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Nachdem wir die Ausreise aus Bolivien problemlos geschafft haben,
eröffnete sich uns auf der anderen Flussseite eine neue Welt. Alles ist
sauber, es herrscht Helmpflicht, im Stadtpark sind einige Dutzend Männer
wie Frauen am Joggen und Walken und an der Immigration werden wir sehr
freundlich begrüsst und bedient.
Petr musste noch eine neue Dieselpumpe für den Zusatztank auftreiben, da
diese schon nach zwei Monaten den Geist aufgegeben hat und kriegte eine
gebrauchte kostenlos, der Besitzer des Autozubehörladens hat sie ihm
einfach geschenkt. Als wir noch bei einer Toyotawerkstatt nach ein
bisschen Öl für die Servolenkung fragten, schenkte man uns gleich den
ganzen Liter, tja, das ist Brasilien. Ach, könnten wir doch länger
bleiben. Wir liebäugeln mit einer Fahrt auf dem Amazonas wieder nach Belem
und dort der Küste entlang weiter nach Fortaleza. Strand, Palmen,
fröhliche Menschen, tropische Früchte, ach wär das schön, doch nein, es
gilt noch Peru und Ecuador zu entdecken.
Die Fahrt von Guajara Mirim nach Assis Brasil ging auf einer
Asphaltstrasse, auf der die Kilometer wie im Flug vergehen, durch gerodete
Urwaldlandschaft, die einer Unmenge von Rindviechern als Weideplatz dient.
In Rio Branco machen wir einen kurzen Übernachtungsstop, gönnen uns
ein gutes brasilianisches Nachtessen und sind am nächsten Tag schon in
Assis Brasil. Hier ist man gerade daran eine neue Brücke für die
Transpazifika zu bauen, die Brasilien mit dem Pazifik verbinden soll. Da
die Brücke noch nicht fertig ist, müssen wir durch den Fluss, was sich im
Vergleich zu den anschliessenden Wasser- und Schlammdurchfahrten als
Kinderspiel erweisen sollte.
In Peru angekommen, klopfen wir an der Türe des Immigrationsbüros, doch
kriegen wir mitgeteilt, dass es erst um 10:00 öffnet und nicht schon um
8:00, wie draussen angeschlagen. Punkt 10:00 stehen wir zu sechst (Evy,
Michi, Willy und Claas sind auch mit von der Partie) vor dem
Immigrationsbeamten, der ziemlich verkatert dreinblickt und uns mürrisch
nur 30 Tage Aufenthaltsbewilligung anstatt der offiziellen 90 Tage in den
Pass reindrückt, so ein A...., jaaaaa, wir sind nicht mehr in Brasilien!
Die Strecke nach Puerto Maldonado ist in gutem Zustand und
geht noch durch intakten Urwald, wo noch in kleinen Dörfchen ein einfaches
Leben geführt wird. Puerto Maldonado ist Ausgangspunkt für
Dschungeltouren, doch es ist eine grosse, betriebsame Stadt und versprüht
keinerlei Dschungelflair wie z.B. Rurrenabaque in Bolivien.
Tags darauf nehmen wir die 540km nach Cusco unter die Räder. Die Lastwagen
brauchen 2-3 Tage, so sollten wir es doch problemlos in zwei Tagen
schaffen, denkste.
Am ersten Tag geht es flott voran, bis wir auf einer Anhöhe auf eine
Kolonne von fast 40 Lastwagen stossen, die sich gegenseitig durch die
tiefen Schlammlöcher und rutschigen Auffahrten ziehen. Das ganze sieht
ziemlich chaotisch aus, doch irgendwie funktioniert es und nach einer
geschlagenen Stunde Wartezeit können wir uns an der Seite der tiefen
Löcher vorbeischleichen. Als Tüpfelchen auf dem i müssen wir noch bei
beginnender Dämmerung durch ein paar tiefe Wasserlöcher, bei denen uns das
Wasser über die Motorhaube kommt, uns der Atem stockt und Büsslis
Luftfilter geflutet wird. Bei Dunkelheit schleppen wir sie die letzten
hundert Meter zum kleinen Dorfplatz, welcher unser Übernachtungsplatz
wird. Zum Glück ist kein Wasser in den Motor gekommen und mit dem neuen
Luftfilter schnurrt der Motor wieder wie neu.
Der nächste Tag sollte der Härteste werden. Ganze 64km mehr stehen am
Abend auf dem Tacho als am Morgen. Uns hat es am Tag zuvor den
Stossdämpfer von der Achse abgerissen, was sich durch ein schwammiges und
schaukliges Fahrverhalten bemerkbar machte, doch in einer Blitzaktion
wieder repariert werden konnte. Andererseits hatte es ein paar knackige
Auf- und Abfahrten, die durch die Lastwagen tief ausgefahren wurden und
die wir mit zentimetergenauem Manövrieren auf dem Grat zwischen den
Lastwagenspuren bezwingen mussten. Während Claas und Willy mit ihrem
Toyota und wir problemlos durchkamen, rutschte das Büssli immer wieder in
die Spuren ab und wir konnten uns als Strassenbauer und Abschleppdienst
betätigen, was der allgemeinen körperlichen Fitness nur zuträglich war.
Wieder haben wir auf einem Dorfplatz übernachtet und wurden sehr
freundlich begrüsst und die Menschen haben immer wieder gern einen Schwatz
mit uns abgehalten. Die nächsten zwei Tage sind problemlos. Über trockene
Piste winden wir uns in die Berge und können auf 3'012 Metern Höhe ein
herrlich warmes Thermalbad nehmen und danach in die Schlafsäcke
verschwinden. Dass sich Petr dort im warmen Dreckwasser eine fesche
Angina, die er an Esther weitergegeben hat, geholt hat, sei nur am Rande
erwähnt. Doch dank Krankenschwester Anti Biotika geht es uns wieder gut.
Hier oben sind die Menschen schon scheuer und reservierter und wollen
nicht mehr gross mit uns kommunizieren.
In Cusco fahren wir am Abend des vierten Tages ein und sind absolut
glücklich aus Bolivien rausgekommen zu sein und diese abenteuerliche
Strecke gemeinsam gemeistert zu haben, yeeeepeeeeee !!! Da belohnen wir
uns doch alle mit einem leckeren 3-Gang Menu in Cusco's Altstadt.
Cusco ist überwältigend. Die Mischung aus alten Inkamauern und den
imposanten kolonialen Bauten der Spanier ist einmalig. Mit Stadtkarte
bewaffnet, latschen wir uns die Füsse von einer Sehenswürdigkeit zur
anderen wund und geraten immer wieder in Atemnot, da die 3'450 Meter Höhe
dieser Stadt auch von uns ihren Tribut fordern. Wir bleiben vier Tage in
Cusco, das aber vollkommen von Touristen eingenommen ist. Überall wird man
auf englisch angequatscht, in eine Kneippe gelockt oder zum Kauf
irgendeines Touristenkrimskramses aufgefordert. Doch uns gefällt es
trotzdem und wir hohlen Infos wie man nach Machu Pichu kommt, besuchen die
eindrückliche Ruine Saqsaywaman und müssen noch die Radlager
des Landy's neu schmieren und einstellen.
Da die Touristenzüge nach Machu Pichu völlig überteuert sind, (40
US$ für Touris, 4US$ für Einheimische!) fahren wir über Ollanta
nach Santa Teresa um von der anderen und weniger touristischen
Seite nach Machu Pichu zu gelangen. (Mehr Infos dazu siehe Reisetips) Die Strasse windet sich in unzähligen
Serpentinen bis auf 4'300 Meter hoch, um dann durch mehrere
Vegetationsstufen auf 1'200 Meter in St. Maria hinabzufallen und
dann in ein enges Seitental nach St. Teresa abzuzweigen. Wunderschöne
Landschaft und ein toller Streckenverlauf bieten sich uns! In St. Teresa
angekommen, lassen wir unseren Landy beim Centro de Salud
(Gesundheitszentrum) stehen, müssen noch zwanzig Minuten laufen und eine
abenteuerliche Drahtseilbahn über den Fluss nehmen, bis wir zur
Haltestelle kommen, wo der Lastwagen zum Wasserkraftwerk fährt, von wo aus
der Zug um 15:20 nach Aguas Calientes fährt. Wir warten eine
geschlagene halbe Stunde bis der Lastwagen wieder zurückkehrt, doch der
Fahrer teilt uns mit, er würde erst wieder um 16:00 hochfahren. Doch für
umgerechnet 8 CHF würde er eine Spezialfahrt nur mit uns beiden machen.
Rein in den Lastwagen und hoch geht es. Nach zwanzig Minuten holpriger
Fahrt kommen wir beim Bahnhof an und sprinten zum Zug, ergattern für 5
Soles (2 CHF) ein Ticket und steigen in den Wagen. Der Anblick, der
sich uns nun bietet verschlägt uns voll den Atem. Im Bewusstsein, uns
völlig abseits der touristischen Pfade zu bewegen, sind wir absolut nicht
darauf gefasst, einen übervollen Wagon nur mit Touristen anzutreffen. Die
meisten haben eine kombinierte Mountainbike-Trekkingtour hinter sich und
dösen mit weit geöffneten Mündern vor sich hin.
Nach einer Stunde ruckelnder Zugfahrt kommen wir in Aguas Calientes
an. Umringt von steilen, hohen und grünbewachsenen Bergen ist die Lage
einmalig. Wir quartieren uns in einer kleinen Absteige ein, essen schnell
was und gehen früh zu Bett, da wir um 4:00 morgens loslaufen wollen, um
Machu Pichu bei Sonnenaufgang zu erleben.
Der Wecker klingelt, es ist dunkel und wir kämpfen mit dem inneren
Schweinehund, der uns immer wieder zurück unter die Bettdecke zieht. Um
4:15 laufen wir los. Keine anderen Touris zu sehen, sollten wir die ersten
sein? Bis zur Brücke geht es runter, doch dann steigt der Pfad steil an.
Immer noch keine anderen Touris zu sehen. Als wir in der Mitte des Pfades
sind, können wir unter uns die ersten Taschenlampen ausmachen. Knapp bevor
wir oben ankommen, überholt uns eine Dreiergruppe laut röchelnd und
schnaufend. Nach 1.5 Stunden ist es geschafft; wir stehen vor dem Eingang
von Machu Pichu. Immer mehr Touris kommen oben an und zerstören
laut quatschend die friedliche Atmossphäre.
Es ist 6:00, wir stehen zuvorderst in der Warteschlange, blättern 60 CHF
für den Eintritt hin und begeben uns in die mystische Ruinenstadt.
Der Anblick und die Lage verschlägt uns voll den Atem. All die Fotos und
Poster von Machu Pichu können die fantastische Lage hoch über dem
Urubambatal, umringt von hohen Bergen nicht wiedergeben, wenn sich die
Ruinen vor einem in Natura eröffnen. Wir suchen uns einen ruhigen Platz
aus und warten nun mit mittlerweile Hunderten von anderen den
Sonnenaufgang ab. Herrlich, wie sich die Sonnenstrahlen über die
Berggipfel trauen und nach und nach die Ruinen beleuchten. Anschliessend
machen wir uns an die Besichtigung der verschiedenen Stadteile. Am
Nachmittag geht es auf dem steilen Saumpfad auf den Wayna Pichu,
dem hohen Berg im Hintergrund von Machu Pichu. Nach einer halben Stunde
sind wir oben und geniessen den herrlichen Ausblick. Und dann machen wir
einen grossen Fehler. Anstatt wieder auf dem gleichen Weg zurückzulaufen,
nehmen wir den längeren Weg, der an zwei Höhlen vorbeiführen soll. Der Weg
ist schon interessant, doch die Höhlen sind es keineswegs und wir brauchen
geschlagene eindreiviertel Stunden bis wir wieder zurück sind. So bleibt
uns nur noch ein knappe halbe Stunde um Machu Pichu noch einmal zu
geniessen, bevor es seine Pforten schliesst. Wir geniessen die mystische
Stimmung bei Sonnenuntergang und machen uns anschliessend mit schmerzenden
Oberschenkeln auf dem Abstieg. Hier treffen wir auf eine tschechische
Reisegruppe, die auch mehr stolpernd als gehend unterwegs ist und wir
beschliessen Machu Pichu gemeinsam bei viel Bier, Pizza und Geschwatz in
einer Kneipe.
Tags darauf geht es wieder mit dem Zug runter, dann mit dem Lastwagen und
danach wieder über den Fluss nach St. Teresa. Der Landy ist heil geblieben
und wir fahren wieder zurück nach Ollanta. Hier besuchen wir die
Ruinen von Ollantaytambo und ziehen weiter durch das schöne Heilige
Tal nach Pisaq. Hier fahren wir direkt in die Ruinenstadt, machen
bei Abenddämmerung und aufsteigendem Vollmond eine Wanderung durch die
faszinierende Anlage und ziehen nächstentags weiter nach Tres Cruzes,
wo man herrliche Sonnenaufgänge über dem Dschungel erleben soll.
Nun ja, wir sind schon um 15:30 auf der Passhöhe und entschliessen uns
noch einen kleinen Abstecher hinab in Richtung Manu Nationalpark zu
machen. So fahren wir anfangs durch dichten Nebel und können, als wir
endlich was sehen, den dichten Urwald, mit seinen tiefen Schluchten,
Wasserfällen und üppiger Vegetation geniessen. In San Pedro
übernachten wir und fahren schon um 4:00 morgens los um den Sonnenaufgang
ja nicht zu verpassen. Das Wetter scheint uns hold zu sein, der Mond
scheint und kein Wölkchen am Himmel. Dies ändert sich aber als wir bei
Tres Cruzes ankommen: wir sitzen im dichten Nebel und sehen absolut nichts
von einem Sonnenaufgang.
Durch schöne Altiplanolandschaft geht es zurück nach Cusco, wo wir die
nächsten Tage dem Inti Raymi, dem heiligsten aller Inkafeste
beiwohnen. Am Abend ziehen Folkloregruppen wild trommelnd und tanzend
durch die Stadt und am nächsten Tag findet das Schauspiel der
Sonnenanbetung in der Stadt und auf den Ruinen Saqsaywaman statt. Ein
eindrückliches Spektakel !!!
Spannende und abwechslungsreiche drei Wochen liegen hinter uns und nun
geht es weiter Richtung Titicacasee, Colca Canyon, Nasca Linien und so
weiter und so fort, Fortsetzung folgt.
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