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Nachdem wir uns in Cusco von der versammelten Globaltrottel- ähhh
Globetrotterclique verabschiedet haben, ging es volle Pulle zum
Titicacasee. In Puno parkiert und dort einen lokalen Führer
angeheuert, der uns zu den Uros, den schwimmenden Schilfinsel
gerudert hat. Obwohl die Inseln schon sehr touristisch sind, leben noch an
die 300 Familien auf den Inseln und man fühlt sich in eine andere Welt
versetzt. Drachenboote aus Schilf schippern in der Gegend herum, es hat
Schulen und medizinische Versorgung. Ein eindrückliches Erlebnis und wenn
nicht dutzende Touristenboote die Inseln anlaufen würden, noch
eindrücklicher.
Weiter geht es um den Titicacasee, wo man im Hintergrund die
schneebedeckten Berge der Cordillera Real sieht, nach La Paz.
Von El Alto auf 4'000 Metern stürzen wir uns runter in den Talkessel
von La Paz, das auf 3'600 Metern liegt. Im Hintergrund sind wiederum
einige schneebedeckte Gipfel zu sehen und in der Stadt geht so richtig die
Post ab. Taxis, Collectivos (Sammeltransporter), Busse drängeln sich kreuz
und quer über die Strassen, halten an wo es ihnen gefällt und dazwischen
noch Tausende von Fussgängern, die irgendwie über die Strasse gelangen
wollen, kurzum, ein herrliches Chaos. So sind wir froh, als wir das bei
Reisenden wohlbekannte Hotel Oberland erreichen. Und hier erleben
wir eine nette Überraschung. Der Besitzer des Hotels,Walter Schmid ist auf
dem Mutschellen in die gleiche Schule gegangen wie Petr und die beiden
kennen sich von den Skilagern her. Natürlich wird gleich über die
gemeinsamen Bekannten nachgegrübelt und über die vergangenen Zeiten
nachgedacht.
La Paz ist eine faszinierende Stadt: lebendig, laut, bunt und rund um die
Uhr ist Leben auf der Strasse. Das Beste sind die verschiedenen
Freiluftmärkte. Jede Strasse beherbergt ihr Spezialgebiet. Sei dies
Gemüse, Obst, Klempnersachen, Fahrräder, Elektrozubehör, Computer, etc,
etc, ganze Stadtviertel sind ein riesiges Shopping-Center.
Am Donnerstag geht es noch an den Markt von El Alto, wo alles von Kleidung
bis zu Automotoren verkauft wird. Vor allem staunen wir, als wir sehen,
dass Kleidung, die bei uns in der Kleidersammlung gesammelt wird und
eigentlich an Bedürftige kostenlos verteilt werden sollte, hier verkauft
wird. Selbst alte Schweizer Militärhosen kann man hier ergattern.
Die Tage vergehen im Nu, wir bummeln durch die Stadt, machen auf Kultur
und ziehen uns die letzte Episode von Star Wars rein, besuchen Inge und
Guy, die wir in Puerto Madryn getroffen haben und die hier nun als
Bikeführer arbeiten und als Tüpfelchen auf dem i gönnen wir uns noch ein
feines Fondue bei Walter.
Da wir unsere Fahrräder wieder mal bewegen wollen und von La Paz aus
die berühmt berüchtigte gefährlichste Strasse der Welt runter in
die Yungas nach Coroico führt, können wir fast nicht anders, als diese auch
runterzufahren. Doch Walter verrät uns eine Insiderstrecke, die nicht auf
der staubigen Strasse runterführt, sondern auf der anderen Bergseite,
durch völlig unberührte Landschaft geht und wenn man Glück hat, sogar
Pumas zu sehen wären. Also, nichts wie los. Um 6:30 steht das Taxi bereit,
wir laden die Fahrräder aufs Dach und fahren auf den 4'700 Meter hohen
Pass La Cumbre, von wo aus der Downhill beginnt. Die ersten 40km sind
asphaltiert und wir brettern mit 60 Sachen ins Tal runter. Dann kommt der
Abzweig zur Insiderstrecke. Die Landschaft ist wunderschön und immer
wieder ergeben sich grandiose Ausblicke, doch irgendwie will der Weg nicht
in die Tiefe sinken, sondern es geht immer wieder rauf und runter. Damit
wir ja nicht zu schnell vorwärts kommen, hat es auf der gesamten Strecke
an die 20 Erdrutsche, die wir mal mit gebuckeltem Fahrrad, mal ziehend,
mal stossend und meistens fluchend bewältigen müssen. Pumas sehen wir
leider keine, doch wahrscheinlich keuchen wir dafür zu stark und
verscheuchen alle Tiere. Erst gegen Schluss geht es richtig ins Tal runter,
und wir lassen es richtig kacheln. Um 17:00 kommen wir mit schmerzendem
Rücken und Hintern im Tal an und nehmen das Collectivo, das uns nach
Coroico bringt. Hier besuchen wir Hans, den wir in Cusco kennengelernt
haben, und der uns zu sich eingeladen hat. Wir geniessen den Gemüseauflauf
mit Straussenei von Rainer, sind froh und glücklich, dass wir diese tolle
Strecke gemeistert haben und fallen danach todmüde ins Bett.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus die Strasse nach La Paz zurück und
sehen immer wieder Biker, die mit den unzähligen Organisatoren, die dieses
"Abenteuer" anbieten, die Strasse runterfahren. Sie schlucken Staub ohne
Ende und sehen vor lauter Staubwolken kaum die sie umgebende Landschaft.
Wir sind heilfroh, dass wir nicht hier runtergefahren sind. Bei der
Rauffahrt konstatieren wir, dass das Attribut gefährlichste Strasse der
Welt vor allem ein Marketinggag ist. Natürlich ist die Strasse eng und
steil abfallend, doch die meisten Unfälle geschehen, weil die Bremsen
versagen oder beim Manövrieren, wenn zwei Lastwagen kreuzen müssen. Bei
den bolivianischen Fahrkünsten ist es aber nicht weiter erstaunlich, dass
immer wieder ein Wagen den Hang runterpurzelt.
Auch im Oberland hat sich eine nette Reisendenclique eingefunden, von der
wir uns verabschieden und in die Berge nach Sorata fahren. Leider
spielt das Wetter nicht mit und statt der grandiosen Ausblicke auf die
umgebenden Gipfel, kriegen wir nur Nebel und Wolken zu sehen. Doch der
Schweizer Stefan, der hier schon seit 10 Jahren wohnt und ein kleines Café
betreibt, vertröstet uns, dass sich das Wetter schnell ändern kann. So
schalten wir einen gemütlichen Hängertag ein. Von Stefan kriegen wir den Tip,
dass ein Ami coole Downhilltouren anbietet. Das will ich mir natürlich
nicht entgehen lassen. Am nächsten morgen laden wir das Bike von Travis
aufs Dach und ab geht es auf 4'800 Meter Höhe. Hier oben sind wir über dem
Nebelmeer, die Sonne scheint und das Abenteuer kann beginnen. Ich auf dem
Fahrrad und Esther mit dem Landy. Die Strecke ist einfach super: knackige
Schotterabfahrten, coole Singletracks und immer anspruchsvolle technische
Passagen. Drei Stunden vollster Bikegenuss!
Weiter geht es auf der Nordseite des Titicacasees nach Peru. Die Strecke
führt dem See entlang, ist bedeutend schöner als die Südseite und bietet
immer wieder schöne Ausblicke auf den See und seine Inseln. Der
Grenzübertritt ist sehr einfach, es hat nämlich gar keine Kontrolle und
schwupps sind wir in Peru. Da uns das nicht sehr geheuer ist, fragen wir
natürlich sofort bei der Peruanischen Polizei, wo wir den Einreisestempel
kriegen. In Puno oder jeder Provinzhauptstadt, kein Problem. Da Wochenende
ist, die Behörden eh geschlossen sind, fahren wir weiter nach Arequipa.
Dies sollte sich noch als Fehler erweisen, doch dazu noch später.
Arequipa ist eine lebendige Stadt mit einer schönen Plaza, einem riesigen
Kloster, einigen schönen Kirchen und einem herrlichen Ausblick auf die sie
umgebenden 6'000 Meter hohen Vulkane. Wir flanieren durch die Gassen,
besuchen das Kloster und schauen dem Treiben auf der Plaza zu.
Am Montagmorgen geht es in aller Früh zur Immigration, um den
Einreisestempel für Peru zu erhalten. Was wir hier erleben, lässt den
Amtsschimmel laut wiehern. Da wir keinen Ausreisestempel von Bolivien
haben, müssen wir zum Schweizer Konsul oder Notar um eine Bestätigung
einzuholen, dass wir wirklich via die grüne Grenze nach Peru gelangt sind.
Der Honorarkonsul ist sehr nett, doch kann er uns keine Bestätigung
ausstellen, weil er nicht dazu befugt ist. Also ab zum Notar. Wir kriegen
die eidesstattliche Bestätigung, zahlen 8 Fränkli und müssen danach noch
zur Bank um die Bearbeitungsgebühr von 10 CHF einzuzahlen. Nichts leichter
als das, wenn nicht schon tausende von anderen das gleiche Begehren
hätten. Ich laufe an der Menschenschlange vorbei um zu fragen, ob dies die
richtige Warteschlange ist und werde zu meinem grossen Erstaunen und der
Verärgerung der hinter mir Wartenden, die mit Gemotze ihrem Unmut Ausdruck
geben, sofort drangenommen und kann sofort einzahlen, das ging ja
ruckzuck. Zurück zur Immigration und um 14:30 haben wir unseren
Einreisestempel. Jetzt nur noch schnell zum Zoll und fertig sind wir. Tja,
nach über einer Stunde vergeblicher Diskussion und Studiums der
Zollparagrafen, wird mir mitgeteilt, dass der Zoll in Arequipa nicht in
der Lage ist, ein temporäres Zollformular für unseren Landy auszustellen
und wir wieder zurück zur Grenze fahren müssen. So ne Scheisse !!!
Zähneknirschend nehmen wir die 600km zurück zur Grenze in Angriff und
können wenigstens durch schöne Wüstenlandschaft wieder zum Titicacasee
fahren. Unterwegs treffen wir die über 50 Jahre alte Cynthia, die mit
ihrer BMW R80, alleine von England, via Wladiwostok, Japan und Australien
nach Südamerika gereist ist und nun auf dem Weg nach Norden ist. Chapeau.
Da wir schon an der Bolivianischen Grenze sind, beschliessen wir, schnell
nach Bolivien einzureisen, alle Tanks zu füllen, da dort der Diesel
weniger als die Hälfte als in Peru kostet, dann wieder nach Peru einzureisen
und hier das Zollformular für den Landy auszustellen. Die Peruaner
verstehen die Situation sofort, doch der Volltrottel von bolivianischem
Immigrationsbeamten will uns partout den Ausreisestempel nicht geben
sondern uns noch zu einer Busse von 20 Franken pro Person verdonnern, weil
wir das Land unerlaubt verlassen hätten. Nach ellenlanger Diskussion
verlassen wir sein Büro ohne den Ausreisestempel, öffnen selber die
Schranke und können problemlos und mit vollen Tanks nach Peru einreisen.
Jetzt sitzen wir am Rande des Colcacanyons und hoffen am nächsten Morgen
Kondore zu Gesicht zu kriegen.
Doch davon mehr im nächsten Reisebericht.
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