlight entwickeln sollte.
Erstens entpuppte sich unser Fahrer als absolute Offroad-Pfeife und
schaffte es, uns dreimal in den Schlamm festzufahren, wo andere Fahrzeuge
problemlos an uns vorbeifahren. Erst als ich ihm die Freilaufnaben an den
Vorderrädern auf Vierradantrieb stelle kommt sein Toyota frei.
Unglaublich, der Typ hat absolut keine Ahnung !!! Mit einer Stunde
Verspätung kommen wir im Hafen an und steigen in unser Boot, das uns in
einer herrlichen, vierstündigen Fahrt zum Camp bringt.
Und kommen wir zum zweiten Punkt, kriegen wir auf dieser Tour unglaublich
viele Tiere zu sehen: Verschiedenste Affenarten, Krokodile, Vögel,
Moskitos und, und, und, echt super, unsere Erwartungen wurden mehr als
erfüllt. Nachts geht es im Boot auf Krokojagd und wir sehen in den
Gebüschen dutzende von gelben Augenpaaren. Hmmm, ein umkippen könnte
ziemlich unangenehme Folgen haben. Am nächsten Morgen schippern wir zum
Sonnenaufgang auf eine Wiese und werden dort brutal von Moskitos
gefressen. Nach dem Frühstück fahren wir gemütlich in die überflutete
Pampa und kriegen dort unzählige Flussdelfine zu sehen, herrlich. Bei der
Rückfahrt schlammt sich unser bolivianischer Superfahrer wieder
spitzenmässig ein. Mit einem Holzstöckchen als Bergewerkzeug versucht er
uns dann freizuschaufeln, was natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Keine Schaufel, kein Seil, nix, wir hätten ihn würgen können. Zum Glück
kommt bald einmal ein Traktor vorbei, der uns rausziehen kann.
Wieder zurück in Rurre sieht die Situation nochmals schlechter aus:
mittlerweile sind fast alle Städte in Bolivien durch Blockaden abgesperrt.
Dies bedeutet, dass die Tankstellen keinen Treibstoff mehr haben, da die
Zisternenwagen nicht durchkommen, Lebensmittel werden langsam knapp und es
ist die Rede von einem bevorstehenden Bürgerkrieg. Nach Abwägen aller
Möglichkeiten entschliessen wir uns zur Flucht nach Brasilien und wollen
versuchen von dort nach Peru zu gelangen.
Wir verabschieden uns bei Jürg, bei dem wir fast zwei Wochen stehen
konnten (herzlichen Dank !!!) und fahren nach Norden. Die Abzweigung nach
Cobija ist auch schon seit einer Woche gesperrt und wir müssen den
langen Umweg via Riberalta machen. Dort werden wir auch schon
vorgewarnt, dass wir schnell machen sollen, denn die Lehrer wollen den
Stadtausgang blockieren. Nichts wie weiter. In Guyaramerim treffen
wir auf Claas und Willy, die wir auch schon ein paarmal getroffen haben
und die raten uns auch zur Eile, da scheinbar die Grenze hier auch bald
gesperrt werden soll. In windeseile reinigen wir unsere Fahrzeuge, lassen
sie desinfizieren, kriegen den Ausreisestempel in den Pass und fahren auf
die Fähre Richtung Brasilien. Uff, geschafft, wir sind draussen !!!
Schade, dass wir La Paz nicht besuchen konnten, doch ist es sicherer
ausser Landes zu sein, wenn ein möglicher Bürgerkrieg droht. Es ist schon
traurig zu sehen, wie ein so schönes und abwechslungsreiches Land von
einer arroganten und korrupten Spitze regiert und zu Grunde gerichtet
wird. Auch ist es schwer zu glauben, dass Bolivien die zweitgrössten
Gasvorkommen Südamerikas besitzt und doch das ärmste Land des Kontinents
ist!
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