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Junge, junge, wie die Zeit vergeht. Schon seit einer Woche sind wir hier
in Lima, sitzen jetzt gemütlich im Schweizerclub und schauen zu, wie
draussen die Paletten für das heutige 1. August Feuer aufgeschichtet,
drinnen emsig die Lampignons aufgehängt werden und das Restaurant
geschmückt wird. Daneben trägt Esther das Tagebuch nach und ich haue mal
wieder in die Tasten, um unsere wehrte Leserschaft auf dem Laufenden zu
halten. Doch zuerst zurück zum Rand des Colcacanyons wo diese
Reiseetappe ihren Anfang nahm.
Der Sonnenaufgang über dem Canyon ist herrlich und eröffnet uns wunderbare
Ausblicke ins Tal. Von den Daten her gesehen ist diese Schlucht die
tiefste der Welt, doch da man den Canyon nie von ganz oben zu sehen
kriegt, ist er weniger eindrücklich als z.B. der Grand Canyon in den USA
oder der Kupfercanyon in Mexiko. Am Aussichtspunkt Cruz del Condor
kriegen wir mit hunderten von anderen Touris einige Kondore zu sehen, die
gemächlich ihre Kreise ziehen, geniessen die Ausblicke und begeben uns
danach ins Thermalbad, um uns endlich mal den sich eingenisteten Staub aus
allen Poren zu spülen. Weiter geht es über einsame Altiplanolandschaft zum
Cotahuasicanyon. In der ganzen Region wird intensiv Bergbau
betrieben, immer wieder zweigen Pisten zu irgendwelchen Minen ab und
tragen nicht sonderlich zur Erleichterung beim Finden der richtigen Piste
bei. Wir übernachten am Rande des Canyons und geniessen am Morgen früh den
Sonnenaufgang, die herrliche Aussicht und das gemütliche Frühstück bei
angenehmen Temperaturen.
Über unzählige Serpentinen gelangen wir ins friedliche Dörfchen
Cotahuasi, fahren zum Wasserfall nach Sipia, von wo aus
es auch einen imposanten Ausblick auf die steil aufragenden Wände des
Canyons gibt und geniessen anschliessend unseren Privatpool in den
Thermen von Lucio, herrlich. Tags darauf nehmen wir eine Piste,
die nach Norden aus dem Canyon rausführt. Wir haben diese schon mit dem
Feldstecher von der anderen Seite her gesehen und ein Strassenbauingenieur
bestätigt uns, dass diese frisch erbaut wurde und durchgehend sein soll.
Über unzählige Serpentinen winden wir uns von 2'700 m.ü.M wieder auf über
4'800 und erfreuen uns immer wieder ob der spektakulären Ausblicke. Es
geht durch fantastische Landschaft und am Abend kommen wir in Corculla
an, das nur 12 km Luftlinie von unserem Ziel Pausa entfernt liegt. Die
Strasse endet auf dem Hauptplatz, auf dem eben ein Fussballspiel
stattfindet. Wir fahren am Torhüter vorbei, parken, das Fussballspiel ist
vergessen und wir werden sofort von der gesamten Dorfjugend umringt, die
ihrer Kreativität freien Lauf lässt und sich mit lustigen Kritzeleien im
Lack unseres verstaubten Landys verewigt. Esther rastet fast aus, doch als
uns der Bürgermeister begrüsst und die Horde auf Distanz bringt, klärt
sich der Ansturm auf. Die von uns befahrene Strasse ist erst seit vier
Tagen fertiggestellt und das Dorf konnte vorher nur zu Fuss mit einem
stundenlangen Marsch erreicht werden. Wir sind somit die ersten Touristen,
die sich jemals hierher verirrt haben !!! Als Tüpfelchen auf dem i wird an
diesem Tag der Dorfheilige gefeiert und es wird gegessen, getrunken,
getanzt und am Abend in einer eindrücklichen Prozession eine Lade durch
die Strassen geschleppt. Unglaublich, dass man in der heutigen Zeit noch
Dörfchen "entdecken" kann, ohne Strom, ohne fliessend Wasser, wo noch
keine Touris vorbeigekommen sind.
Am nächsten Tag lassen wir uns die Strecke nach Pausa genau
erklären und machen uns wieder zurück nach oben, auf den Weg. Wir finden
den Abzweig, die Piste ist aber zeitweise so miserabel, dass wir mit
höchstens 15 km/h vorwärts kommen, doch dafür haben wir genug Zeit die
fantastische Landschaft um uns herum aufzunehmen. Mitten im Nirgendwo
steht eine Hütte mit peruanischer Flagge und ist das Schulhaus für die
Kinder der Bauern, die hier oben auf 4'500 Metern Höhe mit dem Hüten von
Lamas und Alpacas ein einfachstes Dasein fristen. Die Piste wird sandig
und man wähnt sich eher in Tunesien als in Peru. Wir müssen, um nach Pausa
zu gelangen, einen tiefen Canyon umfahren und kleinere Seitentäler runter
und wieder rauffahren. Wir sind den ganzen Tag unterwegs, legen knappe
150km zurück und sind am Abend nur 12km Luftlinie von unserem letzten
Übernachtungsplatz entfernt. Kein Wunder, sind wir so im Verzug mit
unserer Zeitplanung ! Doch dieser Abstecher hat sich für uns absolut
gelohnt. Von Pausa geht es wieder die Berge rauf und durch
Wüstenlandschaft und an Oasen vorbei endlich an die Küste. Hier erwartet
uns Nebel und Feuchtigkeit, der unser Begleiter für die nächsten zwei
Wochen werden soll.
In Nasca buche ich einen Überflug der berühmten Linien, bin ein
wenig enttäuscht, da ich sie mir grösser und klarer vorgestellt habe, doch
dafür bietet der Flug mehr Spektakel als erwartet, da es ziemlich windet
und der Pilot die kleine Maschine voll in die Kurve legt, damit man die
Linien zu sehen kriegt.
Weiter geht es durch die Küstenwüste nach Ica, wo wir das
Steinmuseum des Dr. Cabrera besuchen und sind völlig baff ob der
eingeritzten Zeichnungen auf den tausenden von Steinen, die er gesammelt
hat. Diese sind mit grosser Wahrscheinlichkeit über 12'000 Jahre alt,
zeigen aber Menschen, die mit Dinosauriern kämpfen, Abbildungen von Tieren
die vor über 70 Millionen Jahren ausgestorben sind und detaillierte
Skizzen von inneren Organen und operativen Eingriffen an Herz und Hirn.
Glaubt man den Theorien des Dr. Cabrera, deutet alles darauf hin, dass vor
der unseren, schon eine andere Zivilisation auf unserem Planeten gelebt
haben und danach ausgestorben sein soll, klingt unglaublich, nicht wahr?
Daneben ist Ica auch das Hauptanbaugebiet für Wein und Pisco und as usual
probieren wir einige der produzierten Säfte aus. Nun ja, wegen dem Wein
muss man Peru sicher nicht besuchen, doch der Pisco lässt meine Augen
schon eher glänzen. Ob dies mit der degustierten Menge und Alkigehalt
zusammenhängt, sei dahingestellt.
In der Oase Huacachina, fühlt man sich mitten in die Sahara
versetzt. Hohe, steile Dünen umgeben eine mit Palmen und Hotels umringte
grüne Pfütze. Diverse Anbieter bieten Ausfahrten mit Dünenbuggies an und
nach einigen Diskussionen, ob wir selber in die Dünen fahren sollen oder
uns fahren lassen sollen (natürlich will ich selber mit dem Landy in die
Dünen rein!) buchen wir eine zweistündige Tour inklusive Sandboarden und
werden nicht enttäuscht. Unser Fahrer Martin donnert mit seinem an Mad Max
erinnernden Vehikel mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Dünen.
Immer wieder heben wir ab und fliegen über die Dünenkämme. Düne rauf und
mit voller Pulle auf der anderen Seite wieder runter. Eine Achterbahn ist
ein müdes Kaffeekränzchen gegen den Adrenalinkick, den wir hier
reinziehen. Das Sandboarden hingegen ist ziemlich lahm und langweilig und
wird nur durch die spektakulären Stürze der anderen Boarder, die fleissig
Sand futtern und sich die Unterhosen mit demselben füllen, aufgeheitert.
Lima ist bald erreicht und wir können uns auf dem Parkplatz des
Schweizer Clubs einquartieren. Das Stadtzentrum selber hat ausser ein paar
Kirchen, einer schönen Hauptplaza und einigen netten Gässchen keine
absoluten touristischen Highlights und macht einen eher ziemlich
heruntergekommenen Eindruck. Doch es hat einige schöne Stadteile
ausserhalb des Zentrums die zum Flanieren einladen. Dafür lernen wir
einige sehr offene und interessante Schweizer kennen, die hier leben und
mit denen wir angeregte Gespräche führen können. Am 30. Juli wird in der
Schweizer Botschaft der Nationalfeiertag gefeiert und da alle
Auslandschweizer und solche auf der Durchreise eingeladen sind, begeben
wir uns in die prächtige Residenz und lauschen der auf spanisch
übersetzten und vom Tonband kommenden Ansprache unserer Bundespräsidenten
Samuel Schmid. Kaum ist der Vortrag beendet, die Schweizer Hymne
abgelesen, bei der Peruanischen gibt es doch noch einige, die mitsummen
und das Buffet für eröffnet erklärt wird, kommt Leben in die Gesellschaft
und das Käsebuffet ist innert weniger Minuten leergefegt. Wir haben die
Gelegenheit, mit dem Konsul und dem Chef des Affaires ein paar Worte zu
wechseln und verlassen in patriotischer Stimmung die Residenz.
Heute Abend können die Kleinen mit den Lampignons herumstolzieren, die
Grossen ums Palettenfeuer herumstehen, echte Schweizer Cervelats und
Bratwürste geniessen und ein Feuerwerk wird die Menschen und Hunde in der
Nachbarschaft erschrecken und die Schweizer Seele erquicken. Jolidulidu.
Toll war es.
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